Blick in die Fertigungshalle des Motorenwerks.
Der Insolvenzverwalter hält den Erhalt des Werks von JD Norman in Thüringen für möglich. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Ruth Breer

JD Norman Insolvenz bei Autozulieferer: Verwalter hält Sanierung für möglich

Rund 700 Mitarbeiter in Thüringen und Hessen sind betroffen von der Insolvenz des Autozulieferers JD Norman Germany. Dem Hersteller von Motorenteilen macht die Absatzkrise der Autoindustrie zu schaffen, so die erste Einschätzung des Insolvenzverwalters. Er hält das Unternehmen aber für sanierungsfähig.

von Ruth Breer

Blick in die Fertigungshalle des Motorenwerks.
Der Insolvenzverwalter hält den Erhalt des Werks von JD Norman in Thüringen für möglich. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Von Kostenproblemen berichtet Thomas Schulte, Europa-Direktor von JD Norman Industries. Die Kunden hätten deutlich weniger abgenommen als vorhergesagt. So habe das Unternehmen bereits 2018 keine Leiharbeiter mehr beschäftigt und auch die Stammbelegschaft etwas verkleinert. In diesem Jahr sei der Absatz weiter zurückgegangen. Wegen des Brexit, so berichtet Schulte, habe Jaguar/Landrover im April ein Projekt abgesagt. Am Standort Witzenhausen erhielten 70 der 200 Mitarbeiter eine Kündigung zum Ende Januar 2020. Die Insolvenz ließ sich trotzdem nicht verhindern.

JD Norman: Insolvenzverwalter analysiert Werk in Thüringen

Seit vergangener Woche ist der vorläufige Insolvenzverwalter Holger Leichtle im Unternehmen unterwegs. Nach seinem Eindruck liegt das Problem in der wirtschaftlichen Gesamtsituation mit deutlich gesunkenen Abnahmemengen. Es gab "keine riesigen Managementfehler", auch liege kein extremer Investitionstau an. Das mache ihn "hoffnungsfroh, dass man hier noch was hinkriegt".

Jetzt geht es für ihn im ersten Schritt darum, den Betrieb wieder auf volle Touren zu bringen: dass Lieferanten wieder liefern und Kunden wieder abnehmen. Im zweiten Schritt kündigt Leichtle an, nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen - und parallel nach einer langfristigen Perspektive. Er schließt weder eine Lösung mit dem jetzigen Eigentümer, noch einen Verkauf an potenzielle Interessenten aus. Beide Werke - im Industriegebiet Kindel bei Eisenach wie in Hessen - seien wichtig, betont Leichtle. Ziel sei es, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Minister Tiefensee sieht noch Potenzial im Verbrennungsmotor

Politische und moralische Unterstützung erhielten Unternehmen und Insolvenzverwalter am Dienstag von der Landespolitik. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee schaute sich im Werk um und besuchte auch die Betriebsversammlung. Das Unternehmen sei gut aufgestellt, befand der SPD-Politiker im Anschluss. Man werde dem Hauptabnehmer signalisieren, dass das Unternehmen Klarheit brauche, was die Absatzmengen betreffe, kündigte der Minister an.

Der Verbrennungsmotor habe noch mindestens bis zur Jahr 2035 Zukunft, so Tiefensee. Das Werk im Wartburgkreis, seine Produkte und seine Mitarbeiter würden gebraucht. Die Insolvenz werfe ein Licht auf die Situation mehrerer Automobilzulieferer in Thüringen und Deutschland, sagte der Minister. Die Kunden hätten ihre Bestellungen zurückgefahren. In dem Thüringer JD-Norman-Werk würden Gussteile unter anderem für Motorgehäuse hergestellt - es sei damit vom Trend zur Elektromobilität betroffen.

Eingreiftruppe für Probleme von Autozulieferern in Thüringen angekündigt

Die Landesregierung wolle angesichts der Probleme von Autozulieferern eine Art schnelle Eingreiftruppe installieren. "Das Instrument hat sich schon bei Opel in Eisenach und Siemens in Erfurt bewährt", sagte der Minister. Die Automobilindustrie ist bisher der umsatzstärkste Industriebereich in Thüringen. Laut Statistischem Landesamt liegt ihr Jahresumsatz bei mehr als 4,5 Milliarden Euro. In der Autoindustrie im engeren Sinne sind rund 16.500 Arbeitnehmer beschäftigt.

Quelle: MDR THÜRINGEN mit dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 20:21 Uhr

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