Fläche wurde schon seit Jahresanfang vorbereitet K+S darf Abraumhalde an Thüringer Landesgrenze erweitern

Der Düngemittelkonzern K+S darf seine an der Thüringer Grenze liegende Abraumhalde in Hessen um ein rundes Drittel erweitern. Die Kapazität der weithin sichtbaren Halde des Kaliwerks Werra im hessischen Philippsthal ist offenbar erschöpft. Das Regierungspräsidium Kassel hat nun den ersten Abschnitt des Ausbaus am Donnerstag genehmigt, über einen zweiten Abschnitt ist noch nicht entschieden. Die neue Fläche von knapp 27 Hektar wurde im Nordwesten der bestehenden Halde bereits eingerichtet und reicht nach Angaben von Behörde und Unternehmen für fünf bis sechs Jahre.

Rauch steigt aus Schornsteinen im K+S-Verbundwerk Werra Standort Hattorf in Philippsthal auf. Im Hintergrund die Halde.
Das Kaliwerk Hattorf in Philippsthal liegt in Hessen, die Abraumhalde daneben reicht bis an die Thüringer Landesgrenze (Archiv). Bildrechte: dpa

Nächste Erweiterung der Halde bereits beantragt

K+S-Vorstandschef Burkhard Lohr sprach von einem "guten Stück Zukunftssicherheit". Die alte Hattdorfer Rückstandshalde mit einer Fläche von 86 Hektar war bereits gefüllt. Das Genehmigungsverfahren hatte sich über vier Jahre hingezogen, zweimal musste umgeplant werden. Da das Bergbauunternehmen schon im Frühjahr mit Vorarbeiten beginnen durfte, werden die ersten Rückstände bald auf die neue Fläche geschüttet. Die neue Halde soll wie die alte 180 Meter hoch werden. Ein weiterer Ausbau der Halde, der Kapazitäten bis in die vierziger Jahres dieses Jahrhunderts bieten soll, ist nach Unternehmensangaben bereits beantragt. Darüber ist nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel aber noch keine Entscheidung gefallen. Zum Kaliwerk Werra gehört auch der Thüringer Standort Unterbreizbach.

Kritik vom BUND

Der BUND Hessen kritisierte die Genehmigung und kündigte eine genaue Prüfung des Planfeststellungsbeschlusses an. Da die Niederschläge Salz aus den Halden herauslösten, vergrößere jede Haldenerweiterung die Menge der zu entsorgenden salzhaltigen Haldenabwässer. Dieser Prozess halte an, bis eine Halde vollständig aufgelöst sei, was bei den herrschenden Niederschlägen weit über 1.000 Jahre dauern könne.

Auf Anfrage teilte das Thüringer Umweltministerium mit, es sei wichtig, die vorgesehene spätere Abdeckung der Halde durch K+S zu gewährleisten. "Hierzu läuft bei K+S derzeit ein großtechnischer Versuch. Diese Maßnahme ist Teil des ´Masterplans Salzreduzierung´, mit dem bis Ende 2027 die Salzbelastung in Werra und Weser reduziert werden soll," hieß es am Montag. Ziel sei ein guter ökologischer Gewässerzustand.

Karte Kalihalde Philippstal
Die Abraumhalde von K+S liegt gleich hinter der Thüringer Grenze. In den kommenden Monaten soll sie Richtung Nordwesten um knapp 27 Hektar erweitert werden. Bildrechte: MDR.DE

Landräte: Erweiterung bringt Beschäftigten Sicherheit

Die Landräte der Kaliregion begrüßen die Haldenerweiterung bei K+S am Standort Hattorf. Die Erlaubnis dazu sorge für Sicherheit bei den Beschäftigten und ihren Familien, erklärten der Landrat des Wartburgkreises, Reinhard Krebs (CDU), und der Landrat von Bad Hersfeld, Michael Koch (CDU). Unverständnis zeigten die beiden Politiker dagegen für die Kritik der Naturschutz-Organisation BUND. Der BUND hatte die Genehmigung als ökologisch unverantwortlich kritisiert. Die Landräte sagten, natürlich müssten die Belastungen für die Natur so gering wie möglich gehalten werden. Man müsse aber auch anerkennen, welche Kosten der Konzern bereits eingegangen sei, um neue Standards zu setzen. An dem Unternehmen hingen Tausende Arbeitsplätze, so Krebs und Koch.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Nachrichten | 11. Oktober 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2018, 17:28 Uhr

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5 Kommentare

16.10.2018 14:32 Chris 5

Bei der Wahl zwischen Umweltschutz und Arbeitsplätzen wird der Mensch immer Arbeitsplätze wählen! Dabei muss das gar kein Entweder Oder sein.

15.10.2018 23:49 Wo ist das Lobbyregister? 4

(Der BUND hatte die Genehmigung als ökologisch unverantwortlich kritisiert. Die Landräte sagten, natürlich müssten die Belastungen für die Natur so gering wie möglich gehalten werden. Man müsse aber auch anerkennen, welche Kosten der Konzern bereits eingegangen sei, um neue Standards zu setzen. An dem Unternehmen hingen Tausende Arbeitsplätze, so Krebs und Koch.)

Baah, ich kriege einen Waschzwang... Man denke das Elend zuende und stelle fest: Umweltschutz geht leider garnicht, weil immer irgendwer Geld mit der Zerstörung von Ressourcen verdient und "Arbeitsplätze schafft". Und mit diesen Figuren will irgendjemand an diesem Szenario des 19. Jahrhunderts irgendetwas ändern? Der BUND hat absolut recht mit seiner Kritik. Er geht damit nicht weit genug: Das Problem im Problem sind nämlich "Politiker" des oben nachzulesenden Schlages, bei denen man sich natürlich fragt, wessen Interessen sie eigentlich vertreten.

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