Wartburgregion K+S verfüllt alte Schächte der Grube Springen

Autorenbild Ruth Breer
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Alte Bergwerke müssen gesichert werden. Daran arbeitet das Kali-Unternehmen K+S derzeit in Springen im Wartburgkreis. Nach und nach sollen die alten Schächte verfüllt werden. Aber es geht um mehr: Künftig will das Unternehmen im früheren Bergwerk Kalilauge dauerhaft einlagern. Damit könnte auch eine schwierige Altlast beseitigt werden.

Ein Mann steht vor einem Lastwagen, der Steine ablädt
Bis zu 20 Lastwagen pro Tag bringen den Schotter zum Schacht bei Springen in Thüringen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Klein ist die Baustelle, aber ziemlich laut: Im Wald bei Springen, gleich gegenüber vom Tierheim, kippen Lastwagen Basaltschotter ab. Ein Bagger bugsiert die Steine mit einer breiten Schaufel in einen Trichter. Über ein Förderband rattern sie hoch zu einem Metallrohr und verschwinden dort durch einen Rost in der Tiefe.

Knapp 400 Meter reicht der Schacht Springen I senkrecht in den Berg hinab, rund fünf Meter misst er im Durchmesser. Allein bis zu 14.000 Tonnen Schotter werden benötigt, um ihn in der ersten Phase zu füllen, bis zur ersten Sohle des Bergwerks. Oberhalb davon wird eine Dichtung eingebaut. Sie soll verhindern, dass Flüssigkeiten eindringen oder austreten. Deshalb wird ein besonderer Ton verwendet, sogenanntes Bentonit. Es wird mit Lauge zum Aufquellen gebracht und vergrößert dann sein Volumen auf das Zehnfache.

Ein Bagger steht neben einer Förderband-Anlage
Die "kleine Baustelle" am Schacht Springen I - der erste von insgesamt 14 Schächten im Bereich der Grube Springen, die K+S verfüllt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Darüber werden Kies und anschließend Ton eingebracht. Für diese späteren Arbeiten würde die Baustelle deutlich wachsen: Es stehen schon die Fundamente für ein Windengerüst und eine Halle.

K+S will Entsorgungsproblem lösen

Zwei bis drei Jahre dauern die Arbeiten über- und untertage an so einem alten Schacht, sagt Karl-Heinz Heinemann, der bei K+S für die Verwahrung des Alt-Bergbaus zuständig ist. Weil parallel gearbeitet werden kann, werde man für die 14 Schächte der Grube Springen noch rund zehn Jahre brauchen.

Steine fallen durch ein Gitter in einen Schacht
Der Schacht unter dem Rost hat gut 5 Meter Durchmesser und ist fast 400 Meter tief. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Was das kostet? Zahlen nennt K+S nicht, der Schacht Springen I ist der erste, in dem das in Niedersachsen in den 1990er- Jahren erprobte Verfahren angewendet wird. Doch es geht hier nicht nur darum, das ausgediente Bergwerk sicher zu verwahren. Dort sollen künftig Produktionsabwässer dauerhaft eingelagert werden. In zwei Grubenfeldern wurden bereits 400.000 Kubikmeter Lauge als sogenannte "Versuchsstapel" eingelagert.

Für den Dauerbetrieb gibt es noch keine Genehmigung. Nach den Plänen des Unternehmens soll das bereits ab 2022 funktionieren, weil Ende 2021 die Erlaubnis auf hessischer Seite ausläuft, Lauge im Plattendolomit zu versenken. Der Raum der Grube Springen soll reichen, um die Entsorgung des Kaliwerks Werra dauerhaft zu sichern.

Laugenzuflüsse beseitigen

Darüber hinaus könnte das sogenannte Einstapeln von Lauge ein Altlastenproblem lösen, für das das Land Thüringen seit Jahren finanziell verantwortlich ist.

Steine auf einem Förderband
Auf diesem Band wird der Schotter hoch zum Einfüllrohr befördert. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

In Springen gibt es untertage seit den 1960er-Jahren unkontrollierte Laugenzuflüsse im sogenannten "Querort 23", die bisher nicht zu stoppen waren und ständig abgepumpt werden müssen. Wird die Grube geflutet, könnte sich das Problem durch den Gegendruck erledigen, so die Hoffnung.

Umfeld so wenig wie möglich stören

Aktuell testet K+S am ersten Schacht im Probebetrieb zunächst einmal das Verfahren, prüft Material, Ausrüstung und Logistik. Das Unternehmen versuche, das Umfeld so wenig wie möglich zu belästigen, sagt K+S-Sprecher Ulrich Göbel. Es sollen maximal 20 Lastwagen pro Tag fahren. Schotter und Kies werden mit Wasser besprengt, um Staub zu binden. Der Schacht Springen I liegt allerdings weit außerhalb des Ortes. Andere Schächte sind näher an der Wohnbebauung: Alexandershall und Abteroda sollen als nächste verfüllt werden.

Ein Mann mit Sicherheitshelm hält einen Zollstock
Karl Heinz Heinemann, der Leiter der Verwahrung bei K+S, erklärt, wie der Schacht verfüllt wird. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Juli 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

augu vor 4 Wochen

"Künftig will das Unternehmen im früheren Bergwerk Kalilauge dauerhaft einlagern."
Kalilauge, ist die nicht zu schade zum Einlagern ?
Wahrscheinlich ist Abfall-Lauge, die bei der Kalisalzgewinnung anfällt gemeint, sie enthält aber wohl nur noch sehr wenig Kalisalz.
Ein paar mehr Informationen zum Verfahren wären schon schön gewesen, z.B. wie verhindert wird, dass die in den verfüllten Schacht gepumpte Abfall-Lauge in Grundwasser-Horizonte eindringt.

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