Bewaldeter Hang miut vielen vertrockneten brau-graunen Bäumen
Blick auf den Burgberg oberhalb von Berka vor dem Hainich. In der Mitte Fichten, die vom Borkenkäfer befallen wurden. Darüber stehen Buchen, die vertrocknet sind. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Hainich

Stürme, Trockenheit und Schädlinge Förster sehen nun auch Laubbäume in Gefahr

Die Schäden in den Thüringer Wäldern sind so hoch wie seit 70 Jahren nicht. Nach Stürmen und Trockenheit des vergangenen Jahres vernichtet der Borkenkäfer massenhaft Fichten. Seit etwa fünf Wochen beobachten die Forstleute, dass auch Buchen stark unter der Trockenheit leiden. Viele der Laubbäume sind nicht mehr zu retten.

von Ruth Breer

Bewaldeter Hang miut vielen vertrockneten brau-graunen Bäumen
Blick auf den Burgberg oberhalb von Berka vor dem Hainich. In der Mitte Fichten, die vom Borkenkäfer befallen wurden. Darüber stehen Buchen, die vertrocknet sind. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Hainich

Auf Augenhöhe ist der Laubwald grün, die Welt in Ordnung. Das ändert sich beim Blick nach oben in die Baumkronen. Die sind schütter, wenig belaubt – und immer wieder deutet Ansgar Pape, Forstamtsleiter Marksuhl, auf kahle Bäume. Alte Buchen sind es vor allem. 120 bis 140 Jahre schon wuchsen sie im Wald südwestlich von Eisenach. Nun sterben sie von oben nach unten ab, weil sie es nicht mehr schaffen, Wasser bis hoch in die Baumkronen zu transportieren, sagt Pape. Weil ihnen Wasser fehlt – und weil im trockenen Sommer 2018 Feinwurzeln abgestorben sind.

Bucheckern - das letzte Aufbäumen

Buche von unten mit abgestorbenem Kronenbereich
Eine Buche mit ausgetrockneter Baumkrone Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Dazu produzieren viele Buchen - wie schon im Vorjahr - verstärkt Bucheckern, was zusätzlich Energie kostet. "Man hat das Gefühl, die Bäume produzieren kurz vor dem Absterben noch einmal Samen." Als letztes Aufbäumen könne man das deuten. Von einer "ziemlich üblen Situation" spricht Pape, die seine Kollegen seit vier bis fünf Wochen beobachten, "und wir wissen noch nicht, wo das enden wird". Betroffen sind Buchen vor allem an sogenannten "Kampfstandorten": Wo es wenig Oberboden gibt, der Untergrund Wasser nicht so gut speichert, wo die Bäume sehr lange der Sonne ausgesetzt sind – an Süd- oder Südwesthängen beispielsweise.

"Absolute Buchen-Vitalitätsschwäche"

Das ist nicht nur im Forstamtsbereich Marksuhl so, sondern beispielsweise auch im Hainich und in Nordthüringen. Von einer "absoluten Buchen-Vitalitätsschwäche" spricht Corinna Geißler, die Leiterin des Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums in Gotha. Großflächig trete das Buchensterben beispielsweise bei Sondershausen auf – das sehe sie mit Sorge. Vom zuständigen Landesministerium kamen vor einigen Tagen erste Zahlen: 1.300 Hektar Schadensfläche bei der Buche – 200.000 Festmeter Schadholz. Zum Vergleich: Beim Nadelholz werden in diesem Jahr in Thüringen zwischen einer und drei Millionen Festmeter Schadholz erwartet.

Förster steht an Ausblick zur Wartburg über Wald mit teilweise braun vertrockneten Bäumen
Forstamtsleiter Ansgar Pape und der nicht mehr so idyllische Ausblick über vertrocknende Bäume. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die Forstleute trifft die Schwäche der Buche zu einer denkbar ungünstigen Zeit: Sie haben ohnehin genug damit zu tun, den Borkenkäfer zu bekämpfen. Nun müssen sie sich auch darum kümmern, tote Buchen entlang von Bundesstraßen und Bahnlinien zu fällen. Das gebietet die gesetzliche Pflicht zur Verkehrssicherung. Eine zeitraubende, teure und schwierige Aufgabe. Denn das Fällen eines toten Baumes ist gefährlich. Wird der Fällkeil gesetzt, vibriert der Baum, trockene Äste können herabstürzen. Der Arbeitsschutz ist das Allerwichtigste, sagt Forstamtsleiter Ansgar Pape. Wo es zu gefährlich ist, werden tote Buchen im Wald einfach stehen bleiben – dem Naturschutz zur Verfügung gestellt, nennt es Pape. Spechte und Fledermäuse dürfen einziehen.

An Wanderwegen gilt die Verkehrssicherungspflicht nicht. Dort muss jeder Waldbesucher auf sich selbst achten. Pape rät dazu, bei Sturm oder starkem Wind den Wald zu meiden. Überall an den Wanderwegen stünden tote Bäume. Dieser Gefahr seien sich Spaziergänger nur nicht immer bewusst.

Es wird auch ins Geld gehen

Waldlichtung mit weitgehend kahlen Bäumen und Resten am Boden
Sturm, Schädlinge und Trockenheit hinterlassen ihre Spuren. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Auch wirtschaftlich kommt vermutlich ein großer Verlust auf die Waldbesitzer zu. Im Forstamt Hainich-Werratal schätzt Amtsleiter Dirk Fritzlar, dass so viel Buche geschädigt sei, wie sonst im Jahr eingeschlagen wird. Aber wie gut ist die Qualität? Wenn die Bäume im Herbst gefällt werden, so fürchtet er, werden bis dahin Insekten und Pilze den Wert des Holzes gemindert haben. Dass es gerade die alten Buchen sind, die sterben, schadet laut Fritzlar auch dem Waldbau. Im Hainich gibt es noch die sogenannten Plänterwälder, wo verschiedene Waldgenerationen zusammenleben. Nun fallen die großen Bäume weg – das gefährde das gesamte System, weil dann durch mehr Licht zu schnell zu viel nachwachse.

Und es sind ja nicht nur Fichten und Buchen, die sterben. Das Gesamtbild sei dramatisch: Kiefern und Eichen kränkeln, Eschen leiden unter dem Eschentriebsterben, Ahorn unter der Rußrindenkrankheit, die Lärche kämpft mit einem eigenen aggressiven Borkenkäfer.

Nationalparkchef noch eher neugierig als besorgt

Deutlich gelassener sieht Manfred Großmann die braunen Buchen. Der Leiter des Nationalparks Hainich ist zwar genauso überrascht von den Folgen des Trockenjahres 2018. Doch verfolgt er die Entwicklung eher mit wissenschaftlicher Neugierde. Wie verläuft dieser Sommer, wie geht es weiter? Welche Baumarten rücken in die Lücken nach? Der Wald ändere sich mit einer Rasanz, die er nicht für möglich gehalten habe, sagt Großmann.
Das bestätigt auch Corinna Geißler vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum in Gotha. Der Klimawandel beschleunige den Waldumbau. Vor acht Jahren hatte ihre Behörde noch eine Baumartenempfehlung bis zum Jahr 2050 herausgegeben. Das scheine nun schneller zu gehen, sagt Geißler. Für Waldbesitzer eine große Herausforderung, für die Förster eine dramatische Situation. Die kämpften auf der Fläche, "damit es dem Wald irgendwann wieder besser geht in Thüringen".

Das geht nicht spurlos an den Forstleuten vorbei. Seit Orkan Friederike im Januar 2018 arbeiteten sie alle nur noch im Krisenmodus, sagt Forstamtsleiter Ansgar Pape. So langsam gehe das an die Psyche. "Es ist einfach deprimierend zu sehen, wie einem der Wald unter den Fingern wegstirbt", sagt Pape. Jeden Tag sei es eine Herausforderung, wieder in den Wald zu gehen und für seinen Erhalt zu kämpfen.

Das Forstministerium rechnet damit, dass sich der Zustand der Bäume noch weiter verschlechtert. Diese Entwicklung ist nach Angaben der Ministerin bitter, weil im Lauf der letzten Jahre im Rahmen des Waldumbaus gerade Buchen neu angepflanzt wurden. Jetzt müssen die kranken Buchen schnellstmöglich gefällt und aus den Wäldern geholt werden. Dafür ist Personal nötig. Ziel ist laut Keller, 34 zusätzliche Forstleute beim Thüringenforst einzusetzen. Hinzu kommen sollen rund 100 Helfer, um jene Stellen zu finden, wo schnell gehandelt werden muss. Anfang Juli schließen zudem 15 Forstwirte ihre Ausbildung ab.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 24. Juni 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2019, 15:28 Uhr

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15 Kommentare

26.06.2019 18:20 Eulenspiegel 1 15

Der Klimawandel richtet weniger Schaden an als prognostiziert. Das ist der Stand vom 1. April 2014 . Aber das heißt doch nicht das diese prognostizierten Schäden nicht kommen werden sondern nur das sie bis zum 1. April 2014 noch nicht eingetroffen sind. Mittlerweile haben wir Juni 2019. Man hat neue Erkenntnisse. Und wenn man jetzt sagt „ Wir haben nur noch 10 Jahre Zeit“ so steht dieser Satz in keinem Widerspruch zu der Erkenntnis von 2014. [Unsachliches entfernt.]

26.06.2019 15:39 ralf meier 14

@Eulenspiegel Nr 12 Teil 2 : Schlimmer noch, wenn es darum geht, die Welt zu retten, dann muß man nach dem Selbstverständnis einiger Grüner auch mal großzügig kleinbürgerliche Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit über Bord schmeißen und gewisse Kollateralschäden in Kauf nehmen. Zumindest, wenn es einen nicht selber trifft. So belehrte der Grünen-Politiker Georg Kössle einen Bauern, der es nicht lustig fand, wie Garzweiler Aktivisten seinen Acker zertrampelten, mit den Worten: 'deine Möhren sind nicht wichtiger als unser Klima'.

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