Geschäftsführer Sven Lindig
Sven Lindig: "Flache Hierarchien bedeuten für mich, Macht abzugeben. Ich muss nicht mehr jede Entscheidung selber treffen." Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Wie bei Mitarbeitern punkten? Lindig aus Krauthausen als attraktiver Arbeitgeber ausgezeichnet

Wie attraktiv ist ein Unternehmen für seine Mitarbeiter? Das untersucht das "Top Job-Siegel" für vorbildliche Arbeitgeberattraktivität. 81 Mittelständler aus ganz Deutschland haben die Auszeichnung am Freitagabend bekommen - aus Thüringen ist die Firma Lindig aus Krauthausen bei Eisenach dabei. Wie punktet sie bei ihren Mitarbeitern?

von Ruth Breer

Geschäftsführer Sven Lindig
Sven Lindig: "Flache Hierarchien bedeuten für mich, Macht abzugeben. Ich muss nicht mehr jede Entscheidung selber treffen." Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die Liste ist lang und reicht von kostenlosem Obst und Wasser am Arbeitsplatz über Diensträder, Schulbuch-Zuschuss für Azubis bis zur Guthabenkarte mit 44 Euro monatlich. Zu Ostern gibt es Ostereier, im Herbst ein großes Fest, zum 11.11. Faschingsgebäck und zum Geburtstag ein Geschenk.

Die Lindig Fördertechnik GmbH beteiligt ihre 350 Mitarbeiter aber auch am Unternehmensgewinn, zahlt einen Kita-Zuschuss von 100 Euro monatlich und gewährt nicht nur 30 Urlaubstage im Jahr, sondern auch zwei sogenannte Genesungstage: wem es mal nicht so gut geht, der kann auch ohne Krankenschein zuhause bleiben und sich erholen.

Neue Unternehmenskultur mit positivem Menschenbild

Firma Lindig in Krauthausen
Unternehmenssitz in Krauthausen Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Wertschätzung für mündige Mitarbeiter, so sieht es Geschäftsführer Sven Lindig, der das Familienunternehmen im Jahr 2011 übernommen hat. Seitdem ist der Dienstleister rund um Gabelstapler und Arbeitsbühnen weiter kräftig gewachsen, von 160 auf jetzt 350 Mitarbeiter.

Für Lindig entscheidend ist die Kultur im Unternehmen: ausgehend von einem positiven Menschenbild wird der Belegschaft hier mehr vertraut und zugetraut als anderswo. Es gibt keine Stechuhren, dafür flache Hierarchien und mehr Handlungsfreiheit.

Weniger Macht für den Chef

Firma Lindig in Krauthausen
Es gibt kostenloses Obst und eine Guthabenkarte. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Für den Chef bedeutet das zunächst einmal weniger Macht, sagt Lindig. Selbst bei Neueinstellungen ist seine Stimme weniger wichtig als die der Teammitglieder, die ihre neuen Mitspieler mit aussuchen. Führungskräfte sieht Lindig eher als Ratgeber denn als Problemlöser.

Mehr Selbstorganisation, das ist sein Ziel - so könne das Unternehmen besser auf Veränderungen reagieren. Und wenn etwas schief geht? Daraus wird gelernt, wie es beim nächsten Mal besser laufen könnte. Wenn sich ein Unternehmen immer öfter auf Neuland bewegt, sagt Lindig, brauche es Mitarbeiter, die lernbereit sind und experimentieren können.

Top Job-Siegel dient der Verbesserung

Firma Lindig in Krauthausen
Gabelstapler vor dem Firmensitz. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Das Top Job-Siegel für Arbeitgeberattraktivität hat Lindig jetzt bereits zum zweiten Mal bekommen. Voraussetzung dafür ist eine anonyme Online-Umfrage unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Für das Unternehmen ist die Auswertung eine gute Gelegenheit, zu schauen, wo es nachbessern könnte.

Und für die Öffentlichkeitsarbeit ist es natürlich auch nicht verkehrt, mit einem solchen Siegel werben zu können. Denn die meisten Unternehmen, sagt Lindig, finden heute schwerer neue Mitarbeiter als neue Kunden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten Mittelthüringen | 22. Februar 2019 | 17:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2019, 11:50 Uhr

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2 Kommentare

25.02.2019 11:36 insider 2

Respekt Herr Lindig. Weiterhin viel Erfolg auf diesem Weg. In gemeinsamen Gesprächen hatte ich bereits dargelegt, das ich diesen Führungsstil ganz klar als das Zukunftsmodel ansehe und die Lösung vieler Unternehmensaufgaben vereinfachen wird. Der Knackpunkt in der Praxis heisst aber meist mittlere Führungsebene.

22.02.2019 17:48 Pfingstrose 1

Da kann sich so manches Unternehmen und auch AG eine große Scheibe abschneiden wo nicht so ein gutes Betriebsklima vorhanden ist.

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