20-jährige Erfolgsgeschichte Nationalpark Hainich: Vom Truppenübungsplatz zum Besuchermagneten

Als vor 20 Jahren der Hainich zum Nationalpark wurde, waren die Buchenwälder im Westen Thüringens weithin unbekannt. Zwei ehemalige Truppenübungsplätze mit vielen Warnschildern und raren Wegen, in der Region wenig Unterkünfte und Gaststätten - außer ungestörter Natur konnten Touristen wenig entdecken. Das hat sich mittlerweile geändert.

Schild Nationalpark Hainich
Der Park misst 7.500 Hektar. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Fünf Millionen Menschen haben laut Nationalparkverwaltung in den vergangenen 20 Jahren den Hainich besucht. Die Hälfte davon hat den Baumkronenpfad erklommen - die größte Attraktion, die im Jahr 2005 eröffnet wurde. Daneben gibt es das Wildkatzendorf Hütscheroda mit einem Freigehege und das Nationalparkzentrum an der Thiemsburg, in dem die Besucher jetzt auch in einer Wurzelhöhle das Leben im Boden erkunden können. Die Nationalparkverwaltung hat rund 130 Kilometer Wanderwege angelegt, davon mehrere als Erlebnispfade, dazu elf Wanderparkplätze, mehrere Infostellen, einen Waldspielplatz und eine Umweltbildungsstation.

"Von Null auf Hundert" in sehr kurzer Zeit

Eine Erfolgsgeschichte, sagt der Leiter der Nationalparkverwaltung, Manfred Großmann. Damit meint er nicht nur naturschutzfachliche Erfolge des drittkleinsten deutschen Nationalparks: im Hainich gibt es den größten nutzungsfreien Laubwald Deutschlands mit rund 5.000 Hektar. Er ist Heimat von vielen seltenen Tieren und Pflanzen. Wissenschaftler aus ganz Deutschland forschen hier. Der Ritterschlag kam 2011: seither gehört der Hainich zum Weltnaturerbe. Ein Erfolg ist für Großmann auch, dass der Nationalpark inzwischen viel bekannter geworden ist und überregional Besucher anzieht. Von Null auf Hundert" sei in sehr kurzer Zeit geschafft worden, sagt der Leiter zufrieden.

Gäste bleiben eher über Nacht

Dabei kann der Hainich natürlich nicht mit Großzielen wie dem Thüringer Wald mithalten. Das Thüringer Landesamt für Statistik verzeichnet für das Jahr 2015 137.600 Gäste, im Jahr darauf 140.000 - Tendenz in diesem Jahr weiter leicht steigend. Der Nationalpark lässt die wirtschaftlichen Effekte des Tourismus gerade genauer untersuchen. Ein erstes Ergebnis: ein deutlich höherer Anteil der Besucher bleibt auch über Nacht: 42 Prozent statt 24 Prozent im Jahr 2007.

Mehr Unterkünfte, aber noch gastronomische Lücken

Bei den Unterkünften haben die Gäste heute mehr Auswahl als zur Gründungszeit des Nationalparks. Gerade in den vergangenen Jahren sind neue dazu gekommen, wie die Hainichhöfe in Mülverstedt oder das WaldResort in Weberstedt, beide im Unstrut-Hainich-Kreis. Schon seit bald 14 Jahren führt Manuel Spieth das "Herrenhaus" in Hütscheroda im Wartburgkreis. Angefangen hatte er mit sechs Leuten, heute gehören 16 Mitarbeiter zur Belegschaft. Lücken aber gibt es mancherorts in der Gastronomie. Gerade am westlichen Rand des Hainichs wünscht sich Manfred Großmann mehr Anbieter.

Ziel: Nationalpark besser anbinden

Die Infrastruktur im Nationalpark stimmt - nun müsse sie noch besser mit dem Umland verbunden werden, sagt Großmann. Das betrifft Wander- und Radwege, aber auch den öffentlichen Nahverkehr. In der Saison fahren dreimal am Tag Wanderbusse zwischen den Welterbestätten Wartburg und Nationalpark. Doch reicht das aus Großmanns Sicht nicht aus - und auch Hotelier Spieth würde sich für seine Gäste deutlich mehr wünschen. Die Nationalparkverwaltung arbeitet mit dem Wartburgkreis und dem Unstrut-Hainich-Kreis an einem Konzept für den Nahverkehr. Verbesserungswürdig findet Manuel Spieth auch die Internet-Qualität. Darüber beklagen sich nicht nur Geschäftsreisende in seinem Hotel. Auch Wanderer nutzen zunehmend mobile Daten beim Wandern - selbst im Urwald mitten in Deutschland.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. Dezember 2017 | 05:00 Uhr

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1 Kommentar

23.12.2017 13:44 Thüringer Original 1

Evtl. sollte sich der Hotelbetreiber mal Satelliten-DSL besorgen und die Kommune hat anscheinend bisher bei den Förderprogrammen für schnelles Internet versagt.

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