Tote Buchen und Klimawandel Nationalpark Hainich: Gestresster Wald für Wissenschaft interessant

Alte Buchen sterben, die Wälder sind geschwächt - das hat auch den Nationalpark Hainich getroffen. Da es dort darum geht, Natur Natur sein zu lassen, spricht die Parkverwaltung nicht von Schäden, sondern von Veränderungen im Wald. Die gehen so rasch vor sich, dass daraus eine große Aufgabe erwächst: die Forschung, wie es künftig weitergeht im Wald.

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von Ruth Breer

Nationalparkleiter Manfred Großmann erläutert Besuchern im Nationalpark Luftaufnahmen des Waldes.
Führung durch den Nationalpark Hainich: Bieten die Veränderungen auch Chancen? Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Was Manfred Großmann, der Leiter des Nationalparks Hainich, im vergangenen Jahr in Teilen seiner Wälder erlebte, hat auch ihn emotional getroffen. Ohnmacht und Hilflosigkeit, wenn Buchen, die dort 100 Jahre alt wurden, innerhalb von wenigen Wochen absterben. Wenn es im Wald an den Südwesthängen des Hainich im Sommer nicht mehr schattig, sondern ziemlich licht war, weil die Bäume nur noch kleine Blätter ausgetrieben oder ihr Laub bereits abgeworfen hatten. Man muss nicht nach Australien schauen, um zu sehen, welche Folgen der Klimawandel hat, sagt Großmann. Der Wald hat sich mancherorts in sehr kurzer Zeit gravierend verändert.

Schauen was passiert - und nicht eingreifen

Anders als im Wirtschaftswald bedeutet das Buchensterben für den Nationalpark keinen finanziellen Schaden. Dort werden auch keine neuen Bäume angepflanzt. Großmann sieht seine Aufgabe als die eines nüchternen Beobachters: wenn ein Baum stirbt, wird er zu Totholz, das ist ein natürliches Ereignis. "Wir schauen einfach, was passiert, beobachten, wie die Natur damit umgeht und - lernen." Mehr noch: der unerwartet schnelle Wandel im Wald ist eine Herausforderung für die Forschung, und da sieht Großmann den Nationalpark Hainich in einer besonderen Verantwortung.

Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

Nationalparkleiter Manfred Großmann erklärt vor einer Schautafeln Besuchern den Nationalpark Hainich.
Nationalparkleiter Manfred Großmann erklärt vor einer Schautafeln Besuchern den Nationalpark Hainich. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Überall in Deutschland stellen sich Forstleute die gleichen Fragen: wie geht es weiter im Wald? Welches sind die Baumarten der Zukunft, was wird sich durchsetzen, wenn die Buche Platz macht? Was kommt auf den Wald zu, wird es neue Tier- und Pflanzenarten geben? Wie setzen sich Pilze und Insekten durch, wenn das Klima wärmer und die Bäume schwächer werden? Diese Fragen könnten mit Hilfe des Nationalparks Hainich beantwortet werden, sagt Großmann. Zum einen ist er mit 5.400 Hektar der größte nutzungsfreie Laubwald in Deutschland. Neben Buchen wachsen dort rund 30 andere Laubbaumarten. Zum anderen wird die Waldentwicklung dort schon seit 20 Jahren genau erforscht. Das sei eine "hervorragende Grundlage", so der Nationalparkchef.

Forschungsworkshops mit Partnern aus der Wissenschaft

Waldinventur, Biotopkartierung, Fotodokumentation, das Erfassen von Vögeln und Käfern - das passiert alles schon regelmäßig im Nationalpark. Forschung ist eines der Schutzziele, die im Nationalparkgesetz verankert sind. Verschiedene Universitäten und Institute sind bereits im Hainich aktiv. Als im Frühsommer 2019 die Folgen des Trockenjahres 2018 sichtbar wurden, ließ die Parkverwaltung mit Drohnen und einem Kleinflugzeug Luftbilder der Waldbestände erstellen. Im November lud sie 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu einem Workshop ein, um über dringende Forschungsfragen und -projekte zu diskutieren. Das Interesse war groß. Ende Mai soll es einen weiteren Workshop geben. Dann, nach dem Laubaustrieb, wird im Wald sichtbar sein, welche Spuren die Jahre 2018 und 2019 hinterlassen haben.

Auch im Urwald braucht ein Baum Wasser

Über die Wucht der Veränderungen ist Manfred Großmann immer noch erstaunt. Vor einem Jahr hätte niemand mit solchen Folgen gerechnet, sagt er, galt die Buche doch als Baum, der dem Klimawandel trotzen würde. Aber es kam vieles zusammen: weniger Regen, hohe Temperaturen, die geringe Bodenfeuchte und die lange Sonnenscheindauer gerade an den Südwesthängen, wo die Bäume nicht tief wurzeln können. Da ging es den Buchen im Nationalpark nicht anders als denen im Wirtschaftswald: auch im Urwald braucht der Baum Wasser, sagt Großmann.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 16. Januar 2020 | 18:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2020, 16:13 Uhr

2 Kommentare

propatria vor 17 Stunden

Eine interessante Information, die durchaus plausibel erscheint. Egal, ob es nun so ist oder nicht, mir kommt es bei vielen getroffenen Entscheidungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten so vor, dass man halt eben nicht „vom Ende her denkt“, sondern erst einmal handelt und dann später irgendwie auf die -natürlich ungewollten, unterstelle ich einmal - Folgen stößt! Leider eher nicht so toll.

KR53 vor 18 Stunden

Die Verringerung der Niederschläge und die Erwärmung in Mitteleuropa, vor allem in Deutschland, haben ein deutliches West-Ost-Gefälle. Das Thüringer Becken mit dem Hainich, das Mansfelder Land und der Nordosten sind besonders betroffen, West- und Nordeuropa nicht.
Das korreliert mit dem massiven Ausbau der Windenergie im Nordwesten Europas, alle besonders betroffenen Gebiete liegen östlich der großen Windparks.
Die Wasserversorgung ganz Mitteleuropas bis zur Ukraine ist auf die Tiefdruckgebiete des Nordatlantik angewiesen. In deren Hauptzugrichtung wurden 10-tausende Windenergieanlagen installiert, die dieser Strömung Energie entziehen und deren Reichweite reduzieren.
Die Fuldaer Lücke zwischen Thüringer Wald und Harz und das nördliche Harzvorland sind für das Hereinziehen von Niederschlägen nach Thüringen besonders wichtig. Seit einigen Jahren nutzen Windparks genau diese Strömung. Die Folgen sehen wir im Hainich.
Windenergie ist eben nicht ohne ökologische Folgen un erneuerbar.

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