Bad Salzungen: Online-Petition Protest gegen geplante Baumfällungen im Kurpark

Für den Bürgermeister ist es ein wunderbares Projekt, für so manche Bürger eine Umweltsünde: Um den Rathenau-Park am Rand des Burgsees neu zu gestalten, sollen bis Ende Februar rund 70 Bäume fallen. Der Park soll lichter werden, Sichtachsen zum See und neue Wege entstehen. Das schadet dem Klima und gefährdet die verbleibenden Bäume, so die Kritiker. Sie haben mit einer Online-Petition bereits mehr als 1.000 Unterschriften gesammelt. Der Bürgermeister hofft jetzt auf Verständigung.

Kurpark von Bad Salzungen im Frühwinter.
An der künftigen Entwicklung des Kurparks scheiden sich in Bad Salzungen die Geister. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Im Winter ist es licht im Rathenaupark. Die großen Laubbäume am stark abschüssigen Hang oberhalb des Burgsees sind kahl, von ganz oben ist das Ufer zumindest zu erahnen. Im Sommer ist das anders, da ist es hier schattig. 20 Meter breite Sichtachsen zum See – in so einem kleinen Park bringen die nichts, ist Beate Lindemann überzeugt. Im Gegenteil: "Unsere großen Bedenken sind, dass durch die Sichtachsen und das weitere Auflichten der Park heißer und trockener wird, dass dadurch mehr Bäume absterben und dass es auch für das Klima in der Stadt nicht gut ist."

Die Sichtachsen könnten auch mehr Feinstaub und Lärm ins Kurgebiet tragen, befürchtet sie. Gemeinsam mit ihrem Mann und mit Hilfe ihrer Tochter hat Beate Lindemann eine Online-Petition ins Leben gerufen. Titel: "Verhindern Sie die Rodung von 75 gesunden Bäumen im Rathenaupark in Bad Salzungen". Innerhalb einer Woche hatten bereits mehr als 1.000 Unterstützer unterschrieben.

Vergreiste Bäume und Ersatzpflanzungen

Helga und Heiko Lindemann sind gegen die geplanten Baumfällungen im Kurpark von Bad Salzungen.
Heiko und Beate Lindemann haben gegen die geplanten Baumfällungen eine Petition ins Leben gerufen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler) wundert sich, dass es nicht noch mehr sind. Bei diesem Titel, sagt er, hätte er auch unterschrieben. Allerdings lasse die Petition Wesentliches weg und stelle die Pläne einseitig dar. Von den 72 Bäumen, die gefällt werden sollten, seien keineswegs alle gesund. Rund 30 seien leicht bis mittelstark geschädigt. Andere seien nach Angaben von Fachleuten "vergreist", müssten also ohnehin in zehn bis 15 Jahren spätestens gefällt werden. Und die Petition erwähne auch nicht, dass zahlreiche Ersatzpflanzungen geplant sind. So soll ein Grünstreifen als Sichtschutz zur Erzberger Allee entstehen. Nach Angaben der Stadt sind am Burgsee und im Park insgesamt 98 Fällungen geplant - und 82 Ersatzpflanzungen. Und zwar mit Bäumen, die deutlich klimabeständiger sein sollen und auch längere Trockenzeiten überstehen, sagt Bohl.

"Wunderbares Projekt" mit hoher Förderung

Der Rathenaupark soll nach den Plänen von Landschaftsarchitekten aus Dresden nicht nur lichter und schöner, sondern auch artenreicher werden, berichtet der Bürgermeister: Auf den Lichtungen sind Blumenwiesen geplant, Biotope für Insekten. Ein großer neuer Spielplatz ist vorgesehen, ein einfacheres Wegenetz mit weniger Bodenversiegelung. Die neuen Wege sollen trittsicher, weniger steil und wetterfest sein. Das alles gehe unter in der Diskussion um die Baumfällungen, bedauert Bohl.

Klaus Bohl (Freie Wähler), Bürgermeister von Bad Salzungen
Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler) meint, die Petition unterschage wesentliche Punkte. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Das sei schade, denn die Stadt arbeite seit 2016 an diesem "wunderbaren Projekt", See und Park aufzuwerten – und bekomme 80 Prozent der rund fünf Millionen-Investition als Fördermittel von der EU. Das Vorhaben sei auch, sagt Bohl, gemeinsam mit den Salzunger Bürgerinnen und Bürgern entwickelt worden. "Wir haben viele Bürgerrundgänge gemacht mit großer Teilnahme, und die Bürger, die dabei waren in den letzten Jahren, waren alle begeistert."

Bäume fehlen für das Kur-Klima

Beate und Heiko Lindemann sind das nicht. Sie sagen, es sei schwer, von der Stadt Informationen zu dem Projekt zu bekommen. Der Bürgermeister habe ohne Frage viel für die Stadt getan, aber "das mit den Sichtachsen geht zu weit." Ähnlich sieht es Bernhard Frey vom NABU, der im Naturschutzbeirat des Wartburgkreises mitarbeitet. Die Bäume würden für das gute Klima im Kurort fehlen, sagt er. Die Stadt müsse die großen alten Bäume pflegen und neue dazu pflanzen. Frey bezweifelt, dass sich auf den geplanten Lichtungen artenreiche Wiesen entwickeln. "Das funktioniert nicht", meint er und verweist auf die Freifläche am Denkmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Da gebe es kaum Blumen und Insekten, und so werde es auch bei den neuen Lichtungen werden. Ein Paar, das im Park spaziert, schließt sich den Kritikern an. Wer so viele Bäume fälle, sagt der Mann, sei "einfach nicht auf der Höhe der Zeit."

Gegenpetition und Gesprächsangebot

Inzwischen hat ein Stadtratsmitglied der Freien Wähler eine Gegen-Petition gestartet: "Für einen gesunden, artenreichen und sicheren Rathenaupark in Bad Salzungen". Bis Freitag hatten lediglich 175 Menschen unterschrieben. Angesichts des Gegenwinds für das Kurpark-Projekt scheint sich etwas zu bewegen. Die Stadt hat am Freitag in einer Pressemitteilung noch einmal das Anliegen der neuen Parkgestaltung erklärt.

Der Plan soll noch konkretisiert werden, heißt es da. Der Anspruch sei, "nur so viele Bäume wie absolut nötig aus dem Bestand zu entnehmen." Auch Bürgermeister Klaus Bohl kann sich im Gespräch mit MDR THÜRINGEN vorstellen, die Pläne für die neuen Wege so zu verändern, dass doch mehr Bäume stehen bleiben können. Und er will die Initiatoren der Petition einladen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Kurpark von Bad Salzungen im Frühwinter.
Wie die künftige Entwicklung des Kurparks genau aussehen soll, wird derzeit diskutiert. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringen Journal | 09. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Lothar Thomas vor 6 Wochen

Ich weiß nicht, ob ein Park wirklich große freie Sichtachsen auf einen See braucht?

Als Park kann ich mir jedoch gewundene Wege, die von Bäumen gesäumt sind sehr gut vorstellen und dann als Ort der "Entdeckung" der See.
Es sollte kein wildes Gesträuch die Sicht versperren, aber gepflegte Hecken als Nistmöglichkeiten für Singvögel und Deckung für Hasen u.s.w. wären sicherlich schöner für einen Park.

Vielleicht sollte der Bürgermeister eine Exkursion nach Bad Muskau unternehmen um bei seinem Amtskollegen zu erfahren, wie ein gepflegter Park aussehen kann.

Was will der Herr Bohl mit einer freien Sichtachse erreichen?

Soll der Boden auf der Fläche weiter austrocknen, damit die verbliebenen Bäume von alleine absterben?

Will er auf diese Weise Bauland für Luxusvillen am See schaffen?

Will sich der Bürgermeister hinterher mit ausgebreiteten Armen hinstellen und verkünden "die Bürgermeister Bohl- Gasse".

Zu einem Park gehören wohl eher viele Bäume und weniger "freie" Sichtachsen.


lobo56 vor 6 Wochen

Jeder einzelne Baum, gerade auch im Kurpark ist Gold wert. Jeder qm Schatten ist wichtig ,um dem Klimawandel entgegen zu wirken. Die Böden sind so schön viel zu trocken, das noch durch Baumfällungen zu beschleunigen ist einfach nur dumm.
Tausende Bäume werden jedes Jahr von den Bauhöfen, den Strassenmeistereien usw aus "Sicherheitsgründen" gefällt. Neuanpflanzungen brauchen Jahrzehnte, um die gleich positive Wirkung zu haben. Ich finde den Park sehr schön so,wie er ist. Was braucht es eine 'Sichtachse' ? Das soll Mal wieder was fürs Auge sein , dass auch noch sinnloses Steuergeld kostet. In Zeiten, in denen die Innenstädte immer mehr aufheizen, ist zusätzliche Begrünung nötig, nicht Baumfällungen!

W.Merseburger vor 6 Wochen

Als vollkommen Unbeteiligter von weit her kann ich natürlich nicht über Sinn oder Unsinn der obigen Baumfällungen befinden. Was aber heute Mode ist, gegen alle Veränderungen mit Baumfällungen in Parkanlagen, an Straßen usw. mit heroischem Pathos zu demonstrieren, ist nach meiner Auffassung kontraproduktiv. Wenn man dann auch noch alle leicht bis schwer geschädigten Bäume einbezieht, passiert das, was wiederum bejammert wird. Bei Stürmen, Extremschneelagen Dürren, Hitze usw. fallen diese Bäume einfach um. Und nun setzt ein erneutes Jammern ein, wegen des furchtbaren Klimawandels. Vernünftiges Agieren auf diesem Gebiet ist heute extrem schwer geworden und schadet eigentlich dem Generationswechsel auch im Baumbestand.

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