Junge Frauen verputzen Wand
Der Gasthof "Krone" hat schon bessere Zeiten gesehen. Doch jetzt passiert einiges. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Praxiseinsatz in Schweina Berliner Studierende helfen beim Sanieren des Gasthofs "Krone"

Angehende Architekten aus Berlin unterstützen eine Bürgerinitiative in Schweina im Wartburgkreis dabei, den Gasthof "Krone“ denkmalgerecht zu restaurieren. Zwei verlängerte Wochenenden lang im Mai und Juni sind 15 Studierende zu Gast im Dorf, lernen die Praxis kennen und packen tatkräftig mit an. Auf dem Lehrplan: Denkmalretten.

von Ruth Breer

Junge Frauen verputzen Wand
Der Gasthof "Krone" hat schon bessere Zeiten gesehen. Doch jetzt passiert einiges. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Mitten in Schweina, direkt an einem kleinen Platz mit Brunnen, steht ein altes Fachwerkhaus. Das hat schon bessere Zeiten gesehen, aber auch schon schlechtere: viele Balken sind ausgewechselt, die Gefache verputzt, einige Fenster erneuert. "Arbeitseinsatz Samstag ab 8 Uhr“ steht auf einem Schild in der offenen Eingangstür – die Bürgerinitiative Krone lädt Mitstreiter ein.

An diesem Wochenende sind genug Helfer da: Allein 15 angehende Architektinnen und Architekten, Studierende der Universität der Künste aus Berlin sind in den Räumen beschäftigt. Die jungen Leute tackern Gitter auf die Balken, damit sie sich leichter verputzen lassen, spachteln die Gefache mit Lehm aus oder schrauben Dämmplatten aus Naturmaterial an die Wände.

Lernen am lebenden Beispiel

"Bauen im Bestand“ heißt der Kurs, in dem die Studierenden in Schweina tief in die Praxis eintauchen. Im Mai haben sie das alte Gebäude vermessen, einmal konventionell, einmal mit 3D-Scanner, und dann Nutzungskonzepte entworfen. An diesem Wochenende Mitte Juni geht es ans Handwerk. Am Freitag hat ein Zimmermann ihnen den Dachstuhl und Fachwerkverbindungen erklärt, am Samstag ist ein Lehmbau-Spezialist zu Gast.

Zwei junge Männer hantieren mit Werkzeugen
Arbeiten mit Naturmaterial: zwei Studenten dämmen das frühere und vermutlich auch künftige Vereinszimmer. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Am lebendigen Beispiel lerne sie ganz viel, sagt Studentin Laura Haas. Im theoretischen Unterricht würde sie das nur ansatzweise mitbekommen. Das Haus lerne man auf diese Weise viel besser kennen, sagt Ludwig Niebuhr, als nur über einen Plan oder eine einfache Besichtigung. Besonders interessant findet Laura, dass die Bürgerinitiative nur mit nachhaltigen Baumaterialien arbeitet.

Einen großen Motivationsschub hat Christoph Gengnagel bei seinen Studierenden beobachtet. Sie stellen fest, dass sie gebraucht werden und eine Hilfe sind für die Bürgerinitiative. Andererseits seien die jungen Leute beeindruckt vom Enthusiasmus und vom uneigennützigen Einsatz der Initiative und ihrer Helfer. Eine wichtige Erfahrung, meint Gengnagel: "Es gibt Dinge, die Du voran bringen kannst."

Verteilungskämpfe um Rohstoffe

Mit dem Kurs "Bauen im Bestand“ verfolgt er aber auch ein zweites Ziel: Der jüngeren Generation zu vermitteln, wie die Lebenszeit von alten Bauwerken verlängert werden kann. Denn, davon ist er überzeugt: "Die Art und Weise des Bauens muss sich in den nächsten Jahren radikal ändern." Das Bauwesen sei aktuell für 30 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich und verbrauche die Hälfte der weltweiten Ressourcen, sagt Gengnagel. Um den knappen Rohstoff Sand gebe es bereits Verteilungskämpfe.

Menschen schauen Mann zu, der an einer Wand arbeitet
Lehmbauer und Bauingenieur Uwe Wirthwein aus dem Grabfeld arbeitet mit den Studierenden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Aber nicht nur die Gäste aus Berlin fühlen sich motiviert durch ihren Einsatz – sie spornen damit auch die Bürgerinitiative Krone Schweina an. An diesem Wochenende kommt die Baustelle weiter voran als in vielen Wochen, sagt Martin Biedermann vom Vorstand.

Seit 2011 bemüht sich eine Gruppe von Engagierten um das historische Gebäude, das viele Jahre leer stand. Einige im Ort hätten sich einen Parkplatz an der Stelle gewünscht, sagt die Vereinsvorsitzende Dorothee Willer, aber "das wollten wir nicht“.

Alternative zum Abriss

Der Trostlosigkeit in der Schweinaer Hauptstraße etwas entgegen setzen – den aufgegebenen Geschäften, den leeren Schaufenstern, darum ging es, sagt Martin Biedermann, damit nicht nur der Wind durch Schweina pfeife. Schließlich konnte der Verein das heruntergekommene Haus übernehmen, nachdem die Gemeinde die Grundschuld der früheren Eigentümerin bezahlt hatte. Keine Kosten für die Retter – aber eine hohe Verantwortung. Seitdem wird saniert, immer stückchenweise.

Der Weg ist das Ziel.

Dorothee Willer

Zunächst wurde abgerissen: der heruntergekommene Saalanbau aus dem Jahr 1900 hinter der Krone. Dafür gab es Fördermittel aus dem Leader-Programm der Europäischen Union. Mit dem Geld konnte auch die Rückwand des Gasthofs erneuert werden. Wo der Anbau stand, ist ein neuer Platz entstanden bis zum früheren Biergarten um eine große Linde.

Unterstützung im Ort wächst

Mit etwas Phantasie kann man sich gut vorstellen, dass Haus und Platz einmal ein schöner Versammlungsort für Schweina werden könnten. Die Initiative spürt, dass mit den sichtbaren Fortschritten am Bau auch die Unterstützung im Ort wächst. Es kommen Helfer, Nachbarn bringen Essen vorbei, mancher spendet auch Bargeld, das bald in Baumaterial umgesetzt wird. Es wächst eine neue Identifikation mit der Krone, stellt Martin Biedermann fest.

Gastfreundliche Dorfgemeinschaft

Menschen sitzen an einem Tisch
Verpflegung direkt an der Baustelle: Es bringen auch mal Nachbarn etwas zu Essen oder Trinken vorbei. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Der Praxiseinsatz auf dem Thüringer Dorf lässt die jungen Leute aus Berlin nicht unbeeindruckt. Sie sind in Familien untergebracht, wurden "aufgenommen wie Enkelkinder und super versorgt“, wie Laura Haas erzählt.

An der Baustelle gebe es erstaunlich gute Teamarbeit. Sie ist beeindruckt, dass sich die Initiative sich an diese große Aufgabe herantraut, einfach macht – und es geht. Es sei sehr schön, diese Kraft zu sehen, sagt die 26-jährige.

Auch Ludwig Niebuhr fühlt sich gut in der Dorfgemeinschaft aufgenommen. Er wundert sich, dass in so einem kleinen Ort wie Schweina solche Initiativen überhaupt existieren – so etwas hätte er nicht in einem Dorf erwartet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 16. Juni 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juni 2019, 15:08 Uhr

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7 Kommentare

17.06.2019 16:13 Schappio5 7

Nörgeln und meckern....was soll man auch hier von einigen anderes erwarten!
Finde die Aktion gut....bitte mehr davon!

17.06.2019 13:21 Lukas 6

Unglaublich auf welch niedrigem Niveau hier teilweise kommentiert wird.
Solche Projekte sind super, um junge Menschen an nachhaltige Bausanierungen heranzuführen. Es muss umbedingt ein Umdenken stattfinden was die nachhaltige Sanierung von Gebäuden angeht.

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