Outdoor-Atelier Bad Liebenstein: Mit Pinsel und Schnitzmesser im Park

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Zum fünften Mal verwandelt sich der Landschaftspark Altenstein bei Bad Liebenstein im August wieder in ein Freiluft-Atelier. Auf den Wiesen werden Staffeleien aufgestellt, zwischen Ritterkapelle und Teufelsbrücke Eindrücke für Skizzen und Skulpturen gesucht, auf der unteren Schlossterrasse eine Holzwerkstatt aufgebaut. Die Freie Kunstschule in Schweina lädt zur Künstlerischen Sommerakademie und hofft in Corona-Zeiten auf verstärktes Interesse.

Malerin Elza Artamontseva arbeitet vor der Ritterkapelle an einem Aquarell
Malerin Elza Artamontseva arbeitet vor der Ritterkapelle an einem Aquarell Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Was das Besondere an der Sommerakademie ist? Elza Artamontseva gerät sofort ins Schwärmen: Ein großer Spaß sei sie, etwas absolut anderes, nicht im geschlossenen Raum mit kaltem Licht, sondern direkt in der Natur – "wunderbar!", sagt die Künstlerin. Wie das aussehen kann, zeigt sie gleich am Fuß der Ritterkapelle im Landschaftspark von Schloss Altenstein: da steht ihre Staffelei gleich neben dem Fußweg, mit flinkem Pinsel holt sie die Kapelle aufs Blatt.

Allerdings: Im Sommer wird sie vermutlich weniger selbst malen, weil sie ihre Schülerinnen und Schüler bei fünf verschiedenen Kursen betreut. Die suchen sich ihre Motive zum jeweiligen Thema im Park. Elza Artamontseva läuft dann wie in den Vorjahren zwischen ihnen hin und her, hilft mit frischem Wasser und Hinweisen zur Technik.

Holzschnitt und Zoom-Skulpturen

Ines Britz arbeitet mit Holz. Sie bietet zwei Kurse an: einmal eine Einführung in den Holzschnitt. Die Teilnehmer suchen sich einen Baum, zeichnen ihn, verdichten die Zeichnung zur Grafik und stellen dann den Holzschnitt her. Anschließend soll beim Druck experimentiert werden mit verschiedenen Farben und Papieren. Beim zweiten Kurs geht es um kleine Fundstücke aus der Natur wie ein Schneckenhaus oder eine Mohnkapsel, die in überdimensionaler Größe nachgebaut werden, mit Holz, Draht, Papier oder Stoff.

Holzbildhauerin Ines Britz bei der Arbeit mit Holzhammer und Meißel
Holzbildhauerin Ines Britz bei der Arbeit mit Holzhammer und Meißel. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Malen im Freien macht kreativ

Draußen im Freien zu arbeiten, das spricht alle Sinne an, erweitert den Horizont und setzt Kreativität frei, sagt Bea Berthold von der Freien Kunstschule Schweina. Deshalb sei die Sommerakademie ganz bewusst ein "Pleinair"-Angebot. Bei schlechtem Wetter stehen Räume in der Orangerie des Schlosses oder auch in der Kunstschule zur Verfügung. In den Vorjahren aber wollten viele Teilnehmer lieber im Regen unter Bäumen malen, als sich hinter Mauern zu begeben.

Schatzkiste Altensteiner Park

Das liegt ganz sicher am Ort der Sommerakademie: der Altensteiner Park ist bei jedem Wetter eine Augenweide. Vom Innenpark mit Schloss, Fontäne, exakt bepflanzten Beeten und Kübelpalmen bis in den Außenpark mit Baumriesen, ausgedehnten Wiesen, einer Alpenlandschaft mit Wasserfall und Sennhütte, dem chinesischem Häuschen oder der Teufelsbrücke.

Ob botanische Motive oder Architekturen: Alles ist da. "Eine Schatzkiste", sagt Bea Berthold, und sie wünscht den Kursteilnehmern, "dass sie es verstehen, diese Schätze in ihren Werken zu heben". Den ganzen August über dürfen sie sich hier frei bewegen – und sind sehr willkommen. "Eine kulturelle Bereicherung", freut sich Schlossverwalterin Susanne Rakowski von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Das passe in den Park – und sei auch für die Besucher immer interessant.

Blickfang auf dem Altenstein: das Teppichbeet am Schloss
Blickfang auf dem Altenstein: das Teppichbeet am Schloss. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

In 13 Kursen lernen und ausprobieren

Die 13 Kurse in diesem Jahr dauern einen bis sieben Tage. Angeboten werden Aquarell- und Acrylmalerei, Skizzieren, Holzschnitt und Kaltnadelradierung, Zoom-Skulpturen und ein philosophischer Spaziergang. An jedem Kursus können vier bis acht Menschen teilnehmen, Anfänger genauso wie Fortgeschrittene. Und tatsächlich, so berichtet Elza Artamontseva, waren die Teilnehmer in den Vorjahren stets ganz unterschiedlich. Jung und alt, aus der Region, aber auch aus Weimar oder Köln. Einige wollen einfach mal Kunst ausprobieren, andere haben Vorkenntnisse und wollen dazu lernen.

Methode und Herz

Wieder andere kommen, sagt die Malerin, weil sie etwas suchen, Stress bei der Arbeit haben oder mit dem Ruhestand nicht klar kommen. "Wir unterrichten nicht nur Methode und Technik, sondern teilen auch unser Herz und unsere Energie", sagt sie und erwartet, dass dieses Jahr in Corona-Zeiten mehr Menschen kommen könnten.

Die Zahl der Kurse hatte die Kunstschule ohnehin schon ausgebaut, sagt Bea Berthold. Der Bedarf sei da, und man habe auch Neues anbieten wollen. Durch die Pandemie, hat sie beobachtet, sind mehr Menschen als Besucher oder Wanderer im Park unterwegs. Vielleicht werde sich mancher überlegen, meint Berthold, in diesem Sommer nicht groß zu verreisen, sondern lieber malen zu gehen. Das sei ja eigentlich auch eine Reise - zu sich selbst.

Der Blick vom Eingang auf das Schloss
Der Blick vom Eingang in den Schlosspark ist eine Augenweide. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. Juni 2020 | 06:00 Uhr

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