Netzausbau Tennet besteht auf Stromtrasse durch Thüringen

Die geplante Stromtrasse Suedlink soll doch durch Thüringen verlaufen. Das geht aus den von den Netzbetreibern Tennet und TransnetBW am Donnerstag in Berlin vorgelegten Trassenplänen hervor, die nun der Bundesnetzagentur zur Genehmigung vorgelegt werden sollen. Danach soll die Stromleitung etwa 78 Kilometer durch Thüringen führen. Die Thüringer Landesregierung erklärte daraufhin, sie halte an ihrer Klage gegen die Trasse fest.

Geplanter Trassenverlauf von Suedlink
Bei der Planung überprüfte mögliche Trassen für Suedlink. Die mit Stammstrecke bezeichnete Linie zeigt den Verlauf an, den die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW als endgültigen Verlauf der Bundesnetzagentur zur Genehmigung vorgelegt haben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Laut Plan soll die Trasse von Schleswig-Holstein aus westlich an Hannover vorbei über Nordhessen und Südthüringen nach Bayern und Baden-Württemberg führen und unter der Erde verlegt werden. Suedlink soll Windstrom vom Norden in die Industriezentren im Süden bringen. In den kommenden Wochen wollen die beiden Unternehmen Bürger vor Ort über die Hintergründe der Streckenauswahl informieren, kündigte Christoph Schulze-Wischeler an, der bei Tennet für den Netzausbau zuständig ist. Die Planungen sollen bis 2021 abgeschlossen werden, die für die Energiewende wichtige Nord-Süd-Verbindung soll dann bis 2025 gebaut werden.

59 Kilometer durch Hessen, 78 durch Thüringen

Der Vorsitzende der Geschäftsführung von TransnetBW, Werner Götz, nannte den Zeitplan sehr ambitioniert. Er sei nur einzuhalten, wenn es keine Verzögerung etwa durch Klagen gebe. Die beiden Netzbetreiber müssen nach eigenen Angaben Verhandlungen mit insgesamt rund 50.000 Grundstückseigentümern führen.

20 Kilometer der Stromtrasse sollen durch Schleswig-Holstein führen, mit 315 Kilometern bekommt Niedersachsen den Plänen zufolge den längsten Teil der Kabel. Durch Hessen sollen 59 Kilometer führen, 78 durch Thüringen, 135 durch Bayern und 97 Kilometer durch Baden-Württemberg. Die Netzbetreiber betonten, sie hätten sich bei der Auswahl an sachlichen Kriterien wie Wasser- und Artenschutz oder auch Baugebieten orientiert, nicht an politischen Wünschen.

Weiter Ablehnung in Thüringen

Thüringens Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) erneuerte am Donnerstag die Kritik an dem geplanten Trassenverlauf durch den Freistaat. Der Plan entspreche nicht den bundesgesetzlichen Vorgaben, da das Gebot der Gradlinigkeit nicht ausreichend angewandt werde. "Wir bleiben beim Nein zum Suedlink-Verlauf durch Thüringen", sagte sie. Es könne nicht sein, dass Thüringen über die Maßen durch den Stromnetzausbau belastet werde.

Modell einer Baustelle für die Verlegung des Erdkabels für die Stromtrasse SuedLink.
Modell einer Baustelle für die Verlegung des Erdkabels für die Stromtrasse SuedLink (Archivbild). Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Für die Linke im Thüringer Landtag bleiben die Pläne "irrwitzig". Auch wenn die Trasse im nördlichen Teil verschoben sei und den Hainich schütze, so durchquere sie doch das FFH-Gebiet Werratal und das Biosphärenreservat Rhön. Insgesamt seien sechs Querungen des Grünen Bandes geplant, so Steffen Harzer, energiepolitischer Sprecher der Fraktion. Die Region werde für "Monstertrassen" genutzt und die Landschaft zerschnitten. Thüringen sei damit lediglich Transitland für in Bayern und Baden-Württemberg benötigten Strom.

Für die SPD-Fraktion erklärte deren energiepolitische Sprecherin Eleonore Mühlbauer, es sprächen "jede Menge Argumente" gegen einen Trassenverlauf durch Südthüringen. In Hessen hätte die Trasse an den Autobahnen entlang gebündelt werden können und es müsste nicht neuer Naturraum in Thüringen zerstört werden.

Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Roberto Kobelt, verwies ebenso darauf, dass die Kriterien Bündelung und Gradlinigkeit mit dem nun vorliegenden Vorschlag "noch nicht ausreichend" beachtet worden seien. Thüringen habe mit der sogenannten Strombrücke bereits viel für die Stromübertragung von Nord nach Süd getan. "Deshalb brauchen wir jetzt auch Rückenwind für Thüringer Interessen", so Kobelt. Die Energiewende müsse vor allem da gestärkt werden, "wo sie dezentral und regional ist".

Kritik an Energiewende

Auch die CDU-Fraktion kritisierte, dass die Trasse nicht in Hessen entlang der A7 gebaut werden soll. Sie hofft nach den Worten ihres energiepolitischen Sprechers Stefan Gruhner nun auf die Bundesnetzagentur. Bei deren Entscheidung sei auch darauf zu achten, dass Erkenntnisse aus einem Modellprojekt mit schmalerem Trassenkorridor berücksichtigt würden. Wäre die Trasse nicht 40, sondern nur 20 Meter breit, könnten auch von Tennet behauptete geologische Probleme in Hessen ausgeräumt werden.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Thomas Rudy, kommentierte die Trassenpläne mit den Worten, die längst gescheiterte Energiewende werde gegen jede Vernunft weiter vorangetrieben - "mit allen daraus resultierenden Folgen wie dem Netzausbau". Ohne den gesetzlichen Einspeisevorrang für Windkraft und Sonnenstrom könnte auf ihn verzichtet werden. Der Thüringer AfD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Pohl zeigte sich erleichtert, dass die Trasse nicht mehr wie früher geplant durch Nordthüringen verlaufen soll. Es sei eine "erfreuliche Botschaft für alle Thüringer, dass die wertvollen Kulturlandschaften des Eichsfelds und der Region Unstrut-Hainich von dieser umweltzerstörerischen Maßnahme nicht mehr betroffen sein sollen".

Der Südthüringer FDP-Bundestagsabgeordnete Gerald Ullrich warf Tennet eine falsche Energiepolitik vor. Die Zukunft liege in dezentraler Energieversorgung und intelligenten Netz- und Speichertechnologien, sagte er MDR THÜRINGEN. Mit der neuen Stromtrasse durch Südwestthüringen würden Milliarden Euro sinnlos verschlungen.

Die Landrätin des Kreises Schmalkalden-Meiningen, Peggy Greiser, erklärte, die Trassenführung für den Suedlink sei nicht auf sachlich-fachlicher Ebene entschieden worden, sondern auf politischer. "Wenn man beim Netzausbau nicht die kürzeste und geradlinigste Trasse wählt und nicht die vorhandene Infrastruktur an der A7 in Hessen nutzt, braucht sich keiner in Berlin zu wundern, dass es keine Zustimmung für den Netzausbau gibt." Der zuständige Energieminister der Bundesregierung, Peter Altmaier, sei "auf ganzer Linie gescheitert".

Anmerkung der Redaktion (21.02.2019, 17:00 Uhr): In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir eine Karte gezeigt, die einen alten Planungsstand für den vorgesehenen Trassenverlauf von Suedlink zeigte. Die nun im Artikel gezeigte (blaue) Karte zeigt die aktuelle Variante.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. Februar 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 21:23 Uhr

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31 Kommentare

22.02.2019 12:12 Feidl 31

Die Politiker, egal welcher Partei, sind an Peinlichkeit kaum zu überbieten, sind genauso wie die Bürger, die zwar günstig Strom wollen, aber bitte keine Leitungen vor der eigenen Haustür. Dabei wird die Leitung doch schon fast komplett als Erdkabel ausgeführt, das erhöht zwar deutlich die Kosten und damit auch die Stromkosten, aber wenn es darum geht, dürfen ruhig die Stromkosten explodieren, Hauptsache keine Freileitungen.

Und ich wohn ganz in der Nähe des geplanten Trassenverlauf in SM, bin also selbst Betroffener, hab aber absolut nix gegen die Trasse, solange sie fachmännisch geplant und gebaut wird.

22.02.2019 10:31 Möwe 30

Warum bauen die keine Überlandleitung. Nach ein paar Wochen hat man sich an den Anblick gewöhnt. Ist billiger beim Bau und bei der Wartung. Wer verteilte Öko-Energie will, muss mit den Konsequenzen leben. Ich wünsche mir ein dezentrales funktionierendes Netz.

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