Auf einem bewaldeten Hang in der Nähe einer Ortschaft liegen zahlreiche umgestürzte Bäume.
Der Aschenberg bei Bad Liebenstein am Sonntag Bildrechte: Sebastian Keybe

Bilanz vom Wochenende Wintersturm schlug weitere Schneisen in die Wälder

Der Sturm hatte keinen Namen, es gab keine Vorwarnung. Und doch sind die Schäden groß, die Schnee und böiger Wind am Wochenende im südwestlichen Thüringer Wald angerichtet haben. Die Forstleute trifft es schlimm. Waren sie doch gerade dabei, unter Hochdruck das Bruchholz von Sturm "Friederike" aufzuarbeiten. Nun droht auch noch der Borkenkäfer.

von Ruth Breer

Auf einem bewaldeten Hang in der Nähe einer Ortschaft liegen zahlreiche umgestürzte Bäume.
Der Aschenberg bei Bad Liebenstein am Sonntag Bildrechte: Sebastian Keybe

Es ist das Bild dieses Wochenendes: ein Blick von oben auf den Aschenberg bei Bad Liebenstein, umgestürzte Fichten, die Wurzelteller aufgeklappt, und das über eine riesige Fläche. Mehr als acht Hektar, schätzt der Bad Salzunger Forstamtsleiter Jörn Uth. Die Bäume sind älter als 80 Jahre. "Drei Generationen Förster haben die schon gepflegt", sagt er.

Robustere Bäume sollen her

Der Berg soll wieder aufgeforstet werden, aber nicht mit Fichten. Robustere Nadelbäume sollen gepflanzt werden wie Lärchen oder Douglasien, dazu Laubbäume. Aber bis dahin ist noch viel tun, und nicht nur am Aschenberg. Zwischen hessischer Grenze und Rennsteig verzeichnet Uth die größten Schäden in seinem Forstamtsbereich. Getroffen hat es vor allem Waldstücke, die schon Sturm "Friederike" angegriffen hatte, die "offenen Sturmfronten". Meist sind es einzelne Bäume und sogenannte Nester, aber auch größere Flächen wie bei Bad Liebenstein, bei Waldfisch beispielsweise oder zwischen Etterwinden und Kupfersuhl.

Warum so viele Bäume fielen, hat mehrere Gründe: die frischen Vorschäden durch "Friederike", die schwere Schneelast in unteren Lagen und vor allem der böige Wind. Er blies diesmal aus ungewohnter Richtung, aus Norden und Osten - anders als sonst. Die Bäume sind auf Südwestwind eingestellt.

Auch das Forstamt Marksuhl hat es wieder getroffen. "Gruselig" habe der Wald entlang der Bundesstraße 84 von Eisenach gen Süden ausgesehen, sagt Amtsleiter Ansgar Pape. Was "Friederike" stehen gelassen habe, sei jetzt umgefallen. Die Situation sei "schon etwas deprimierend". Im Revier Wartburg beispielsweise sei man gerade mit dem Bruchholz des letzten Sturms fertig geworden, nun liege noch einmal mehr. Neue Bäume fielen auf bereits geschnittenes Holz und auf Waldwege, die Unternehmen seien aber bereits abgerückt. Bis Ende Mai wären die Folgen von "Friederike" zu bewältigen gewesen, aber so?

Mehr Schäden als bei "Herbert" und "Friederike"

Im Forstamt Oberhof nennt Bernd Wilhelm schon Zahlen: er schätzt den Schaden auf 10.000 bis 20.000 Kubikmeter - mehr als bei den Stürmen "Herbert" und "Friederike" dieses Winters zusammen. Betroffen waren vor allem die Vorlandreviere, beispielsweise um Zella-Mehlis und Benshausen. Die vereinzelten Brüche seien eine große Herausforderung. Man müsse "einzelnen Stämmen nachjagen", das sei anspruchsvoll und teuer, sagt Wilhelm. Die personelle Situation sei angespannt - "bei Kyrill hatten wir noch mehr Waldarbeiter", sagt Wilhelm. Er bitte die Bevölkerung um Geduld, dass es dauern werde, die Waldwege aufzuräumen.

Jörn Uth hat noch keinen genauen Überblick über die Schäden rund um Bad Salzungen. Bis Ende der Woche sollen erst einmal die Hauptwege freigeschnitten werden, um alles zu sichten und einzuschätzen, welche Maschinen benötigt werden. Der Forstamtsleiter weist aber darauf hin, dass Spaziergänger die betroffenen Wälder meiden sollten. Viele Bäume hingen noch schief, Wurzelteller könnten umklappen. Schon am Wochenende hatte er festgestellt, dass Schaulustige mit Kind und Hund nach Bad Liebenstein gepilgert kamen. Rotweißes Absperrband sei einfach abrissen worden, um sich den zerstörten Wald anzuschauen. Höchst gefährlich, warnt der Forstmann.

Schon mit den Sturmschäden von "Friederike" hatten die Forstamtsleiter reichlich zu tun. Bis Ende Mai, wie geplant, werden sie das Bruchholz nicht aus den Wäldern räumen können. Deshalb weisen sie sorgenvoll auf die nächste Gefahr hin. Wenn im Frühjahr noch viel Fichtenholz im Wald liegt und es warm wird, "dann kriegen wir ein Borkenkäferjahr, das sich gewaschen hat", sagt Bernd Wilhelm.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2018, 20:31 Uhr

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