Ehrenamt Felicitas Kotsch aus Dermbach ist "Thüringerin des Monats" November

Felicitas Kotsch ist unsere "Thüringerin des Monats" im November. Die 55-Jährige kam aus Liebe in die Rhön, rief einen Mutter-Kind-Kreis ins Leben und leitet seit 16 Jahren den örtlichen Chor "Heavenly Voices".

Felicitas Kotsch ist Thüringerin des Monats November
Felicitas Kotsch leitet den Chor "Heavenly Voices" in Dermbach. Bildrechte: MDR/David Dienemann

Ein Umweg über die ukrainische Hauptstadt Kiew hat die aus Bochum stammende Felicitas Kotsch in die Thüringische Rhön geführt. Dort hat die studierte Volkswirtin um die Jahrtausendwende für eine große deutsche Bank gearbeitet und ihren späteren Mann Gerald Kotsch aus Dermbach kennengelernt, der gerade für die Evangelische Kirche in der Ukraine gearbeitet hatte.

Aus Liebe in die Rhön

In Dermbach angekommen war von Anfang an ihr Ziel die Gemeinschaft im Ort zu fördern. Als Frau des Pfarrers haben sich viele Ehrenämter für sie aus dieser Rolle ergeben. "Ich nehme diese Rolle sehr gern an", sagt die 55-Jährige, ich komme aus einer sehr kirchlichen Familie." So hat sie den Mutter-Kind-Kreis ins Leben gerufen, als ihre Kinder klein waren, und rund 18 Jahre lang betreut. Mehr als 100 junge Mütter sind bisher mit ihren bis zu zweijährigen Kindern dabei gewesen. Und für Felicitas Kotsch haben sich daraus auch sehr intensive persönliche Freundschaften entwickelt.

Menschen klatschen Beifall
Felicitas Kotsch ist beliebt in Dermbach. Bildrechte: MDR/David Dienemann

Weitere Beispiele sind die jährliche Kinder-Kirchennacht und das vierteljährliche "Frauen-Spätstück" mit Themenabenden und einem gemeinsamen Koch-Abend vor dem ersten Advent unter dem Motto "Eat-Pray-Love", auf den sich die Frauen ganz besonders freuen.

Nur wenn sich Leute engagieren, ist die Gemeinde lebendig. Und ich finde Dermbach ist eine sehr lebendige Gemeinde, unter anderem durch Frau Kotsch.

Silke Wöhner

Die junge Dermbacher Pfarrerin Silke Wöhner hat inzwischen den Mutter-Kind-Kreis von Felicitas Kotsch übernommen.

Mutter, Musikerin und Motor für ein aktives Gemeinschaftsleben

Sehr am Herzen liegt der musikbegeisterten ausgebildeten Chorleiterin Felicitas Kotsch der Chor "Heavenly Voices", den sie seit mehr als 16 Jahren leitet. Die Sängerinnen und Sänger haben auch den Vorschlag zur Auszeichnung als "Thüringerin des Monats" initiiert.

Im Jahr 2004 hatten die rund 25 Chormitglieder eine neue Leitung gesucht. Und die damals mit ihrem zweiten Kind hochschwangere Frau des Pfarrers hat zugesagt. "Dabei steht sie selbst nie im Rampenlicht, sondern ehrt und achtet uns als Sänger", sagt Katy Wehner.

Sie ist nicht nur die Frau des Pfarrers, sondern eine Frau von Welt, die viele Erfahrungen gesammelt hat und die Menschen um sich herum mit wertvollen Ideen und mit jeder Menge Begeisterung versorgt.

Katy Wehner

In dem gemischten Chor kommen Jung und Alt zusammen und die "Heavenly Voices" wollen mit ihren Auftritten auch ein breites Publikum ansprechen, zum Beispiel mit modernen englischen Popsongs junge Familien begeistern, mit Gospels das stark christlich geprägte Leben in der Rhön widerspiegeln und mit bekannten Volksliedern auch die ältere Generation erfreuen.

Ein Chor sing auf Kirchenstufen
Den Chor leitet Felicitas Kotsch seit 16 Jahren. Bildrechte: MDR/David Dienemann

Felicitas Kotsch fühlt sich durch ihr Engagement inzwischen sehr verwurzelt in ihrer neuen Heimat und sagt nicht ohne Stolz:

Wenn ich dazu beigetragen haben sollte mit all diesen Aktionen, dass auch Menschen, die bisher nicht in vorderster Reihe gestanden haben, sich jetzt hier wohler fühlen und der Ort offener geworden ist - noch freundlicher als sowieso - das wäre mir das Wichtigste. Wenn ich Menschen dazu animiert habe sich einzubringen, Freunde zu finden, Wurzeln zu schlagen, das wäre für mich die schönste Belohnung.

Felicitas Kotsch

Vielseitig und gut organisiert in einem quicklebendigen Ort

Leerlauf mag Felicitas Kotsch nicht, sie ist von Natur aus ein aktiver Mensch, sagt sie über sich. Und ihr ist wichtig, dass Ehrenamt gut organisiert ist.

Es geht ja nicht nur darum 'wir tun jetzt mal was Gutes'. Man muss überlegen, wie man das macht und die anderen zum Mitmachen motiviert. Die sind auch alle Mütter, haben einen Beruf und nur in begrenztem Umfang Zeit fürs Ehrenamt.

Felicitas Kotsch

Die Corona-Pandemie hat auch in Dermbach in diesem Jahr viele Pläne durcheinander geworfen. So musste das gemeinsame Singen und Musizieren unter der alten Dorflinde anlässlich der internationalen Fète de la Musique vom 21. Juni auf den Herbstanfang verlegt werden. Und die große Feier zum 875-jährigen Ortsjubiläum ist um zwei Jahre verschoben.

Felicitas Kotsch ist Thüringerin des Monats November
Felicitas Kotsch ist Thüringerin des Monats November Bildrechte: MDR/David Dienemann

In einem Wettbewerb "Dorf der guten Taten" hat der Ort trotzdem gezeigt, wie viel Engagement es hier gibt. Es werden wohl mehr als 875 gute Taten werden, wenn im Nikolausgottesdienst Bilanz gezogen wird. Da ist sich Felicitas Kotsch sicher. "Wir sind ein Dorf mit über 35 Vereinen und die sind alle aktiv. Wir sind nicht irgendein verschlafenes Dorf in der Mitte von nichts, sondern wir sind quicklebendig. Hier gibt es eine kritische Masse an Leuten, denen nicht alles egal ist, denen ganz viel wichtig ist. Und das ist das Schönste. Deshalb bin ich auch sehr gern hier und deshalb baue ich auch jetzt gerade ein Haus und werde eine 'richtige Dermbacherin'", sagt sie schmunzelnd.

Aktio "Thüringer des Monats" "Thüringer des Monats" ist eine Aktion von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Seit 1994 wird die Auszeichnung vergeben. Das Engagement von Menschen, die in ehrenamtlicher Arbeit Außergewöhnliches geleistet oder sich in besonderer Weise für Mitmenschen in Thüringen eingesetzt haben, wird hiermit besonders gewürdigt.

Eine Jury aus Hörfunk- und Fernsehjournalisten von MDR THÜRINGEN sowie der Thüringer Ehrenamtsstiftung hat die Qual der Wahl: Jeden Monat gehen viele Bewerbungen ein - per Mail oder per Post. Aber nur eine oder einer kann mit dem Titel "Thüringer des Monats" ausgezeichnet werden. Die Jury macht es sich mit der Entscheidung nicht leicht, denn eigentlich hat jede(r) Kandidat(in) diese Auszeichnung verdient.

Im Dezember wird dann aus den 12 Thüringern des Monats von den Hörern von MDR THÜRINGEN, den Zuschauern des MDR THÜRINGEN JOURNAL sowie den Nutzern von MDR.DE der "Thüringer des Jahres" gewählt und im festlichen Rahmen im MDR LANDESFUNKHAUS THÜRINGEN in Erfurt ausgezeichnet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. November 2020 | 19:00 Uhr

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