Wartburgkreis Wohngebiet am Erdfall von Tiefenort soll zur Streuobstwiese werden

Vor 18 Jahren gab in der Frankensteinstraße in Tiefenort im Wartburgkreis erstmals die Erde nach. Mitten in einem Wohngebiet war ein Krater entstanden, der seitdem mehrfach nachbrach. Im Jahr 2010 handelten die Behörden: Fünf Häuser um den Erdfall herum durften nicht mehr genutzt werden, die Bewohner mussten ausziehen. Jetzt gibt es für das Gelände eine Perspektive.

Von Pflanzen überwuchertes Grundstück an einem Haus im Erdfallgebiet in Tiefenort
Auf den verlassenen Wohngrundstücken überwuchern Pflanzen langsam alles. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Zehn Jahre Leerstand haben ihre Spuren hinterlassen im abgesperrten oberen Teil der Frankensteinstraße: Kräftige junge Birken wachsen aus dem Gehweg und in Einfahrten, selbst aus dem Gitter eines Kellerfensters. Fenster sind ausgebaut und durch Holzlatten oder Folie ersetzt. Von einer Fassade ist Schiefer abgefallen und liegt zerplatzt auf dem Boden. Sogar im Kieshügel auf dem Erdfall-Trichter haben sich bereits Pflanzen angesiedelt. Ein trostloser Anblick, der nicht mehr lange so bleiben soll: Im Tiefenorter Erdfallgebiet beginnt jetzt ein Ingenieurbüro, Abriss und Neugestaltung zu planen.

Kein Geld von der Versicherung

Möglich macht das eine Regelung der Landesregierung mit den bisherigen Grundstückseigentümern, die im vergangenen Jahr nach langen Verhandlungen zustande kam. Die Besitzer der Häuser erhielten eine sogenannte soziale Unterstützungsleistung, mit der ihre zusätzlichen Belastungen abgefedert werden sollten. Mussten sie doch teilweise noch Kredite für die Häuser abzahlen, obwohl sie längst woanders wohnten. Auch zum Schneeschieben beispielsweise waren sie noch verpflichtet - auch wenn sie die Häuser gar nicht nutzen durften.

Versicherungen zahlten nicht, denn die Gebäude standen ja noch. Auch gerichtlich konnten die Eigentümer dies nicht anfechten. Deshalb fiel es ihnen letztlich nicht schwer, nach der Regelung mit dem Land ihre Grundstücke an die Stadt Bad Salzungen zu übertragen, zu der Tiefenort mittlerweile gehört. Für die Eigentümer sei das auch eine finanzielle Entlastung gewesen, sagt Kurt Block vom Erdfallhilfeverein, denn sonst wären selbst die Abrisskosten noch an ihnen hängen geblieben. Er schätzt sie auf bis zu 30.000 Euro pro Haus.

Stadt jetzt Eigentümerin

In einer Straße im Erdfallgebiet in Tiefenort stehen Journalistinnen und Journalisten und hören dem Bürgermeister von Bad Salzungen, Jürgen Bohl, zu.
Vor Journalisten erläuterte Bad Salzungens Bürgermeister Jürgen Bohl am 23. April die Pläne der Stadt für das verlassene Wohngebiet am Erdfall. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Seit Februar gehören die fünf Grundstücke der Stadt Bad Salzungen. Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler) erinnerte am Donnerstag an die "leidvolle und fast unendliche" Geschichte des Erdfalls von Tiefenort. Die Stadt, sagte er, wolle das Gelände jetzt sichern und die unbewohnten Häuser abreißen lassen. Denn die sähen nicht nur unschön aus, sondern gefährdeten die öffentliche Sicherheit.

Bohl verfolgt weiter das, was der Gemeinderat von Tiefenort bereits für die obere Frankensteinstraße beschlossen hatte: Auf den rund 2.700 Quadratmetern soll eine Streuobstwiese angelegt werden - und vielleicht, so es die Sicherheit zulässt, ein Fußweg.

Sicherer Abriss und Erhalt der Messtechnik

Der Abriss in einem Erdfallgebiet ist kein gewöhnlicher, deshalb plant ihn ein Ingenieurbüro aus Weimar. Ulf Köhler hat den Auftrag gerade übernommen. Sein Unternehmen kennt sich mit Erdfällen aus. Die Frankensteinstraße in Tiefenort, sagt er, gehöre zu den am besten geologisch erkundeten Standorten Deutschlands. Nun geht es darum, wie möglichst sicher abgerissen werden kann. Außerdem soll das Messnetz erhalten bleiben, das jede Bewegung im Untergrund registriert. Denn für die Anwohner, die nur wenige Meter neben den Abbruchhäuser wohnen, soll das Frühwarnsystem erhalten bleiben.

Im Erdfallgebiet von Tiefenort

Ein Zaun versperrt eine Straße zum Erdfallgebiet in Tiefenort
Seit dem Jahr 2010 ist die Straße am Erdfall in Tiefenort gesperrt - wegen der Gefahr, dass der Erdfall noch größer wird. Die angrenzenden Wohnhäuser sind seitdem verlassen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Zaun versperrt eine Straße zum Erdfallgebiet in Tiefenort
Seit dem Jahr 2010 ist die Straße am Erdfall in Tiefenort gesperrt - wegen der Gefahr, dass der Erdfall noch größer wird. Die angrenzenden Wohnhäuser sind seitdem verlassen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
In einer Straße im Erdfallgebiet in Tiefenort stehen Journalistinnen und Journalisten und hören dem Bürgermeister von Bad Salzungen, Jürgen Bohl, zu.
Am 23. April erläuterte Bad Salzungens Bürgermeister Jürgen Bohl die Pläne der Stadt zur künftigen Gestaltung des Areals. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Von Pflanzen überwuchertes Grundstück an einem Haus im Erdfallgebiet in Tiefenort
Die unbewohnten Grundstücke werden inzwischen von Pflanzen überwuchert. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Aus einem Kellerfenster eines Hauses wächst ein junger Baum
Ein Baum wächst aus dem Keller dieses Hauses. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Verwilderter Vorgarten eines Hauses im Erdfallgebiet in Tiefenort
Hier wird niemand mehr wohnen. Die Häuser sollen abgerissen werden und auf dem Areal soll eine Streuobstwiese angelegt werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Kieshaufen über dem Erdfall von Tiefenort
Der riesige Kieshaufen füllt und bedeckt das Erdfall-Loch. Rundherum sind Messanlagen installiert, die mögliche Erdbewegungen anzeigen sollen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 23. April 2020 | 18:40 Uhr

Land übernimmt Kosten

Die Kosten für Planung, Abriss und Neugestaltung sind noch offen. Bürgermeister Klaus Bohl hat aber die Zusage des Landes, dass sie vollständig vom Land über die Städtebauförderung übernommen werden sollen. Voraussichtlich im Herbst sollen die Arbeiten vergeben werden. Der Abbruch selbst könnte dann zum Jahresende oder Anfang 2021 beginnen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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