Ein Landwirt steht auf einem vertrockneten Feld, auf dem nur wenige Maispflanzen wachsen
Das Jahr 2018 war von lang anhaltender Trockenheit geprägt. Bildrechte: dpa

Bilanz Wetter in Thüringen 2018: Wärmer, trockener, sonniger

Schon jetzt ist klar: Das Jahr 2018 wird eines der wärmsten, trockensten und sonnigsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Unsere Grafiken zeigen das ganze Ausmaß für Thüringen.

Ein Landwirt steht auf einem vertrockneten Feld, auf dem nur wenige Maispflanzen wachsen
Das Jahr 2018 war von lang anhaltender Trockenheit geprägt. Bildrechte: dpa

Temperaturen

Mit durchschnittlich 19,3 Grad ist der Sommer 2018 in Thüringen einer der wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Das geht aus Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hervor. Messzeitraum war der meteorologische Sommer vom 1. Juni bis 31. August. Thüringen lag damit genau im Bundesschnitt, denn auch für Gesamtdeutschland wurden im Schnitt 19,3 Grad gemessen. Am wärmsten war es in Berlin mit 20,8 Grad Celsius.

Nach Angaben des DWD war dieser Sommer somit der zweitheißeste seit Beginn der regelmäßigen Messungen im Jahr 1881. Getoppt wurde das Jahr 2018 nur vom Jahr 2003. Vor 15 Jahren waren es deutschlandweit im Schnitt 19,7 Grad. Der Deutsche Wetterdienst spricht von einem Alarmsignal. Der Klimawandel sei längst in Deutschland angekommen. Es müssten schnell Lösungen zur Verminderung der Treibhausgasemissionen gefunden werden.

Den Thüringer Hitzerekord stellte im Sommer 2018 die Stadt Artern auf. Dort wurden am 31. Juli 38,2 Grad gemessen. Deutschlandweit am wärmsten war es in Bernburg in Sachsen-Anhalt mit 39,4 Grad. Neben dem Frühjahr und Sommer war auch der Herbst ungewöhnlich warm. So meldete der Wetterdienst für Krölpa (Saale-Orla-Kreis, 27 Grad), Weimar (26,2 Grad) und Bad Berka (26,3 Grad) Mitte Oktober neue Rekordtemperaturen für diese Jahreszeit.

Wird nicht nur der Sommer, sondern das komplette Jahr berücksichtigt, war es in Deutschland sogar noch wärmer als 2003. Die Mitteltemperatur lag nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in den ersten elf Monaten des Jahres bei 11 Grad. Das sind 2,1 Grad mehr als im sogenannten vieljährigen Mittel, das die Temperaturen von 1961 bis 1990 erfasst. Mit Berücksichtigung des vieljährigen Mittels sollen Wetter- und Klimaauswertungen vergleichbar gemacht werden.

In Thüringen lag die durchschnittliche Temperatur etwas unter dem bundesdeutschen Schnitt. Laut dem vorläufigen Bericht der Thüringer Klimaagentur war es mit 10,5 Grad aber noch immer 2,2 Grad wärmer als in der Vergleichsperiode von 1961 bis 1990. Das Jahr 2018 sei im Freistaat damit das wärmste seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen im Jahr 1881 gewesen.

Auch ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt eine eindeutige Tendenz: die Durchschnittstemperaturen steigen. So gehören nach Angaben der Klimaagentur die Jahre 2014 bis 2018 zu den neun wärmsten, die je gemessen wurden. Die Thüringer Klimaagentur ist bei der Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Jena angesiedelt. Das Referat analysiert den Klimawandel und projiziert Modelle für die Zukunft.

Niederschlag

Im Bundesgebiet war es 2018 nicht nur ungewöhnlich warm - es fiel auch weniger Niederschlag als sonst. Insgesamt waren es von Januar bis November 482 Liter pro Quadratmeter - laut Wetterdienst sind das 67 Prozent der üblichen Menge im Zeitraum von Januar bis November. In Thüringen war es besonders trocken. Dort fielen demnach nur rund 435 Liter pro Quadratmeter. Laut Auswertung der Thüringer Klimaagentur waren es in den ersten elf Monaten des Jahres im Freistaat sogar nur 418 Liter. Das Jahr 2018 sei damit das trockenste seit 1911.

Besonders trocken waren auch die drei Sommermonate. Im Juni, Juli und August fielen laut DWD im Freistaat nur 95 Liter Niederschlag pro Quadratmeter (Deutschland: 130). Nicht nur in puncto Hitze, sondern auch beim Niederschlag taucht wiederum Artern auf. In der Stadt im Kyffhäuserkreis fielen in den drei Sommermonaten nur rund 25 Liter Wasser pro Quadratmeter. Das sind gerade einmal 16 Prozent der gewöhnlichen Niederschlagsmenge. Auch in Friedrichsthal (Kreis Nordhausen) waren es nach Angaben der Klimaagentur in den Monaten Juni, Juli und August nur 25 Liter. Friedrichsthal sei im Sommer damit der trockenste Ort Deutschlands gewesen.

Die Folgen der Trockenheit ließen nicht lange auf sich warten: dürre Wiesen, Ernteausfälle in der Landwirtschaft und Brände in den Wäldern bestimmten die Schlagzeilen in den Monaten Juli, August und September. Nach Angaben der Landforstanstalt Thüringenforst mussten die Feuerwehren bis Ende September zu 40 Waldbränden ausrücken. Insgesamt brannten elf Hektar Wald, was einer Fläche von etwa 14 Fußballfeldern entspricht. Den heftigsten Waldbrand gab es Anfang Juli bei Rittersdorf im Weimarer Land, als fünf Hektar in Flammen standen.

Laut Thüringenforst war das Jahr 2018 in Thüringen das Jahr mit der dritthöchsten Anzahl an Waldbränden nach der Wiedervereinigung. Nur zum Jahrhundertsommer 2003 mit 90 und 2015 mit 42 Waldbränden wurden mehr Flächenbrände gezählt.

Sonnenstunden und Sommertage

Der Sommer in Thüringen war nicht nur wärmer und trockener, sondern auch sonniger als gewöhnlich. Statt der üblich zu erwartenden 590 Sonnenstunden schien dem DWD zufolge in den Monaten Juni, Juli und August 760 Stunden die Sonne (Deutschland: 770 Stunden). Das waren deutlich mehr Sonnenstunden als in den Vorjahren. Insgesamt schien in Thüringen bis Ende November 1.915 Stunden die Sonne, wie die Thüringer Klimaagentur berechnete. Das seien 32 Prozent mehr als im Mittel üblich.

Besonders sommerlich war es in Jena. Der Thüringer Klimaagentur zufolge wurden dort bis Ende November 102 Sommertage gezählt. Sommertage sind Tage, an denen die Höchsttemperaturen auf über 25 Grad Celsius steigen. Von 1961 bis 1990 waren es im Schnitt nur 45,8 Sommertage. An 37 Tagen stiegen die Temperaturen in der Saalestadt sogar auf über 30 Grad. Im Vergleichszeitraum gab es im Schnitt nur 10,4 derartige heiße Tage im Jahr.

Im gesamten Bundesgebiet gab es laut Wetterdienst im Mittel 75 Sommertage, an denen 25 Grad oder mehr gemessen wurden. Davon waren 20,5 heiße Tage dabei, an denen das Thermometer die 30-Grad-Marke überschritt. Eine solche Bilanz habe es seit 1881 noch nie gegeben. 2003 waren es demnach 62 Sommertage und 19 heiße Tage.

Angesichts der Daten sprach Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) von einem Extremjahr. "Der Klimawandel ist da und mit voller Wucht spürbar." Besorgniserregend sei die Vorstellung, dass nach Einschätzung der Klimaforscher ein Jahr wie 2018 ab 2030 ein durchschnittliches Jahr sein könnte, wenn nicht gehandelt werde, so Siegesmund.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. Dezember 2018 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2018, 17:07 Uhr

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1 Kommentar

13.12.2018 12:39 Lyriklümmel 1

Ich gebe Frau Siegesmund recht: "Der Klimawandel ist da und mit voller Wucht spürbar."
Ich befürchte, der Klimawandel wird auch auf biologischem Gebiet Konsequenzen haben und die Einbringung oder Ausbreitung gebietsfremder Arten begünstigen, die u. U. einheimische Organismen gefährden, schädigen oder verdrängen.

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