App von WhatsApp auf einem Smartphone mit einem Notizzettel und der Aufschrift Datenschutz?
WhatsApp und Datenschutz sind nach Meinung der Thüringer Datenschützer nicht gut vereinbar. Bildrechte: IMAGO

Datenschutz Warum Elternvertreter WhatsApp nicht nutzen sollten

Millionen von Menschen in Deutschland nutzen den kostenlosen Kommunikationsdienst WhatsApp. Ein Streit an einer Thüringer Grundschule zeigt jedoch, dass sich Elternvertreter in einer rechtlichen Grauzone bewegen, wenn sie sich mit anderen Eltern über schulische Belange bei WhatsApp austauschen.

von Sebastian Großert

App von WhatsApp auf einem Smartphone mit einem Notizzettel und der Aufschrift Datenschutz?
WhatsApp und Datenschutz sind nach Meinung der Thüringer Datenschützer nicht gut vereinbar. Bildrechte: IMAGO

Der Brief an die "lieben Eltern der 4a" klang ganz harmlos. Die Elternvertreter der Klasse einer Thüringer Grundschule informierten die Eltern im Herbst 2017 über eine anstehende Spendenveranstaltung, zu schulischen Problemen - und zur künftigen Kommunikation untereinander. Der Absatz gefiel allerdings nicht allen Eltern. Der Grund: Die Elternvertreter wollten beim Messengerdienst WhatsApp für Smartphone und Tabletcomputer eine Klassengruppe einrichten und baten dafür um Zustimmung sowie um die Handynummern.

Mindestens ein Elternteil beschwerte sich daraufhin anonym bei der Behörde des Thüringer Datenschutzbeauftragten Lutz Hasse. Dessen Mitarbeiter wandten sich mangels eines Ansprechpartners an die Schule und informierte über die Rechtslage - und die ist viel komplizierter als die leicht zu verstehende Funktion des Dienstes WhatsApp. Sabine Pöllmann, Stellvertreterin von Landesdatenschützer Hasse, erklärt warum: "Elternvertreter kommunizieren nicht mehr im rein privaten Bereich, wenn sie sich mit Eltern über schulische Belange austauschen. Für den persönlichen Bereich gilt das Datenschutzrecht nicht. Die Mitwirkung der Eltern ist aber im Schulgesetz geregelt."

Pöllmann räumt allerdings ein, dass es sich um eine Grauzone handelt. Es sei nicht möglich, Eltern WhatsApp für den Austausch über schulische Belange zu untersagen, wie das für Lehrer und Erzieher gelte. Die Datenschützer können Eltern deswegen nur davon abraten, den Dienst für den Austausch über Schulfragen zu nutzen.

WhatsApp liest alle Kontaktdaten aus

Ein Mann hält ein iPhone mit dem geöffneten App Store in der Hand.
WhatsApp durchstöbert alle Adressbücher der Kontakte. Bildrechte: dpa

Was aber hat die Datenschutzbehörde gegen einen kostenlosen Dienst einzuwenden, den Millionen von Menschen in Deutschland nutzen? Pöllmann führt mehrere Gründe an. So speichere WhatsApp ohne Rechtsgrundlage sogenannte Metadaten - also wer wann mit wem kommuniziert hat. Außerdem lese der Dienst die Adressbücher der Geräte aus, auf denen die App installiert ist. Es sei so gut wie ausgeschlossen, dass alle gespeicherten Kontaktpersonen dem zugestimmt haben. Deswegen gelte der Rat an die Eltern auch für den Fall, dass - anders als bei dem Fall an der Thüringer Grundschule - alle Eltern mit WhatsApp als Kommunikationskanal für Schulfragen einverstanden sind. Die Meinung der Datenschützer teilten zwei "WhatsApp-Verfechter" unter den Elternvertretern der Grundschulklasse allerdings nicht. Sie traten zurück, nachdem die Schulleitung die Haltung des Datenschutzbeauftragten weitergereicht hatte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Februar 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2018, 06:00 Uhr

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14 Kommentare

26.02.2018 21:52 Ron Bock 14

Ich kann nicht, habe nicht, geht nicht, brauch ich nicht Whats-App, und nun?

26.02.2018 13:57 Martin 13

@12: Genau das ist das Problem: Wenn eine offizielle Eltern-Klassengruppe eingerichtet wird, werden eben auch die Eltern gezwungen Whats-App zu nutzen, die das bisher nicht getan haben oder nicht wollen. Oder die sind dann wieder indirekt gezwungen, das Auslesen der Kontakte zu erlauben, weil das Programm sonst nicht richtig funktioniert.

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