Medienhype oder reale Gefahr? Muss mich der Corona-Virus in Thüringen beunruhigen?

MDR THÜRINGEN-Reporter Niklas Scholz
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Seit Montagabend ist klar: Im Nachbarland Bayern wurde erstmals in Deutschland das aktuelle Coronavirus diagnostiziert. Theoretisch ist das auch in Thüringen möglich. Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Fotomontage: Junge Frau mit Mundschutz vor dem Erfurter Dom
Kommt der Corona-Virus auch nach Thüringen? Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Nicky Scholz/Isabelle Fleck

Das Corona-Virus dominiert seit einiger Zeit die Nachrichten. Erkrankungen in Thüringens südlichem Nachbarland Bayern wecken auch hierzulande Befürchtungen. Seit Dienstagabend wissen wir: Drei weitere Personen aus dem Umfeld des ersten deutschen Patienten haben sich mit dem Virus infiziert.

Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Richtig ist aber auch: Schon nächste Woche könnte die Aufregung einer anderen Neuigkeit weichen. Medienerfahrene kennen das bereits von früheren Erkrankungswellen, verursacht durch andere Virenstämme. Auch Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) warnte am Dienstag vor überzogener Angst vor dem Corona-Virus. Die Ministerin verweist auf die aktuell viel größere Gefahr der sich ausbreitenden Grippe. Allein im vergangenen Winter endete diese für 27 Thüringer tödlich.

Thüringens Sozial-, Arbeits- und Familienministerin Heike Werner (Die Linke)
Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner warnt vor überzogener Corona-Angst. Bildrechte: dpa

Doch wer kann schon sagen wie groß die Gefahr durch 2019-nCoV wirklich ist? Noch weiß die Wissenschaft zu wenig, um die Lage verlässlich einschätzen zu können. Nicht ohne Grund würden Patienten mit Verdacht auf Corona-Virus laut Aussagen des Thüringer Gesundheitsministeriums in Isolierstationen behandelt werden. Bei Grippe-Patienten ist das normalerweise nicht der Fall, trotz potentiell höherer Ansteckungs- und Lebensgefahr.

Grippesymptome nach dem Asienurlaub - Was nun?

Ist die Sorge also doch berechtigt? Zumindest in den stark betroffenen Teilen Chinas ist die Ansteckungsgefahr real. Die Todesopfer sind echt. Auch Thüringen ist nur einige Reisestunden von China entfernt. Die Flüge gehen von den nahe gelegenen Flughäfen München, Berlin und Frankfurt in alle Welt. Die kürzeste Verbindung nach China führt wohl über den Leipziger Flughafen. Von hier dauert der Flug nach Shanghai etwa 13 Stunden. Und spätestens dann, wenn bei der Rückkehr aus dem lang geplanten Asienurlaub Grippesymptome auftreten, wird auch der gut informierte Thüringer ins Grübeln geraten.

Und damit ist ein wichtiger Punkt bereits angesprochen: Als potentiell gefährdet gelten laut Robert-Koch-Institut nur Personen, die sich innerhalb der letzten vierzehn Tage in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder Kontakt zu einer erkrankten Person hatten.

Wie gut sind Thüringer Arztpraxen informiert?

Hausarzt Sprechzimmer
Würde ein Arzt in Thüringen, eine Corona-Infektion überhaupt in Betracht ziehen? Bildrechte: imago/Westend61

Ein Arzt in einer Thüringer Arztpraxis müsste also zunächst einmal eine "Reise- und Kontaktanamnese" vornehmen, um einen Anfangsverdacht zu erhärten. Das würde allerdings voraussetzen, der behandelte Arzt würde eine Corona-Infektion überhaupt in Erwägung ziehen. Laut Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums ähneln die Symptome denen der Grippe. Die Gefahr, dass ein infizierter Patient unentdeckt bleibt und weitere Menschen infiziert, ist also theoretisch gegeben.

Wie gut die Thüringer Arztpraxen auf einen solchen Fall vorbereitet sind, lässt sich nicht sicher sagen. Zumindest mit den vier von der Redaktion angefragten Arztpraxen kam leider kein Gespräch zustande.

Bei einer Anfrage an die Kassenärztlichen Vereinigung am Montag wurde MDR THÜRINGEN mitgeteilt, dass aktuelle Informationen zur Krankheit noch diese Woche an alle Arztpraxen verschickt werden. Behandelte Ärzte hätten auch die Möglichkeit, sich über das Robert-Koch-Institut in Berlin zu informieren.

Was passiert bei einem Verdachtsfall?

Sollte ein Arzt den Verdacht auf eine Corona-Infektion diagnostizieren, muss dieser umgehend das zuständige Gesundheitsamt informieren. Für eine Arztpraxis in Ilmenau wäre dies zum Beispiel das Gesundheitsamt Ilmkreis. Ein Erfurter Arztpraxis wendet sich an das Erfurter Gesundheitsamt.

Ein Nachweis der Viren ist aber nur in Berlin möglich. Zu diesem Zweck schickt der Arzt eine Blutprobe an das Konsilliarbüro für Coronaviren in der Berliner Charité. Je nach Anzahl der eingesendeteten Proben kann das Ergebnis einige Tage auf sich warten lassen. Der potentielle Patient verbringt diese Zeit in einem Isolierzimmer im Krankenhaus.

Die Aufgabe der Gesundheitsämter ist es jetzt, Kontaktpersonen zu ermitteln. Diese werden nach Symptomen befragt und über einen längeren Zeitraum beobachtet. Die zuständigen Gesundheitsämter können auch einer häusliche Isolierung anordnen. Das heißt: Der Patient sollte zu Hause bleiben, bis eine Infektion ausgeschlossen oder bestätigt werden kann.

Was kann man tun, um sich zu schützen?

Besondere Schutzmaßnahmen sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht nötig. Das Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt die üblichen Hygieneregeln einzuhalten. Und das heißt Händewaschen und beim Niesen den Mund bedecken. Das schützt auch vor der Grippe. Reisen in die Regionen mit Erkrankungsfällen sollte man vermeiden. Ein Mundschutz bringt nur etwas, wenn der Erkrankte ihn trägt. Bei einigen Anbietern in Erfurt waren diese zeitweise ausverkauft.

Aufklärung Coronavirus - Bundesweite Hotline Tel.: 0800 84 84 111

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. Januar 2020 | 10:00 Uhr

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