Biber
Ein Biber (Archivbild). Bildrechte: Colourbox

Bilanz 2017 Thüringer Wilderer haben es auf Biber, Fischotter, Katzen und Vögel abgesehen

In Deutschland werden pro Jahr mehr als 1.000 Fälle von Wilderei erfasst. Für Thüringen wurden im vergangenen Jahr 83 Fälle verzeichnet. Besonders häufig wurden im Freistaat Biber, Fischotter, Katzen und Vögel getötet.

Biber
Ein Biber (Archivbild). Bildrechte: Colourbox

Die Zahlen wirken gering, doch das Leid dahinter ist beachtlich: In Deutschland werden pro Jahr mehr als 1.000 Fälle von Wilderei erfasst. Das geht aus einer Anfrage der Grünen an das Bundesumweltministerium hervor. Die Dunkelziffer ist hoch. Behördlich erfasst sind allein in Thüringen exakt 83 Fälle in der polizeilichen Kriminalstatistik des vergangenen Jahres, von der Polizei aufgeklärt wurden davon rund 60 Prozent. Laut der Landesforstverwaltung ThüringenForst hat oder hatte ein Großteil der überführten Wilderer einen Jagdschein. Besonders häufig wurden Biber, Fischotter, Katzen und Vögel getötet.

Für Aufsehen sorgten laut Naturschutzbund (NABU) zwei vergiftete Biber, die im Frühjahr dieses Jahres am Etzelbach im Kreis Saalfeld-Rudolstadt gefunden wurden. An den Tieren waren zusätzlich Schussverletzungen entdeckt worden.

Gezielte Vogeljagd

Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra)
Ein Fichtenkreuzschnabel (Archivbild). Bildrechte: dpa

Auch illegaler Vogelfang wird in Thüringen weiter praktiziert. Betroffen ist davon vor allem der Ilm-Kreis. Im Fokus stehen nach Angaben des dortigen Umweltamtes einheimische Singvögel. Vor allem auf Fichtenkreuzschnäbel hätten es die Wilderer abgesehen, wie Andreas Mehm vom Umweltamt des Ilm-Kreises MDR THÜRINGEN sagte. Die traditionelle Vogeljagd wird demnach noch immer im kleineren Rahmen betrieben. Oft dienen sogenannte Leimringe als Fallen. Auf Greifvögel wird gezielt geschossen. Viele der Vögel würden gefangen und weiterverkauft. In einem Fall seien 80 Vögel beschlagnahmt worden, sagt der Experte.

Hinweise auf geschossene Wölfe gibt es nach Angaben von Silvester Tamás, Sprecher der Landesarbeitsgruppe Luchs und Wolf im NABU Thüringen, bislang nicht. Acht Wölfe wurden deutschlandweit bis Mitte Oktober illegal getötet, davon je drei in Brandenburg und in Niedersachsen. Seit dem Jahr 2000 fielen insgesamt 35 Wölfe der Wilderei zum Opfer.

Bereits das Mitnehmen angefahrener Tiere oder abgeworfener Geweihe ist Wilderei

Laut Tamás muss unterschieden werden zwischen Wilderei und illegaler Jagd auf streng geschützte Arten wie Greifvögel, Wölfe und Luchse. Immer mehr Jäger seien unsicher, welche Tiere geschossen werden dürfen. Bei der Jagd fehle es an Fachwissen, ökologische Hintergründe seien häufig nicht bekannt, sagte der NABU-Sprecher. Zur Wilderei gehört laut Polizei auch das Mitnehmen angefahrener Tier nach einem Wildunfall. Wer ein Reh oder ein Wildschwein in den Kofferraum lädt und wegfährt, begeht nach Polizeiangaben Wilderei. Das tote Tier darf sich nur der Revierjäger aneignen. Anderenfalls ist der Grundstückseigentümer verpflichtet, den Kadaver zu beseitigen. Gleiches gilt für das Mitnehmen von abgeworfenen Geweihen, sagt Horst Sproßmann von der Landesforstverwaltung ThüringenForst.

Großteil gewilderter Tiere unterliegt dem Jagdrecht

Laut ThüringenForst unterliegt der Großteil der gewilderten Tiere dem Jagdrecht und steht nicht unter Artenschutz. Demnach werden sogar Tiere gewildert, die unter bestimmten Voraussetzungen gejagt werden dürften. Dazu gehört insbesondere Rotwild. Unter Artenschutz stehen beispielsweise der Wolf, der Luchs und die Wildkatze. Das Töten artengeschützter Tiere wird laut Strafgesetzbuch und Bundesjagdgesetz mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet. Jagdwilderei ist im §292 des Strafgesetzbuchs gesetzlich geregelt und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden. In besonders schweren Fällen drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Hinweise auf Wilderei + Schüsse in der Nacht
+ nachts langsam fahrende PKW im Wald ohne eingeschaltete Scheinwerfer
+ Tierkadaver ohne Haupt
+ komplette Tierkadaver, die oft schlecht geschossen wurden (Tier flüchtete nach dem Anschuss)
+ Tierkadaver in Schlingen

Wilderer seien nicht etwa wie in Heimatromanen arme Gesellen, die sich auf diese Weise hochwertiges und teures Wildfleisch beschaffen, so Horst Sproßmann von ThüringenForst. Vielmehr seien Wilderer heute technisch hochgerüstete Profis, die mit Schalldämpfern, Nachtsichtgeräten, Kleinkalibergewehren, Profi-Armbrüsten und hochfesten Drahtschlingenfallen illegal auf die Jagd gehen. Sie verwenden häufig geländegängige Fahrzeuge mit offenen Ladeflächen, um das Wild so schnell verladen zu können. Um schnell flüchten zu können, entscheiden sie sich oft für autobahnnahe Jagdreviere. ThüringenForst schätzt Wilderer für so gefährlich ein, dass er seine Mitarbeiter wegen bestehender Lebensgefahr eindringlich vor ihnen warnt.

Eine Wildkatze steht auf einem bemoosten Baumstamm
Wildkatzen stehen unter Artenschutz (Archivfoto). Bildrechte: IMAGO

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 10. Oktober 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2018, 19:32 Uhr

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7 Kommentare

03.11.2018 03:22 G. Schmitz an martin 7

Nicht nur Reichsbürger, werter Realist, auch Winnenden!

03.11.2018 02:59 G. Schmitz an Jägermeister 6

Wilderei ist illegal!

Egal wer schiesst, Soso.

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