Eine Windkraftanlage steht vor blauem himmel. Am Boden liegt ein Rotor einer zweiten Anlage.
Windkraftanlagen in der Natur: Anwohner in unmittelbarer Nähe zu einem Vorranggebiet konnten ihre Bedenken gegen neue Anlagen vorbringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erneuerbare Energien Starker Gegenwind für Windparks in Thüringen

In diesen Tagen endet die zweite Phase der Widerspruchsfrist gegen mögliche Windparkgebiete. In den Regionen häufen sich die Einsprüche. Das stellt die Planer vor Herausforderungen.

von Jana Hildebrandt

Eine Windkraftanlage steht vor blauem himmel. Am Boden liegt ein Rotor einer zweiten Anlage.
Windkraftanlagen in der Natur: Anwohner in unmittelbarer Nähe zu einem Vorranggebiet konnten ihre Bedenken gegen neue Anlagen vorbringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Planer von künftigen Windparkanlagen müssen in Thüringen weiter mit starkem Gegenwind rechnen. Gegenwärtig endet die Widerspruchsfrist gegen bevorzugte Windkraft-Flächen, den sogenannten Vorranggebieten. Wie ein Sprecher des Thüringer Landesverbandes "Energiewende mit Vernunft" MDR THÜRINGEN sagte, lohnt es sich, gut begründete Einsprüche einzulegen.

So habe sich die Fläche der geplanten Windparks in Thüringen durch den Widerstand der Bürgerinitiativen deutlich verringert. Als Beispiel nannte er Ostthüringen. Dort verringerte sich die Fläche für Vorranggebiete im zweiten Entwurf des Regionalplanes von 0,88 auf 0,44 Prozent, nachdem die 7.700 Stellungnahmen zum ersten Entwurf ausgewertet waren.

Wie sich die Einsprüche und Stellungnahmen zum mittlerweile zweiten Entwurf auswirken, ist noch unklar. Am Freitag endete in der Region die Frist, um sich dazu zu äußern. Nun beginnt laut dem Leiter der Planungsstelle Ostthüringen, Michael Sehrig, das große Zählen. Fünf Mitarbeiter sollen in den kommenden Wochen die zum Teil handschriftlich verfassten Einsprüche erfassen.

Südthüringen wird regelrecht überrannt

Am Mittwoch endet in Südthüringen die Frist, um zum ersten Entwurf des Regionalplanes Stellung zu nehmen. Viele Kommunen und Institutionen haben bereits um Aufschub gebeten, wie der Südwestthüringer Leiter in Suhl, Peter Möhrig, sagte. Er kündigte an, dass die Anträge auch nach dem 15. Mai bearbeitet werden. Laut Möhring wird die Planungsstelle derzeit regelrecht überrannt.

Schon jetzt registrierte das Landesverwaltungsamt zwischen Eisenach und Sonneberg rund 500 Stellungnahmen. Täglich kommen Hunderte weitere Briefumschläge an - meist mit Dutzenden Stellungnahmen. Insgesamt rechnet Möhring mit mehreren Tausend und jeder Menge Arbeit. Jedes einzelne Schreiben müsse bearbeitet werden und fließt in die Bewertung für den zweiten Entwurf des Regionalplanes ein.

Den meisten Widerstand gibt es in Waldgebieten

Besonders umstritten sind die ausgewiesenen Gebiete bei Schleusingen und Oberstadt im Landkreis Hildburghausen. Beide liegen im sogenannten Kleinen Thüringer Wald. Dort kämpft die Bürgerinitiative "Keine Windräder im Kleinen Thüringer Wald“ gegen mögliche Windparks.

Im Wald hätten Windräder "einfach mal nichts zu suchen", sagt BI-Sprecherin Denise Heimrich. Eine Online-Petition sei inzwischen von fast 2.800 Menschen unterschrieben worden. Die Unterschriften sollen demnächst im Landtag übergeben werden. Weitere Bürgerinitiativen gibt es unter anderem in Eisenach sowie in Föritz im Landkreis Sonneberg. Laut Möhring werden Monate vergehen, bis alle Stellungnahmen geprüft sind.

Danach wird es einen neuen Entwurf für den Regionalplan geben. Gut möglich, dass einige Flächen für die Windkraft gestrichen werden und andere dazukommen. Im aktuellen Entwurf sollen zehn neue Vorrangebiete für Windkraft ausgewiesen werden. Insgesamt ist eine Fläche von mehr als 1.400 Hektar betroffen. Derzeit gibt es in Südwestthüringen 14 Windkraft-Gebiete mit einer Größe von etwa 600 Hektar.

Mittelthüringen hat bereits eine rechtskräftigen Windenergie-Plan

Deutlich weiter bei den Regionalplänen ist Mittelthüringen. Dort gibt es bereits einen sogenannten sachlichen Teilplan "Windenergie Mittelthüringen“ mit zwölf statt ursprünglich 15 geplanten Vorranggebieten. Er ist seit knapp einem halben Jahr rechtskräftig und weist laut Infrastrukturministerium zwölf Vorranggebiete auf rund 2.500 Hektar aus.

Im Regionalplan verankert sind die Regionen bei Teutleben und Mechterstädt, Brüheim, Wangenheim bis Ballstädt, Döllstädt, Wundersleben/Straußfurt, Sprötau/Dielsdorf, Olbersleben/Ostramonda, Willerstedt/Zottelstedt, Eckolstädt, Schwerborn/Kerspleben, Gangloffsömmern und Göttern. Laut Infrastrukturministerium wird in Mittelthüringen damit 0,63 Prozent der Fläche für Windenergie genutzt.

Windkraftanlagen bei Buttstädt im Kreis Sömmerda.
Windkraftanlagen bei Buttstädt im Kreis Sömmerda. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

In Nordthüringen läuft es auf weiteren Entwurf hinaus

Auch in Nordthüringen zeichnet sich ein zweiter Entwurf für die Region ab. Laut Marion Vetter von der Regionalen Planungsgemeinschaft Nordthüringen sind mittlerweile die rund 1.600 Einsprüche und Stellungnahmen erfasst. Jetzt würden die darin enthaltenen 10.400 Einzelanregungen zum Thema Windenergie abgewogen.

Wann ein zweiter Entwurf öffentlich ausgelegt wird, ist den Angaben noch unklar. Bislang werden in der Region 1,2 Prozent der Regionsfläche angestrebt. Insgesamt sollen sechs neue Gebiete für Windkraftanlagen ausgewiesen werden. Das sieht der Entwurf des neuen Regionalplanes für die vier Kreise Eichsfeld, Nordhausen, Kyffhäuser und Unstrut-Hainich vor.

In Ostthüringen hat das große Zählen nach dem zweiten Entwurf begonnen

Am vergangenen Freitag endete die Frist in Ostthüringen. Dort sind derzeit fünf Mitarbeiter der Regionalen Planungsgemeinschaft damit beschäftigt, mehrere Tausend Einsprüche auszuzählen und zu erfassen. Das könne bis zu zwei Wochen dauern, sagte der Leiter Michael Sehrig. Beim ersten Entwurf sei es ein halbes Jahr gewesen, bis alles in der Datenbank erfasst war.

Laut Sehrig beziehen sich schätzungsweise 90 Prozent der Einsprüche auf den zweiten Entwurf der geplanten Vorranggebiete für Windenergie. Zugenommen habe dabei die Anzahl der Investoren, die nach dem ersten Entwurf bereits investiert haben und nun im neuen Entwurf weggefallen sind, weil die Behörde sich wegen wichtiger Belange gegen ein Vorranggebiet entschieden hat. Insgesamt sollen in Ostthüringen 22 Windvorranggebiete auf rund 1.900 Hektar entstehen.

Laut dem Landesverband "Energiewende mit Vernunft" gibt es thüringenweit etwa 50 Bürgerinitiativen, die gegen den weiteren Windkraftausbau mobil machen. Am aktivsten sind laut Landesverband die Regionen, in denen es viele Waldgebiete gibt. Sie befürchten unter anderem eine schlechtere Lebensqualität.

Die Landesregierung will auf etwa einem Prozent der Landesfläche Windkraftanlagen aufstellen. Im vergangenen Jahr waren rund 0,3 Prozent der Landesfläche belegt. Der Anteil von Windkraft lag zuletzt bei rund einem Viertel der Gesamtstromerzeugung im Freistaat.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 14. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2019, 12:27 Uhr

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33 Kommentare

16.05.2019 21:14 martin 33

@MDR - Anmerkung zu #32: Besten Dank für die Zahlen. Die kannte ich noch nicht.

16.05.2019 17:08 martin 32

@27 nachdenker: Ob Ihr behaupteter Fakt einer ist? Nicht immer haben die lautesten Rufer auch eine Mehrheit hinter sich ....

MDR THÜRINGEN:
Hallo martin und Mitleser, zum vielzitierten "Insektenschlag" durch Windräder gibt es eine Schätzung des Nabu, wonach Windrädern jährlich 1.200 Tonnen Insekten zum Opfer fallen. Die Vögel in den Wäldern fräßen jährlich 400.000 Tonnen. Damit läge der Windkraftanteil bei 0,3%.

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