Windräder und Strommast
Windräder und Strommast Bildrechte: IMAGO

Forsa-Umfrage Drei von vier Thüringern befürworten Windkraft

Bürgerinitiativen gegen Windkraft sind in Thüringen oft besonders laut. Das allgemeine Stimmungsbild ist offenbar aber ein anderes: Die Akzeptanz für Windenergie ist laut einer Studie hierzulande nämlich recht hoch.

Windräder und Strommast
Windräder und Strommast Bildrechte: IMAGO

Drei von vier Thüringern unterstützen die Energiegewinnung mit Hilfe von Wind. Das ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Energieversorgungsunternehmens EnBW Energie Baden-Württemberg. Demnach gaben 73 Prozent der Befragten an, der Nutzung und dem Ausbau von Windenergie grundsätzlich positiv gegenüberzustehen. Laut der Umfrage stimmten der Aussage gleichermaßen Bewohner aus der Stadt und dem Land zu, wobei die Akzeptanz für Windkraft bei Bewohnern von kreisfreien Städten noch höher ist.

Besonders Frauen und Jüngere für Windkraft

In der Umfrage befürworteten besonders Frauen und jüngere Befragte unter 45 Jahren die Windkraft. Die Zustimmung bei Menschen, die in der Nähe von Windkraftanlagen wohnten, liege mit 68 Prozent nur knapp unter dem Gesamtergebnis. Allerdings vermuteten 59 Prozent der Bürger durch den Bau zusätzlicher Windkraftanlagen eher Nachteile für die Menschen in der Region. Gründe für die allgemeine Akzeptanz seien einerseits vor allem, dass Windkraftanlagen nicht störten, und andererseits, dass sie eine zwingende Konsequenz aus dem Atomausstieg seien.

In Thüringen gibt es gegen Windparks immer wieder Proteste von Gemeinden oder Bürgerinitiativen. Der Energieversorger EnBW plant nach eigenen Angaben Windparks in Thüringen, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Er fühlt sich durch die Umfrage in seinem Engagement bestätigt, wie es heißt. EnBW nehme zwar auch in Thüringen wahr, dass der Bau von Windparks teilweise kontrovers diskutiert werde. "Umso mehr freuen wir uns, dass die Akzeptanz von Windkraft in Thüringen nachweislich hoch ist. Wir fühlen uns bestätigt, hier weitere Windkraftanlagen zu bauen", sagte Alexandra Weber, die Leiterin der EnBW-Niederlassung in Erfurt.

CDU kritisiert Studie

Stefan Gruhner von der CDU beim Nachdenken
Stefan Gruhner Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Die CDU-Fraktion im Landtag bemängelte Teile der Studie. Der energiepolitische Sprecher, Stefan Gruhner, sagte, "die Frage nach Windrädern im Wald wird leider gar nicht gestellt". Das sei eine inhaltliche Schwäche der Studie, die keine Grundlage für energiepolitische Entscheidungen im Freistaat sein könne. Zudem sei nicht die Frage, ob die Thüringer Windenergie wollen, sondern wie und in welchem Ausmaß. Die Thüringer Union hatte sich zuletzt oft an die Seite von örtlichen Anti-Windkraftinitiativen gestellt.

Die Links-Fraktion im Thüringer Landtag sieht dagegen die rot-rot-grüne Energiepolitik durch die Studie bestätigt. Steffen Harzer, energiepolitischer Sprecher, sagte: "Das zeigt, dass die Stimmungsmache der CDU und ihrer Energiepolitiker gemeinsam mit dem Landesverband der Bürgerinitiativen gegen die Windkraft in Thüringen an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbeigeht." Langfristig führe kein Weg an einer hundertprozentigen Erneuerbaren-Energien-Zukunft auch in Thüringen vorbei.

Ähnlich sehen es die Grünen. Der energiepolitische Fraktionssprecher, Roberto Kobelt, sagte, "besonders erfreulich ist, dass auch die Menschen, die in der Umgebung von Windkraftanlagen wohnen, zu großen Teilen Windkraft befürworten". Der CDU warf er "unbegründete Panikmache" vor. Für ein Gelingen der Energiewende sei die breite Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung eine wichtige Voraussetzung, so Kobelt.

Bei der repräsentativen Umfrage "Stimmungsbild Windkraft in Thüringen" wurden 1.051 Thüringer ab 18 Jahren befragt, wie es in der Studie heißt. Davon hätten 360 in der Nähe einer Windkraftanlage gewohnt. Die Studie kann hier abgerufen werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN / epd

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. Juni 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2018, 20:56 Uhr

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40 Kommentare

15.06.2018 16:04 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 40

Sicherlich wollen auch Dorfmenschen mal die Städte besuchen.
Gar kein Problem: nur der olle Diesel-Trecker muß dann auf einem 'Park and Ride'-Parkplatz vor der Stadt abgestellt werden und in die öffentlichen Verkehrsmittel gewechselt werden, da 'wir Städter' nun mal 'die Nase voll haben' von giftigen Abgasen...

Ohne gewisse Flexibilität geht uns bald die Luft aus...

15.06.2018 15:39 martin 39

@32 dorfmensch: Mit ihrer Kritik, dass das städtische Leben auch gern mal zu Lasten des ländlichen geht, gebe ich Ihnen durchaus recht.

Wenn bspw. Erfurt immer mehr Einwohner bekommt und dadurch mehr Wasser verbraucht, die Trinkwasserzone deshalb erweitert wird und die Menschen in der Erweiterung dann plötzlich erhöhte Auflagen (erhöhte Kosten) aufgebrummt bekommen.

Allerdings halte ich dieses Argument bezogen auf die Windkraft für nicht sonderlich zutreffend.

Die Biogasanlagen, für die hektarweise mit vielen Litern Diesel extra angebaut wird, sehe ich auch skeptisch. Allerdings kann man das auch den Städtern nicht anlasten - das sind schon unsere LPG-Nachfolger selbst, die so etwas gern machen, weil sie sich durch die Zuschüsse einen besseren Gewinn versprechen.

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