Am Bedarf vorbei geplant Studie: Zu wenig Wohnungen in Erfurt, Gera und Eisenach gebaut

Entweder zu viel oder zu wenig: In etlichen Städten Thüringens wird laut einer Studie am Bedarf vorbei gebaut. Wohnungen fehlen demnach in Erfurt, Gera und Eisenach, während in Jena und Suhl, im Kyffhäuser- sowie im Unstrut-Hainich-Kreis ein Überangebot besteht.

In vielen Thüringer Städten und Kreisen wird seit Jahren am Bedarf vorbei gebaut. Das hat eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IDW) in Köln ergeben. In Erfurt, Weimar, Gera und Eisenach sind demnach viel weniger Wohnungen entstanden, als künftig gebraucht werden. In den Jahren 2016 bis 2018 wurden dort nicht einmal die Hälfte der bis 2020 benötigten Wohnungen gebaut. Das gilt laut der Studie auch für den Landkreis Gotha und den Saale-Holzland-Kreis.

Eine besonders großes Missverhältnis besteht der Studie zufolge auch in Eisenach, wo 79 neuen Wohnungen ein Bedarf von 291 gegenübersteht. Auch in Gera, wo derzeit über den Rückkauf von Wohnungen durch das Land verhandelt wird, passt das Angebot nicht zum Bedarf: 143 Wohnungen wurden fertiggestellt, nötig sind jedoch 369 Wohnungen.

Mehr Wohnungen als nötig in Suhl, Wartburg- und Kyffhäuserkreis

An einer Baustelle steht ein Verkehrsschild
Besonders groß ist das Überangebot an neu gebauten Wohungen im Kyffhäuser- und Unstrut-Hainich-Kreis. Bildrechte: dpa

In neun Thüringer Regionen ist die Lage eine andere. Ein Beispiel ist Jena - doch obwohl dort 100 Wohnungen mehr gebaut wurden, als laut Studie benötigt würden, bleiben die Mieten in der Universitätsstadt die höchsten in Thüringen. Etwa 20 Prozent über dem ermittelten Bedarf liegen auch die Stadt Suhl, der Wartburgkreis sowie der Kreis Sonneberg und das Altenburger Land. Besonders groß ist das Überangebot im Kyffhäuser- und Unstrut-Hainich-Kreis. Fast eine Punktlandung gab es in den Kreisen Schmalkalden-Meiningen, Hildburghausen, Geiz, dem Eichsfeld und Sömmerda. Dort stimmen Nachfrage und Angebot laut der Studie nahezu überein.

Obwohl es auf dem Land viel Leerstand gibt, entstehen relativ viele Neubauten, die bevorzugt werden, obwohl Umbauten im Altbestand vielerorts sinnvoller sind.

Ralph Henger, Studienautor

Der Grundsatz "Umbau vor Neubau" sollte stärker beachtet werden, wie der Studienautor und Volkswirt Ralph Henger mahnt. Wegen Neubaugebieten vor den Türen von Kleinstädten verlieren ihm zufolge die Stadt- und Dorfzentren an Bedeutung.

Die Wissenschaftler haben die demografische Entwicklung, aber auch Ersatz für nicht vermietbare oder abgerissene Wohnungen sowie zusätzlichen Wohnraum als Bedarf erfasst. Die Studie befasst sich mit der Entwicklung in den deutschen Großstädten, nimmt aber auch die Entwicklung in allen kreisfreien Städten und den Kreisen unter die Lupe. Nach dem aktuellen Wohnungsmarktbericht der Thüringer Landesregierung werden perspektivisch etwa 40.000 zusätzliche Wohnungen in Thüringen gebraucht.

Quellen: dpa, MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Juli 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 19:00 Uhr

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18 Kommentare

23.07.2019 04:25 part 18

Damals vor 1990 wurden mit Zurückstellung von anderen dringlichen gesellschaftspolitischen Aufgaben Wohnquartiere für den realen Bedarf geschaffen, nach 1990 öffentlich gefördert wieder abgerissen obwohl eine fiskalische Ruhigstellungund politisch gefördert, eine Alternative bedeutet hätte. Fast ein Viertel des Neubauwohnungsbestandes der DDR wurde vernichtet um den Marktbedingungen genüge zu tun und dies auch noch aus Steuergeldern. Heute werden wieder Steuergelder verwendet um den geringen Bestand an Sozialwohnungen geringfügig zu erhöhen. Heinrich Heine hate recht in seinen Metaffern...

23.07.2019 00:13 @vom Dorf 17

Im Artikel steht das die Innenstadt leer steht und alle an den Rand ins Neubaugebiet möchten. Hier in der Grenzregion liegt es daran. Früher abgehauen, dann zurück gefordert und nun verfallen lassen. Sieht bei uns ganz schlimm aus. Kann ich verstehen das da keiner nebenan wohnen möchte und die Stadt hat kein Geld um die Ruinen abzureißen. Noch viel weniger eine kleine Familie. Denn das kann sich heutzutage keiner beim Neubau im Vorfeld leisten.

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