Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Wolf


Wie viele Wölfe gibt es in Thüringen?

Das ist unklar. Thüringen ist für Wölfe eher ein "Transitland". 2018 wurden immer wieder angebliche Wölfe in Thüringen gesichtet. So wurde ein Wolf im Bayerischen Wald als der Räuber nachgewiesen, der nahe Dannheim im Ilmkreis im April 2018 ein Mufflon gerissen hatte. Vermutlich ist dieser Rüde auf der Suche nach einem neuen Revier gewesen. Bisher steht ein Thüringer Wolfsrevier nur in einem Fall fest: Seit 2014 ist eine Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf im Landkreis Gotha nachgewiesen. Sie paarte sich offenbar mit einem Labrador und brachte sechs Mischlinge zu Welt. Ende 2018 wurde ein Wolf bei Bad Klosterlausnitz auf der Autobahn A9 überfahren. Im April 2019 wurde bei Ohrdruf der mittlerweile vierte Hybride seitens der Naturschutzbehörde geschossen. In Deutschland breiten sich die Wölfe wieder seit dem Jahr 2000 aus. Die großen Wolfspopulationen mit etlichen Rudeln finden sich in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.


Wovon ernähren sich die Wölfe hier?

Wie die meisten Raubtiere auch geht der Wolf den Weg des geringsten Widerstandes. Das heißt: Schafe und Ziegen auf Weiden sind eine ideale Beute, weil sie als Nutztiere nur über einen geringen Fluchtinstinkt verfügen. So fielen im Landkreis Gotha der Ohrdrufer Wölfin und ihren Hybriden dutzende Nutztiere zum Opfer.

Darüber hinaus fressen Wölfe alles, was sie in der freien Wildbahn leicht erlegen können: also Rehkitze oder Hirschkälber, aber auch Hasen oder Kaninchen. Grundsätzlichen passen auch Wildschweine ins Beuteschema von Wölfen. Da diese aber in der Regel in Rotten unterwegs sind und mit ihren Zähnen über gefährliche Waffen verfügen, wird eine einzelne Wölfin vermutlich keine Wildschweine angreifen.


Wie jagen Wölfe?

Da Wölfe normalerweise in Rudeln leben, jagen sie auch im Verband. Sie kreisen ihre Beute ein und erlegen dann beispielsweise aus einem Rudel Rehe die schwächsten Tiere. Dabei sieht es so aus, als gerieten Wölfe in einen "Blutrausch". Sie erlegen so viel Beute, wie sie bekommen können. Fressen können Wölfe etwa vier Kilo Fleisch pro Tag. Die restliche Beute verwerten sie in den Folgetagen als Aas.

Bei Angriffen auf Nutztiere findet dieses natürliche Jagdverhalten unter unnatürlichen Bedingungen statt. Der Zoologe Axel Gomille beschreibt es so: Wölfe müssen in der freien Wildbahn jede Chance zur Jagd ergreifen, da unklar ist, wann sie das nächste Mal die Gelegenheit zur Jagd haben. Eingepferchte Schafe sind beispielsweise eine leichte Beute - sie können nicht wegrennen und ihnen fehlt oft auch der natürliche Fluchtreflex. Das führt dazu, dass es wie ein Blutbad aussieht.


Wie können Schäfer ihre Herden schützen?

Zäune helfen nur bedingt. Der Wolf wächst mit seinen Aufgaben, oder anders gesagt: je mehr Hunger der Wolf hat, desto mehr Aufwand betreibt er, um an Beute zu kommen. Wenn eine Wölfin Nachwuchs ernähren muss, überspringt sie problemlos einen der üblicherweise 1,10 Meter hohen Schutzzäune. Auch höhere Zäune schützen Nutztiere nicht wirklich. Selbst wenn sie eingegraben werden, kann der Wolf sich darunter durchwühlen.

Spezielle Hüte- und Herdenschutzhunde wären eine mögliche Lösung. Diese ist aber aufwändig und dürfte erst mittelfristig wirken. In Norddeutschland kommen außerdem seit einiger Zeit Esel als Herdenschutz zum Einsatz. Es wird erprobt, ob die wehrhaften Tiere Wölfe tatsächlich angreifen und vertreiben können. Gegen einzelne Wölfe sollen sich Esel durchsetzen können. Doch es ist fraglich, ob sie mehreren Tieren standhalten können.


Was ist mit den Wolfsmischlingen von Ohrdruf passiert?

Die im Landkreis Gotha lebende Wölfin paarte sich offenbar mit einem Labrador und brachte sechs Mischlinge zu Welt. Im Falle der Ohrdrufer Wolfshybriden empfahl das bundeseigene Dokumentations- und Beratungszentrum zum Wolf (DBBW), die Tiere zu töten. Aber auch das Einfangen ist eine Möglichkeit.

Nach Protesten plante das Thüringer Umweltministerium, die Wolfsmischlinge zu fangen und in den Bärenpark Worbis überzusiedeln, bevor sie selbst geschlechtsreif werden und sich ein neues Revier suchen. Das aber misslang. Deshalb gab es später eine Abschussgenehmigung für die Jungtiere. Dabei wurden drei Wolfshybriden erlegt. Ein viertes in der Nähe von Gotha entdecktes totes Tier stellte sich später als Hund heraus. Fotofallen zeigten zuletzt nur noch das Muttertier mit einem Jungtier. Dieses männliche Tier wurde im Frühjahr 2019 erschossen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass er sich vorher mit seiner Mutter gepaart hat und diese neuerlich Hypriden zur Welt gebracht hat. Seit Ende April 2019 sucht das Umweltministerium verstärkt mit zusätzlichen Überwachungskameras nach der Wurfhöhle. Von zwei Nachkommen des ersten hybriden Wurfes fehlt noch immer jede Spur. Ob sie abgewandert sind, ist aber unklar. Es wird weiterhin versucht, die Tiere lebend einzufangen, um sie anschließend in den Bärenpark nach Worbis zu bringen.


Was ist das Problem bei Wolfsmischlingen?

Wölfe sind streng geschützt. Dass sie sich mit Hunden paaren, ist eher selten. Passiert es doch, befürchten Experten eine Gefahr für die Wolfspopulation, da der Genpool der Wölfe durchmischt wird. Aus Artenschutzgründen sollen sie deshalb aus der Natur verschwinden. Ob Hybriden für den Mensch gefährlich sind, ist ungewiss. Das Problem bei Hybriden ist, dass sie sowohl Raub- als auch Haustiere sind. Sie haben also wenig Scheu vor dem Menschen und gleichzeitig einen starken Jagd- und Beutetrieb.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. April 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2019, 13:44 Uhr

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