Ein Wolf
Ein Wolf streunt durch einen Wald. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Umweltministerium Noch 2018: Ganz Thüringen soll Wolfsgebiet werden

In der Vergangenheit wurden immer mehr Wölfe in Thüringen gesichtet. Deshalb will das Umweltministerium noch in diesem Jahr das Wolfsgebiet auf den ganzen Freistaat ausweiten lassen.

Ein Wolf
Ein Wolf streunt durch einen Wald. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Thüringer Umweltministerium will noch in diesem Jahr das Wolfsgebiet auf den gesamten Freistaat ausweiten. Das sagte ein Sprecher des Ministeriums MDR THÜRINGEN. Man stehe mit Schäferinnen und Schäfern in engem Kontakt. Bisher ist lediglich die Region um Ohrdruf als Wolfsgebiet deklariert.

Beim Naturschutzbund (NABU) Thüringen reagiert man erfreut auf die Pläne. Man müsse auch in anderen Regionen mit dem Auftreten und Sesshaftwerden von Wölfen rechnen, sagte NABU-Wolfsexperte Silvester Tamás MDR THÜRINGEN. Schließlich sei Thüringen umgeben von Bundesländern mit Wolfsvorkommen, wie etwa Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Bayern. "Wir müssen an der Peripherie vorbereitet sein, das bisher ausgewiesene Wolfsgebiet greift nicht weit genug", so Tamás. Jüngste Ereignisse geben ihm recht: Bereits im April dieses Jahres war bei Breitenhain im Saale-Orla-Kreis ein Wolf gesichtet worden und erst kürzlich ein weiteres Tier bei Schmalkalden. Für die Thüringer Schafzüchter ist das Ausweiten des Wolfsgebietes überfällig. Sie beklagen aber hohe bürokratische Hürden, sowohl bei Präventionszahlungen als auch bei Entschädigungen.

Wolf habe Narrenfreiheit

Dabei soll das Ausweiten des Wolfsgebietes vor allem den Viehzüchtern helfen. Das Land bietet innerhalb des gesetzlich definierten Raumes finanzielle Hilfe an, etwa für Schutzzäune und das Anschaffen von Herdenschutzhunden. Zudem werden Entschädigungen gezahlt, wenn Wölfe zugeschlagen und Tiere gerissen haben. Laut NABU kann man solchen Angriffen relativ leicht vorbeugen. Das Beispiel Ohrdruf zeige, dass Schutzmaßnahmen schnell greifen, so Silvester Tamás. Auch benachbarte Bundesländer haben seiner Aussage nach diese Erfahrung gemacht. Da reiche meist der Mindestschutz, also ordentliche Zäune.

Die Schafzüchter sehen das etwas anders. Jens-Uwe Otto vom Landesverband Thüringer Schafzüchter beklagt, dass dem Wolf Narrenfreiheit eingeräumt werde. Es gebe niemanden der ihn einschränkt. "Es geht da nicht allein um die Zahlen getöteter Tiere. In einer Herde verändert sich das ganze Gefüge, wenn so etwas passiert", so Otto. Er selbst wisse von Züchtern in Nachbar-Bundesländern, die mittlerweile aufgegeben haben, weil ihre Herden immer wieder von den Tieren angegriffen wurden.

Laut Experten ist es nur eine Frage der Zeit, dass sich durchwandernde Wölfe auch in der Nähe Thüringer Landesgrenzen an Schafherden "vergreifen". Der Freistaat muss damit rechnen, dass sich weitere Rudel ansiedeln und Tiere auch in der Nähe von Siedlungen gesichtet werden. Große finanzielle Belastungen für die Landeskasse drohen mit dem Ausweiten des Wolfsgebietes offenbar nicht. Die bisherigen Entschädigungen bewegen sich in den Jahren 2017 und 2018 deutlich unter der 10.000-Euro-Grenze. Das Gleiche gilt für die Präventionszahlungen.

Den Naturschützern ist aber vor allem wichtig, dass der Wolf nicht als Bedrohung gesehen wird. "Der Wolf ist nichts Schlimmes", betont Silvester Tamás. Es sei aber wichtig, dass überall in Thüringen Präventionsleistungen gezahlt werden. "Wir müssen einen Rechtsstatus erreichen, der alle gleich behandelt." Vor allem aber ist aus Sicht des NABU die Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Die ist neben den Themen Prävention/Entschädigung und Monitoring/Beobachtung die dritte wichtige Säule des Thüringer Managementplans Wolf. Der wird zurzeit überarbeitet und angepasst.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

brennende Scheune. Feuerwehr im Vordergrund löscht.
Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Im Erfurter Ortsteil Kerspleben ist in der Nacht zu Dienstag eine Scheune komplett niedergebrannt. Wie ein Polizeisprecher sagte, waren in dem Gebäude landwirtschaftliche Maschinen abgestellt.

Di 25.09.2018 10:45Uhr 00:32 min

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/erfurt/video-234102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 28. Juni 2018 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2018, 19:08 Uhr

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28 Kommentare

30.06.2018 13:20 martin 28

@27 part: Wo gehen Sie denn spazieren? Viele Kläffer in Wald und Flur sind eben OHNE Leine unterwegs. Die wollen ja nur spielen. Das Problem mit diesen Tieren ist in der Regel nicht der Hund, sondern am anderen Ende der zu selten genutzten Leine.

29.06.2018 00:42 part 27

Der Wolf ist längst zu bequem geworden, die natürliche Auslese unter den Wildtieren zu vollziehen. Trucker die ihre Essensreste am Wegesrand entsorgen, Schäfer die sich keine Esel oder Lamas in ihren Herden halten oder Hunde- und Katzenfutter frei zugänglich sorgen doch für beste Bedingungen. Der arme Hase hat dabei immer weniger Chanchen, ebenfalls die plattgefahren Igel werden immer weniger. Bleibt dann nur zu erforschen wie sich Waschbär und Wolf miteinander verstehen, obwohl der Erstgenannte nicht hierher gehört. Viel mehr stören die vielen unzähligen Kläffer in der freien Natur mit ihrem Gegenpart an der Leine, denen der Wolf stets ausweicht.

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Di 25.09.2018 10:45Uhr 00:32 min

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