Leserin beim lesen der Thüringer Allgemeine.
Eine Frau beim Lesen der "Thüringer Allgemeine". Bildrechte: dpa

Mediendebatte Funke relativiert: Ende der gedruckten Zeitungen steht nicht zur Debatte

Die Funke-Mediengruppe versichert, dass ein Ende des Drucks von Thüringer Allgemeine, Ostthüringer Zeitung und Thüringischer Landeszeitung nicht zur Debatte steht. Aussagen des Unternehmens dazu hatten zuvor eine heftige Diskussion ausgelöst.

Leserin beim lesen der Thüringer Allgemeine.
Eine Frau beim Lesen der "Thüringer Allgemeine". Bildrechte: dpa

Die Funke-Mediengruppe hat Aussagen zu einem möglichen Ende der Papierausgaben ihrer Thüringer Zeitungen zugunsten digitaler Angebote korrigiert. Pressesprecher Tobias Korenke sagte am Freitag in einem Interview mit MDR AKTUELL: "Wir werden hier nicht die gedruckten Tageszeitungen dichtmachen - das steht gar nicht zur Debatte." Funke gibt in Thüringen die Thüringer Allgemeine, die Ostthüringer Zeitung und die Thüringische Landeszeitung heraus.

Korenke fügte bei MDR AKTUELL hinzu, das Unternehmen prüfe Szenarien, die digitalen Aktivitäten zu verstärken. Hintergrund seien die Schwierigkeiten, die das Unternehmen bei der Zustellung der Papierzeitung vor allem im ländlichen Raum habe. Durch den Mindestlohn sei die Zustellung "wahnsinnig teuer" geworden. Außerdem sei es immer schwerer, Zusteller zu finden.

Andere Aussagen gegenüber MDR THÜRINGEN und epd

Die Aussagen Korenkes bei MDR AKTUELL stehen im Widerspruch zu seinen Aussagen bei MDR THÜRINGEN. Ein MDR THÜRINGEN-Reporter hatte am Donnerstag mehrfach mit Korenke telefoniert. Dabei sagte der Unternehmenssprecher unter anderem, Funke prüfe die Einstellung des Drucks der Thüringer Tageszeitungen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Wenn sich das Unternehmen dafür entscheide, würden Print- und Digital-Ausgaben eine bestimmte Zeit lang noch nebeneinander angeboten. Vor allem in ländlichen Gebieten mit einer schlechten Internetanbindung werde das nötig sein. Korenke machte aber auch klar, dass es ein solches Parallelangebot von Print und Digital nicht für mehrere Jahre geben werde.

Diese Darstellung hat Funke-Sprecher-Korenke am Freitag gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Erfurt wiederholt. In dem epd-Bericht wird auf den Onlinebeitrag bei MDR THÜRINGEN Bezug genommen. Zitat: "Dort hieß es dann, die Funke-Mediengruppe prüfe einen Umstieg auf ausschließlich digitale Zeitungen. Dieses Vorhaben bestätigte Funke-Sprecher Tobias Korenke dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Erfurt. Wie lange diese Prüfung andauern werde, sei noch offen."

Von MDR AKTUELL darauf angesprochen, wie es zu der unterschiedlichen Darstellung kommen konnte, sagte Tobias Korenke:

Ich glaube, ich bin da falsch verstanden worden.

Tobias Korenke, Sprecher der Funke-Mediengruppe MDR AKTUELL

Kritik an Überlegungen über Parteigrenzen hinweg

Zuvor war ein mögliches Ende der gedruckten Zeitungen der Mediengruppe in Thüringen parteiübergreifend auf Kritik gestoßen. Umweltministerin Anja Siegesmund von den Grünen wandte sich in einem offenen Brief an Ove Saffe, den für das Zeitungsgeschäft verantwortlichen Geschäftsführer der Funke-Mediengruppe. Siegesmund schreibt, alle, gerade jedoch ältere Leserinnen und Leser, bräuchten einen niedrigschwelligen Zugang zu vielfältigen tagesaktuellen und qualitativ hochwertig aufbereiteten Informationen. Das gehöre unabdingbar zu den Grundlagen der Informationsbeschaffung und daraus folgenden politischen Willensbildung dazu, ohne die eine Demokratie nicht funktionieren könne.

Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag äußerte sich ähnlich. Der medienpolitische Sprecher Gerold Wucherpfennig erklärte, in vielen Teilen Thüringens bestünden derzeit nicht die technischen Voraussetzungen für eine Umstellung auf rein digitale Vertriebswege. Ein solcher Schritt würde den ländlichen Raum von politischer Information und demokratischer Teilhabe abkoppeln. Der medienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Werner Pidde, erklärte: "Werden die Printausgaben unserer Tageszeitungen eingestellt, verlieren wir mediale Vielfalt und bekommen weniger differenzierte Informationen. Die Strukturen in Thüringen sind anders. Wir können von der älteren Bevölkerung nicht erwarten, dass sie ihre Tageszeitung in digitaler Form liest."

Für die AfD-Landtagsfraktion äußerte sich deren Vorsitzender Björn Höcke: "Sollte die Mediengruppe Thüringen tatsächlich den Vertrieb gedruckter Zeitungen aufgeben und künftig nur noch auf ein digitales Angebot setzen, gäbe sie allein aus gnadenloser Profitmaximierung ein elementares Stück demokratischer Kultur auf. Dabei sind die Abonnentenzahlen in Thüringen vergleichsweise stabil geblieben."

Unter dem Beitrag auf mdr-thueringen.de haben sich außerdem zahlreiche Nutzer zu Wort gemeldet. Viele von ihnen schrieben, sie seien Leser einer der Zeitungen und wollten diese auch in Zukunft als Papierprodukt beziehen. Nur eine Minderheit äußerte sich offen zu allein digitalen Angeboten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2019, 19:57 Uhr

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26 Kommentare

10.02.2019 15:50 martin 26

@25 fakt: Ob Verschwörungstheorie oder alternative Wahrheiten - das Angebot ist halt reichlich.

Und weshalb sollten sich alle Menschen bei seriösen Journalismus gegen Geld bedienen, wenn sie ihre Meinung auch für lau bestätigt bekommen?

10.02.2019 12:10 Fakt 25

>>REXt, #23:
"...vielleicht durchschauen , wie sie medial nur so informiert werden, wie es sein soll u. nicht wie es ist."<<

Und, noch weitere Verschwörungstheorien im Angebot?

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