Medien Thüringer Zeitungslandschaft vor Umbruch

Die Funke-Mediengruppe prüft einen Umstieg auf ausschließlich digitale Zeitungen. Betroffen davon sind auch die drei zur Funke-Gruppe gehörenden Tageszeitungen Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung. Der Sprecher des Verlages, Tobias Korenke, sagte MDR THÜRINGEN am Donnerstag, die Entscheidung sei noch nicht gefallen. Wenn sich das Unternehmen dafür entscheide, würden Print- und Digital-Ausgaben eine bestimmte Zeit lang noch nebeneinander angeboten. Vor allem in ländlichen Gebieten mit einer schlechten Internetanbindung werde das nötig sein. Korenke machte aber auch klar, dass es ein solches Parallelangebot von Print und Digital nicht für mehrere Jahre geben werde.

Für die Thüringer Titel werden Szenarien erarbeitet, wie eine Versorgung der Leserinnen und Leser in ländlichen Gebieten mit digitalen Angeboten gewährleistet werden kann.

Pressemitteilung der Funke-Mediengruppe vom 7. Februar 2019 funkemedien.de

Steigende Zustellkosten

Zeitungstitel der Funke Mediengruppe in Thüringen: Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung
Die Funke Medien-Gruppe gibt in Thüringen derzeit drei Tageszeitungen heraus. Bildrechte: MDR

Wenn die Entscheidung gefällt wird, soll der Umstieg so schnell wie möglich stattfinden. Ziel sei eine konsequente Ausrichtung auf digitale Produkte bei gleichzeitiger Stabilisierung der Printtitel, teilte der Verlag in einer Presseerklärung mit. Hintergrund ist, dass die Zeitungsverlage in Deutschland mit sinkenden Abonnentenzahlen kämpfen. Die Leser beschaffen sich ihre Informationen zunehmend über PC's, Tablet-Computer oder Smartphones. Von dieser Entwicklung ist auch die Funke-Gruppe nicht verschont geblieben. Nach Angaben des Verlags sind zwar im Freistaat die Abonnentenzahlen nicht so stark gesunken wie bei den anderen Zeitungen des Verlags. In Thüringen kämpft die Funke-Gruppe aber dazu noch mit steigenden Kosten bei der Zeitungszustellung. Insbesondere die Lohnkosten seien gestiegen. "Diese höheren Kosten fressen fast unser gesamtes Ergebnis in Thüringen auf", so Sprecher Korenke. Seinen Angaben nach sind Zusteller auch kaum noch zu finden. In Frage kommende Mitarbeiter seien bereits von den Logistik-Unternehmen im Freistaat eingestellt worden.

Der Verlag erwartet, dass ein Umstieg auf digitale Zeitungen mit Schwierigkeiten verbunden sein wird - auch weil möglicherweise ältere Leser den Wechsel nicht bewältigen. "Manche Leute sind es seit 50 Jahren gewohnt, dass sie ihre Zeitung morgens zum Frühstück haben", so Korenke. Die Funke-Mediengruppe denkt auch darüber nach, die Leser mit Lockangeboten zu überzeugen. Ob ein Umstieg auf die Digitalangebote mit einem Personalabbau bei den drei Thüringer Zeitungen verbunden ist, ließ Korenke offen. Darüber könne man noch keine Prognose abgeben.

DJV befürchtet Personalabbau bei Zeitungen

Ralf Leifer, Geschäftsführer des Deutschen Journalistenverbandes in Thüringen, macht sich allerdings Sorgen. "Welche Konsequenzen das konkret haben wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Aber eins darf man annehmen: dass hier in Thüringen Personal abgebaut wird", so Leifer. Seinen Angaben nach ist zudem zu befürchten, dass das Digital-Angebot nicht mehr so breit und umfassend sein wird wie die bisherigen Print-Ausgaben. Die digitalen Zeitungen würden noch stärker nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten produziert. "Deshalb sehen wir hier große Gefahren nicht nur für die Meinungsvielfalt, sondern auch für den gesellschaftlichen Diskurs, der nötig ist, um eine Demokratie am Leben zu erhalten."

Zur Funke Medien-Gruppe gehören neben den Zeitungen in Thüringen unter anderem auch die Berliner Morgenpost, das Hamburger Abendblatt und die Westfalenpost sowie Zeitschriften wie Bild der Frau, Gong und Hörzu.

Anmerkung der Redaktion (1) In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, die Funke-Mediengruppe plane einen Umstieg auf ausschließlich digitale Zeitungen in Thüringen. Das Unternehmen legt Wert auf die Feststellung, dass die Entscheidung noch nicht gefallen ist, sondern noch geprüft wird. Wir haben unseren Artikel deswegen überarbeitet.

Anmerkung der Redaktion (2) Die Funke-Mediengruppe hat nach Veröffentlichung dieses Beitrags auf mdr.de am Freitag mit diesem Tweet reagiert:

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 07. Februar 2019 | 18:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2019, 16:55 Uhr

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68 Kommentare

09.02.2019 15:11 Fakt 68

>>Werner, #67:
"...Informationen vom RND, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" - an Alle."<<

Nix an alle. Nur an Zeitungen der Madsack-Gruppe. Denn das RND ist die Redaktion für überregionale und internationale Inhalte eben dieser Gruppe.
Im Gegensatz zur dpa, deren Eigentümer 180 Gesellschafter sind - Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, Verleger und Rundfunkanstalten - und deren Dienst jeder abonnieren kann.

09.02.2019 08:49 Werner 67

@Zeitungsleser 64: "...wie DPA,sich eher anhören wie Werbung vom Parteiorgan der CDU."
Demokraten müssen sich auch für Gerechtigkeit einsetzen. Als gerechten Ausgleich gibt es zentrale Informationen vom RND, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" - an Alle. Dort wo "RND" drauf steht, ist eigentlich ganzganzfest "SPD" drin. Und an massenweise Lokal-Zeitungen, Fernsehproduktionen uvm., steht auch was anderes drauf, als drin ist: SPD. Deshalb hat "Tichys Einblick" Seiten einer Recherche vom 04.02.19 geschwärzt, weil die SPD über diese Offenbarung sehrsehr wenig erfreut ist, und rechtliche Schritte... Klagen usw. angedroht hat. Logisch, da sind se vermutlich jetzt bissel so sehr Vergnatzt, dass Rumpelstielzchen dagegen wie der brave Müller von den Sieben Geislein erscheint. Kleiner Scherz.

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