Zwickauer Terrorzelle Sippel: Sicherheitsbehörden frühzeitig informiert

Verfassungsschutz und Polizei in Bund und Ländern und sogar der Militärische Abschirmdienst wussten frühzeitig vom Untertauchen der mutmaßlichen Bombenbauer aus Jena Anfang 1998. Das hat der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, Sippel, im Bundestags-Innenausschuss erklärt. Und es gab viele Hinweise auf Sachsen als möglichen Aufenthaltsort des Trios. Der sächsische Verfassungsschutz bleibt indes bei seiner Aussage: Wir hatten keine Hinweise auf den Aufenthaltsort der Drei. Die machten jahrelang fröhlich Ferien auf Fehmarn.

Der Thüringer Verfassungsschutz hat nach Angaben seines Präsidenten Thomas Sippel die Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder im Jahr 1998 schon frühzeitig über das Untertauchen der mutmaßlichen Bombenbauer aus Jena informiert. Sippel sagte im Innenausschuss des Bundestages, am 3. Februar, also wenige Tage nach dem Verschwinden des Trios, seien das Bundesamt und die Landesämter für Verfassungsschutz über den gegen Mundlos und Böhnhardt gerichteten Tatverdacht unterrichtet worden. "Im Nachgang" seien auch Lichtbilder des abgetauchten Trios übermittelt worden. Außerdem seien der Bundesnachrichtendienst (BND) und der Militärische Abschirmdienst (MAD) einbezogen gewesen. Das geht aus dem Protokoll der Ausschusssitzung am 21. November hervor, das dem MDR vorliegt.

Die mutmaßlichen Bombenbauer waren am 26. Januar 1998 untergetaucht, als die Polizei eine von ihnen genutzte Garage in Jena durchsuchte. Gegen die drei wurde wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Explosions- und Strahlungsverbrechens ermittelt. Sie waren im Zusammenhang mit dem Auftauchen von mehreren Bombenattrappen in Jena in den Jahren 1996 und 1997 ins Visier der Thüringer Sicherheitsbehörden geraten. Wie Sippel dem Innenausschus erklärte, waren Böhnhardt und Mundlos bei einer Observierung Ende 1997 dabei beobachtet worden, wie sie in einem Baumarkt Brennspiritus und Gummiringe kauften und in einer Garage lagerten. Sie hätten sich dabei "sehr konspirativ" verhalten.

Während Durchsuchung davongefahren

Sippel sagte weiter, der Verfassungsschutz habe das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) über seine Beobachtungen informiert, welches daraufhin bei der Staatsanwaltschaft Gera einen Durchsuchungsbeschluss für die Garage erwirkt habe. Dabei sei von LKA und Staatsanwaltschaft auch geprüft worden, ob die Voraussetzungen für einen Haftbefehl vorlagen. Die Staatsanwaltschaft habe zu diesem Zeitpunkt aber keinen Haftgrund gesehen. Nachdem in der Garage am 26. Januar vier Rohrbomben mit insgesamt rund 1,4 Kilogramm TNT-Sprengstoff gefunden worden seien, habe die Staatsanwaltschaft noch im Laufe des Vormittags die Festnahme von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe wegen Gefahr in Verzug angeordnet. Zu diesem Zeitpunkt waren die drei jedoch schon untergetaucht. Sippel bestätigte, dass Böhnhardt von den Sicherheitskräften angetroffen worden war. Als ihm die Durchsuchungsmaßnahme mitgeteilt worden sei, habe er sich in sein Auto gesetzt und sei davongefahren. Mieterin der Garage war Beate Zschäpe.

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1 Kommentar

27.11.2011 18:32 Wolfgang Teifke 1

Es ist unerträglich, was sich die für die Sicherheit in Deutschland verantwortlichen, aber in ihrer Zuständigkeit leider zersplitterten Behörden jahrelang geleistet haben. Der Versuch, sich nun damit zu rechtfertigen, es seien doch alle informiert worden, zeugt von einem ausgeprägten Denken und Handeln in engen Zuständigkeitsbereichen.