NSU-Untersuchungsausschuss Thüringen Köckert: Trio war kein vorrangiges Fahndungsziel

Die mutmaßlichen Terroristen Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe sind nach ihrem Untertauchen Anfang 1998 in Jena kein vorrangiges Fahndungsziel der Ermittlungsbehörden gewesen. Das sagte der frühere Thüringer Innenminister Christian Köckert (CDU) am Montag vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages.

Gerade in der Zeit nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York im September 2001 habe es für die Sicherheitsbehörden andere Schwerpunkte gegeben. Köckert räumte bei der Befragung ein, dass man das gefährliche Potenzial der Untergetauchten damals nicht erkannt habe. Bei seiner Amtsübernahme im Oktober 1999 habe es keinen speziellen Vermerk oder Ähnliches über die mutmaßlichen Bombenbauer gegeben.

Die Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe waren Ende Januar 1998 untergetaucht, kurz bevor in einer von ihnen genutzten Garage in Jena Sprengstoff und Teile für Rohrbomben gefunden wurden. Gegen die drei wurde damals im Zusammenhang mit mehreren, in Jena gefundenen Bombenattrappen ermittelt. Das Trio soll später unter dem selbst gewählten Namen "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zehn Morde und eine Reihe von Banküberfällen begangen haben.

Engere Zusammenarbeit damals nicht gewünscht

Köckert verwies vor dem Ausschuss auch auf innere Grabenkämpfe im Thüringer Innenministerium Ende der 1990er-Jahre. Zudem war nach seiner Darstellung eine engere Zusammenarbeit zwischen Polizei und Verfassungsschutz damals nicht gewollt. Das Trennungsgebot von Polizei und Nachrichtendienst sei damals sein Sakrileg gewesen, sagte er. Die heute geforderte engere Zusammenarbeit "hätte man uns damals um die Ohren gehauen". "Man wollte keine neue Gestapo", so Köckert, der von 1999 bis 2002 Innenminister in Thüringen war.

Auf die Frage eines Abgeordneten des Ausschusses, ob er sich bewusst sei, dass wegen des damaligen Behördenversagens zehn Menschen gestorben seien, sagte Köckert, das sei in der Tat sehr belastend. Aber es gebe aus seiner Sicht keine schlüssige Antwort, warum es nicht gelungen sei, das Trio festzunehmen.

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2014, 20:56 Uhr

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