Ein Star trinkt aus einem Bach
Bildrechte: IMAGO

Vogel des Jahres 2018 ist der Star der Star

Noch sieht man Stare im Herbst in großen Schwärmen fliegen. Die Vögel bewegen sich pfeilschnell, wie gemeinsam einstudiert. Eigentlich kamen die Tiere immer häufig in unserer Natur vor, doch nun sind auch sie bedroht.

von Katja Schmidt

Ein Star trinkt aus einem Bach
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Sturnus vulgaris – der Star. Ein Allerweltsvogel, einer, der schon in Kinderliedern besungen wird. Eine untypische Wahl für den Vogel des kommenden Jahres, die der Naturschutzbund NABU immer im Herbst bekannt gibt. Und doch eine sehr bewusste.

Der Star hat in den letzten zwei Jahrzehnten über 30 Prozent seines Bestands verloren. Vor 20 Jahren gab es noch etwa 4,5 Millionen Tiere, jetzt haben wir nur noch drei Millionen Exemplare. Noch ist der Vogel gut verbreitet, aber er nimmt sehr, sehr stark ab.

Heinz Kowalski, Sprecher Bundesfachausschuss Ornithologie beim NABU

In der aktuellen deutschlandweiten Roten Liste ist der Star sogar auf "gefährdet" hochgestuft worden. Grund ist vor allem die industrielle Landwirtschaft. Ein Problem sei etwa, dass Kühe heute fast nur noch in Ställen gehalten werden. Dadurch gebe es keine Kuhfladen auf den Wiesen, die Käfer und andere Nahrung für die Stare anlocken, erklärt Ornithologe Heinz Kowalski. Ein anderes Problem sind die von Bauern versprühten Gifte. "Die Nahrung wird auch deswegen immer weniger, weil mehr Pestizide eingesetzt werden. Wir wissen ja, dass wir einen starken Insektenrückgang haben."

Doch die Insekten sind eine bedeutende Nachrungsgrundlage. Gerade während der Brut und Aufzucht liefern ihre Chitin-Panzer wichtiges Kalk für die Jungtiere. Im späten Sommer und Herbst konzentriert sich der Star dann auf Kirschen und Weintrauben – das süße Obst liefert die Energie für den langen Flug gen Süden. Dabei wirkt ein Schwarm oft wie eine schwarze Wolke. "Da sind manchmal tausende zusammen unterwegs und trotzdem kollidieren sie nicht", sagt Kowalski und erklärt: "Die halten Abstand zu den sieben Vögeln, die um sie herum sind. Das setzt sich wie ein Netz fort und so stoßen sie nicht zusammen."

Mitteleuropäische Stare ziehen im Herbst zum Großteil bis in den südlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika. Die maximale Zugstrecke liegt bei 2.000 Kilometern. Das ist nicht die einzige beeindruckende Leistung von Staren. Sie sind auch richtig gute Stimmenimitatoren.

Wolfgang Amadeus Mozart hat sich einen Star gehalten. Der Vogel konnte eine Klaviersonate nachpfeifen. Wenn die Tiere neben einem Haus brüten und jeden Tag das Telefon hören, hört man in ihrem Gesang auch dieses Telefon wieder raus. Auch eine Polizeisirene und alles Mögliche ist da schon imitiert worden.

Heinz Kowalski, Sprecher Bundesfachausschuss Ornithologie beim NABU

Es ist also ein spannender Vogel des Jahres 2018. Und einer, der Hilfe braucht. Wegen energetischen Sanierungen finden Stare nämlich auch immer weniger Unterschlüpfe. Heinz Kowalski ruft dazu auf, Starenkästen in den Garten zu hängen, frei nach dem Motto: Ich bin ein Star, bau mir ein Haus.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 13.10.2017 | 06:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2018, 16:42 Uhr