Ratgeber Zur artgerechten Haltung von Schweinen

Schweine privat zuhause zu halten ist zu einer gewissen Mode geworden. Die Wahl fällt hierbei vor allem sogenannte Minischweine und Hängebauchschweine. Doch bei der privaten Haltung ist zu bedenken, dass auch diese ausgewachsen durchaus 150 kg auf die Waage bringen können. Wer sich Hausschweine anschaffen möchte, sollte sich gründlich über Verhalten und Bedürfnisse der Tiere informieren.

Ferkel
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Schweine gelten als Nutztiere 

Der Verein für Schweinefreunde setzt sich deutschlandweit für den Schutz und die artgerechte Haltung von Schweinen ein. Dessen Vorsitzende Sabine Duda betreibt im ostfriesischen Eversmeer das erste deutsche Tierheim für Schweine. Sie weist darauf hin: "Schweine gehören nicht wie Hunde und Katzen zu den Haustieren, sondern zu den Nutztieren. Schweine dürfen deshalb nicht in Wohngebieten gehalten werden." Das hat rechtliche Konsequenzen. Die Tiere müssen beim Veterinäramt gemeldet werden, bei der Tierseuchenkasse und bei der Zentralen Datenbank. Der Halter muss seine Schweine durch Ohrmarken eindeutig kennzeichnen lassen. Außerdem sollte eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden.

Schweine sind Rudeltiere

Schweine sind ausgesprochen soziale Säugetiere, die ein starkes Kontaktbedürfnis zu Artgenossen haben. Sie sollten daher niemals alleine gehalten werden. Mindestens ein zweites Schwein ist nötig. So richtig wohl fühlen sie sich in einer Rotte. Schweine haben ein organisiertes Sozialgefüge mit strenger Rangordnung und geregelten Tagesabläufen. Vom Veterinäramt können Haltungsauflagen erteilt werden. Mit anderen Haustieren kommen sie gut zurecht. Von Hunden können sie jedoch als Beute betrachtet und angegriffen werden.

Neugierig, intelligent und gesellig   

Sabine Duda vom Verein Schweinefreunde ist begeistert von ihren Schützlingen: "Sie machen extrem viel Spaß, sind charmant, klug und jedes hat seinen eigenen Charakter." Von Natur aus sind Schweine neugierig, gelehrig und aufgeschlossen. Selten zeigen sie sich aggressiv. Allerdings sollten sowohl Eber als auch Sauen kastriert werden. Mit konsequenter Erziehung sollte der Halter seinen Tieren klar machen, wer das Sagen hat. Zu etwas zwingen lässt sich ein Schwein jedoch nicht. Gewalt ist ohnehin tabu sein. Schweine zeigen ihre Zuneigung zu ihren Menschen, können anhänglich, verschmust und treu sein.

Brauchen viel Platz und Auslauf

Eine Wohnungshaltung von Schweinen ist nicht artgerecht. Die Tiere brauchen viel Auslauf und Platz zum Suhlen, Wühlen und Scheuern. Ideal ist eine Kombination von Garten-, Weide- und Stallhaltung. Der abgegrenzte Außenbereich sollte ein Minimum von 12 Quadratmeter pro Schwein haben. Der Verein Schweinefreunde empfiehlt sogar 150 Quadratmeter pro Tier. Ein Stall bietet Schutz vor Kälte, Hitze, Regen und Schnee. Schweine vertragen Hitze und Temperaturwechsel schlecht, weil sie keine Schweißdrüsen haben. Deshalb sind im Freien schattige Plätze und ein Schlammbad zum Suhlen nötig. Zum Wohlbefinden trägt auch ein kleiner Pool bei. Die Tiere können ab und zu und auch über Nacht ins Haus gelassen werden. Denn Schweine können stubenrein erzogen werden.

Keine Küchenabfälle verfüttern

Schweine sind Allesfresser. Die Tiere brauchen eine tägliche Futtermenge, die ein bis zwei Prozent ihres Körpergewichtes ausmacht. Gefüttert werden vor allem frisches Heu, Getreideschrot, Grünzeug und Hackfrüchte. Gern genommen wird auch Obst und Gemüse, Eier und Brot. Im Fachtierhandel werden Mineralienzusätze speziell für Schweine angeboten. Es empfiehlt sich eine ausgewogene Mischung, damit die Tiere nicht zu fett werden. Nach dem Tierschutzgesetz dürfen keine Küchenabfälle verfüttert werden. Frisches Wasser muss stets reichlich verfügbar sein. Die Tiere sollten stets draußen gefüttert werden.

Hausschweine sind relativ pflegeleicht

Auch wenn das Vorurteil etwas anderes besagt, sind Schweine sehr saubere Tiere. Weitgehend können sie sich selbst reinigen. Durch Suhlen und Scheuern entfernen sie Schmutz und Parasiten. Bei guter Ernährung und viel Bewegung brauchen Schweine nicht viel an Gesundheitsvorsorge. Sie müssen regelmäßig geimpft, halbjährlich entwurmt werden und benötigen Klauenpflege. Herz-Kreislauf-Beschwerden, Atemwegserkrankungen oder Verhaltensstörungen können vorkommen. Wenn in der Region die Schweinepest auftritt, unterliegen auch privat gehaltenen Tiere den Maßnahmen der Behörden. Die natürliche Lebenserwartung liegt bei bis zu 20 Jahren. Tierheime vermitteln Schweine generell nicht zu Schlachtungszwecken.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 31. März 2021 | 19:50 Uhr