Baldur mit Mutter Bella
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ratgeber | 09.01.2019 Zur Aufzucht von Fohlen

Der Aufwand für die Aufzucht von Fohlen ist sehr groß und sollte nur von Menschen durchgeführt werden, die über Kenntnisse und Erfahrungen mit Pferden verfügen. Züchter und Verhaltensforscher plädieren für eine Kindheit und Jugend, in der der Nachwuchs vor allem Pferd sein darf.

Baldur mit Mutter Bella
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Durch die Zeit mit ihrer Mutter werden die Fohlen erzogen, zugleich und danach im sozialen Verbund der Herde mit regelmäßigem Menschenkontakt. Artgerecht und gesund aufgezogene Jungpferde verhalten sich später Menschen gegenüber aufgeschlossen, neugierig und respektvoll.

Die ersten Monate sind entscheidend

Entscheidend für die Aufzucht kann schon sein, wann und wo das Fohlen zur Welt kommt. Im Winter oder Vorfrühling geborene Tiere müssen die so wichtigen ersten Lebensmonate oft in einer Box bei der Mutter verbringen, ohne ausreichende Sozial-kontakte und Bewegungsmöglichkeiten. Wenn der Decktermin günstiger liegt, kann das Fohlen schnell zusammen mit der Stute auf die Weide entlassen werden oder wird dort sogar geboren. Denn die Weide ist der natürlichste Ort für die Geburt.

Fohlen werden ohne Antikörper gegen Krankheitserreger geboren. Mit der ersten Muttermilch, der sogenannten Kolostralmilch, wird das Immunsystem für das weitere Leben gestärkt. Am besten für das Pferdekind ist, wenn die Mutterstute es selber säugen kann. Sollte das nicht möglich sein, gibt es im Futtermittelhandel pulverisierte Kolostralmilch oder aber eine Ammenstute wird hinzugezogen. Jedes in Deutschland geborene Fohlen muss durch einen Chip gekennzeichnet werden.

Das Fohlen bei der Mutterstute

Generell übernimmt die Mutterstute einen großen Teil der Arbeit bei der Aufzucht und Ernährung. Dabei deckt die Stutenmilch in der ersten Zeit alles ab, was das Fohlen für seine Entwicklung braucht. Ab der dritten Lebenswoche benötigt es auch frischen Stutenkot für seine Darmflora. Dann kann zusätzlich Fohlenstarter gefüttert werden. Der Salzleckstein der Stute darf für das Fohlen nicht erreichbar sein. Nach sechs Wochen etwa probiert das Pferdekind auf der Weide auch Gras, nascht Heu und vom Beifutter der Stute. Auf der Weide lernt das Fohlen auch giftige Pflanzen zu meiden. Um sich gut entwickeln zu können, brauchen Fohlen großen Auslauf, genug Platz zum Laufen, Spielen und Toben sowie Sozialkontakte. Regelmäßig muss das Pferdekind einem Tierarzt vorgestellt werden, der darüber befindet, wann es geimpft, entwurmt oder speziell behandelt werden sollte. Das Fohlen kann bis zu einem Jahr lang bei seiner Mutter bleiben und gesäugt werden. Häufig werden die jungen Pferde allerdings schon mit sechs Monaten oder noch früher abgesetzt.

Absetzer und Jungpferde

Das Absetzen, also die Trennung von der Mutterstute, ist oft verbunden mit dem ersten Transport und mit der Integration in eine Fohlengruppe. Für das Fohlen kann das ein Schockerlebnis sein, sowohl psychisch als auch physisch. Doch die Emanzipation vom Muttertier ist wichtig für die Entwicklung des Jungpferdes. Am besten gelingt das in einer Herde, in der gut sozialisierte erwachsene Tiere den Ton angeben, bei täglichem Kontakt mit Menschen. So wachsen die Jungpferde artgerecht im Herdenverband, auf der Weide und in großzügigen Offen- und Laufställen auf. Schon frühzeitig können sie dann auch einer gewissen Basiserziehung unterzogen werden, wie die Gewöhnung an Halftern, einfaches Führen, Anbinden, Putzen und Hufpflege. Reif für Belastungen sind Pferde erst dann, wenn ihr Größenwachstum weitgehend abgeschlossen ist. Warmblüter können daher erst mit etwa drei Jahren eingeritten werden.

Zur Ernährung von Jungpferden

Fehler bei der Fütterung während der Aufzucht können sich negativ auf Gesundheit, Lebenserwartung und Leistungsfähigkeit der Tiere auswirken. Pferde haben ganz andere Ansprüche an die Qualität der Grundfütterung als Rinder oder Schweine. So sind Silage und Heulage kein geeignetes Raufutter für Pferde. Gefragt ist vor allem Schwarzhafer als Kraftfutter. Natürlich kommt es auf die Qualität der Weide an, wieviel Beifutter noch gebraucht wird. Den Bedarf an Eiweiß, Nährstoffen, Mineralien und Spurenelementen, an Vitaminen und Aminosäuren können Gras, Heu und Rüben  nicht decken. Gute Ratschläge können Futtermittelfachhändler und erfahrene Züchter geben.

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Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2019, 18:32 Uhr