Hund Teddy
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ratgeber | 17.10.2018 Autoaggression bei Hunden

Als Autoaggression wird eine aggressive Handlung bezeichnet, die sich gegen den eigenen Körper richtet. Diese Verhaltensstörung tritt meist bei Hunden auf, die starkem Stress ausgesetzt sind oder unter chronischem Stress leiden. 

Hund Teddy
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Symptome autoaggressiven Verhaltens

Häufige Symptome von autoaggressivem Verhalten sind, wenn sich Hunde in die Rute, in Hinterläufe oder Pfoten beißen oder das Wundlecken von Pfoten und anderen Körperstellen. Eine Deutung dieser Verhaltensstörung ist das Unterdrücken von Angst durch selbst erzeugten Schmerz. Dazu gehört auch das Ankauen eigener Körperteile sowie das Anknabbern von Krallen bis zur Wundheit. Der Hund sieht dabei zum Teil eigene Körper-teile nicht mehr als die eigenen an. Im Extremfall kann das bis zum Abbeißen führen.

Gründe für autoaggressives Verhalten

Ursachen für autoaggressives Verhalten können neben Stressfaktoren auch traumatische Erlebnisse, tiefe Einschnitte in das soziale Gefüge, eine schlechte Prägung des Tieres oder nicht artgerechte Haltung, Leistungsdruck oder Unterforderung, Ängstlichkeit oder eine tatsächliche Gefahr sein. Eine Vorstufe der Autoaggression ist die Stereotypie, also wiederkehrende zwanghafte Verhaltensweisen. Um solch ein Stereotyp beim Hund handelt es sich beim Jagen im Kreis nach dem eigenen Schwanz, aus dem bei extremen Stress das Beißen der Rute werden kann. Auch eine stressanfällige Hundemutter oder eine zu frühe Trennung des Welpen von seiner Mutter können Gründe für autoaggressives Verhalten sein. Selten handelt es sich dabei um einen genetischen Defekt oder um eine rassespezifische Reizempfindlichkeit.

Stress auslösende Faktoren

Neben den bereits angeführten Gründen kann die Verhaltensstörung durch verschiedene Stressfaktoren ausgelöst werden: durch häufiges Alleinsein oder soziale Isolation, durch Versagensangst oder Strafen, durch Konflikte, Konfrontation oder Frustration, durch Reiz-armut oder Reizüberflutung, durch Bewegungsmangel, zu wenig Schlaf oder Ruhe, durch Hunger, Durst, Hitze oder Kälte, durch Schmerzen, durch Lärm und Unbekanntes, durch fehlende Sicherheit und Kontrollverlust.

Die Verhaltensstörung überwinden

Gerade im Anfangsstadium sollte Erscheinungen von Stereotypie entgegen gewirkt werden, um dem Hund Folgeschäden und letztlich autoaggressives Verhalten zu ersparen. Betroffene Tiere brauchen eine Bezugsperson, zu der sie Vertrauen aufbauen, die ihnen viel Zeit,  Beschäftigung und Sicherheit schenkt.  Beim Wundlecken kann schon eine zeitweilige Halskrause für  Besserung sorgen. Vor allem aber müssen die Ursachen gefunden, die Stressfaktoren abgestellt, das Verhalten positiv umgelenkt werden. Körperliche und geistige Auslastung des Hundes, Denksport, Suchspiele und Konzentrationsübungen können wirksam gegen autoaggressives Verhalten helfen. Natürlich kann auch ein  Tiertherapeut, Tierarzt oder Hundetrainer Hilfe und Unterstützung geben. Allerdings ist es ungewiss, ob Stereotypen jemals ganz verschwinden oder ob die Verhaltensstörung in Extremsituationen wieder abgerufen wird.

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2018, 10:03 Uhr