Ratgeber Die Nase des Hundes

Hunde gehören zu den sogenannten "Nasentieren": Sie nehmen ihre Umwelt vorwiegend über den Geruchssinn wahr. Die Vierbeiner sind wahre Meister im Erschnüffeln von Gerüchen. Die Nase als ihr wichtigstes Sinnesorgan ist ein Wunder der Natur. Wir Menschen machen uns diesen hervorragenden Geruchssinn der Hunde in vielen Bereichen zunutze.

Besonderheiten der Hundenase

Auch wenn vom Prinzip her die Funktion der Hundenase so angelegt ist wie beim Menschen - das Hochleistungsorgan ist einzigartig. Das beginnt bei der Riechschleimhaut, die bei Hunden je nach Rasse bis zu 200 Quadratzentimeter groß ist und über 200 Millionen Riechzellen verfügt. Bei der Rekordspürnase des Bloodhound sind es sogar über 300 Millionen. Zum Vergleich: Bei der Nase des Menschen ist diese Schleimhaut gerade einmal fünf Quadratzentimeter groß und weist ca. fünf Millionen Riechzellen auf. Die Hundenase kann zudem rechts und links differenzieren. Hunde können praktisch "Stereo" riechen und so zum Beispiel mehrere Fährten gleichzeitig verfolgen.

Riechhirn und zusätzliches Riechorgan

Die Hundenase wird vom Riechkolben, einem Teil des Großhirns, unterstützt. Dazu schreibt der Hundetrainer Bernd Hufmann aus Ludwigsburg: "Im Riechkolben des Gehirns sorgt eine komplexe Verschaltung für eine hohe Geruchsauflösung. Dadurch entsteht eine Art räumlichen Riechens. Im Gehirn des Hundes werden Riechinformationen zeitlebens abgespeichert, um bei Bedarf darauf zurückzugreifen." Der Riechkolben macht beim Hund etwa 10 Prozent des Gehirns aus, bei Menschen dagegen nur ca. 1 Prozent. Außerdem verfügen Hunde über ein zusätzliches Riechorgan. Das Jacobson-Organ befindet sich am Gaumen hinter den Schneidezähnen. Damit nimmt der Hund Pheromone wahr. Über diese Botenstoffe funktioniert die Kommunikation bei Hunden untereinander. Anhand der Pheromone kann der Hund Informationen über Geschlecht, Alter und Verfassung des anderen erhalten. So nimmt auch der Rüde wahr, ob eine Hündin läufig ist. Pheromone werden über die Schweißdrüsen, vor allem aber im Urin abgegeben. Deshalb schnüffeln Hunde überall an Markierungen.

Faszinierende Fähigkeiten

Je nach Stimmungslage verströmen Menschen unterschiedliche Duftstoffe. Gefühle wie Angst, Erregung, Wut, Trauer oder Freude können Hunde beim Menschen sozusagen erriechen. Dabei kombinieren sie diese Fähigkeit mit einer sehr guten Beobachtungsgabe von Haltungen, Bewegungen oder der Stimmlage. Anhand der Erfahrungen mit bestimmten Riechbildern sind Hunde sogar in der Lage, einige gesundheitliche Gefahren und Krankheiten beim Menschen zu erkennen und davor zu warnen. Warnhunde werden inzwischen auch für das Erkennen von Corona und Schweinepest ausgebildet und eingesetzt. Durch den ausgeprägten Geruchssinn haben sich längst viele Einsatzmöglichkeiten für Hunde bewährt: Traditionell bei der Jagd, als Wach- und Rettungshunde, beim Mantrailing, bei der Spuren- und Vermisstensuche, beim Aufspüren von Drogen oder Sprengstoffen.

Halter sollten bei der Anschaffung eines Hundes darauf achten, dass dessen Nase nicht verkürzt gezüchtet wurde, da dies zu schweren gesundheitlichen Einschränkungen führen kann. Ein sogenanntes Brachyzephales Atemnot-Syndrom lässt sich dann nur mit medizinischen Therapien lindern.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 13. Januar 2021 | 19:50 Uhr