Ratgeber Die Sinne des Hundes

Ein Hund nimmt die Welt völlig anders wahr als wir Menschen. Die Fähigkeiten der Sinne und ihr Zusammenwirken sind auf einzigartige Weise auf die Bedürfnisse des Hundes abgestimmt. Das Wissen darüber, wie Hunde die Welt wahrnehmen, hilft dabei, unsere Hunde besser zu verstehen.

Der Geruchssinn 

Die Vierbeiner nehmen ihre Umwelt vorwiegend über den Geruchssinn wahr. Die Nase des Hundes ist ein Hochleistungsorgan: Nasenschleimhaut und Riechkolben im Großhirn sind um ein Vielfaches größer als beim Menschen und verfügen über durchschnittlich 250 Millionen Riechzellen. Der Mensch riecht mit etwa fünf Millionen Sinneszellen. Außerdem kann die Fellnase mit beiden Nasenlöchern parallel Gerüche aufnehmen. Der Berliner Hundetrainer Markus Beyer schreibt: "Sie riechen Emotionen bei uns Menschen, ja sogar Krankheiten, sie riechen die biochemischen Prozesse unseres Körpers." Speziell trainierte Rassen können als Spürhunde oder Assistenzhunde eingesetzt werden. Zudem verfügen Hunde mit dem Jacobson-Organ am Gaumen, hinter den Schneidezähnen, über ein zusätzliches Riechorgan, durch das sie über Botenstoffe mit Artgenossen kommunizieren. Unterwegs zu schnüffeln, ähnelt bei Hunden dem Zeitunglesen von Menschen.

Der Hörsinn

Auch das Gehör des Hundes ist viel besser als das des Menschen. Das Schallspektrum des Hundeohres reicht weit in den Ultraschallbereich und ist damit besonders auf hohe Töne spezialisiert. Es vermag in Bruchteilen von Sekunden Geräusche wahrzunehmen und zu lokalisieren - und das sogar im Schlaf. Zur genauen Orientierung können Hunde ihre Ohren einzeln bewegen, unabhängig davon, ob es Schlapp-, Kipp- oder Stehohren sind.

Der Sehsinn

Die Sehfähigkeit ist bei Hunden relativ schwach ausgeprägt. Sie sind kurzsichtig, sehen weder auf Distanz gut noch können sie Objekte in der Nähe schnell scharf sehen. Dafür sind Hundeaugen in der Lage, perfekt Bewegungen zu erfassen. Durch ihre seitliche Position am Kopf hat der Hund eine bessere Rundumsicht. Bei Windhunden mit ihrem schmalen Kopf beträgt der Panoramablick bis zu 270 Grad. Diese Hunde können sogar nach hinten sehen. Farben nehmen Hunde anders wahr als wir, denn sie haben nur zwei Farbrezeptoren. Damit werden die Farben Blau und Gelb erkannt, Lichtwellen im Rotbereich jedoch nicht.

Der Tastsinn

Mit dem Tastsinn können Hunde zwischen warm, kalt, hart oder weich unterscheiden und dazu Berührungen, Druck und Vibrationen wahrnehmen. Über den ganzen Körper sind Tasthaare verteilt, die als Rezeptoren dienen. Besonders ausgeprägt sind diese an Schnauze, Ohren, Hals und Pfoten. Der Tastsinn ist der erste aller Sinne, die ein Welpe erwirbt. Er hilft auch zur Orientierung bei Dunkelheit und dient bei Veränderungen der Umweltbedingungen als eine Art Frühwarnsystem.

Der Geschmackssinn

Hunde besitzen im Verhältnis zum Menschen nur ein Sechstel an Geschmacksknospen. Damit können sie nur süß und salzig auseinanderhalten. Der Hund schmeckt sozusagen mit dem Geruchssinn. Es ist der Geruch, der einen Hund gierig fressen lässt oder ihn davon abhält. Seine Zunge dient nicht vorrangig zum Schmecken, sondern zur Flüssigkeitsaufnahme und sorgt beim Hecheln für Abkühlung.

Faszination Sinneswahrnehmungen

Hunde nehmen zwar ihre Umwelt mit allen Sinnen wahr, doch der Schwerpunkt kann dabei individuell verschieden sein. Sogenannte Ohrenhunde reagieren auf Töne und Geräusche, bevor etwas zu sehen ist, Augenhunde sind schnelle Sichtjäger und Nasenhunde versinken in ihrer Geruchswelt und blenden alles andere aus. Hundetraining sollte dem jeweiligen Typ angepasst werden. Unbestritten ist, dass Hunde zudem das Magnetfeld der Erde wahrnehmen und sich daran orientieren können.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 11. Mai 2022 | 19:50 Uhr