Ratgeber Artgerechte Haltung von Landschildkröten

Landschildkröten sind in Deutschland beliebte Haustiere. Dabei ist ihre Haltung keine reine Privatsache. Weil der Wildbestand der meisten Schildkrötenarten stark gefährdet ist, stehen sie auch als Haustiere unter Artenschutz. Interessenten sollten sich ein solides Grundwissen über Lebensraum, Verhalten und Haltungsbedingungen der Tiere aneignen.

Griechische Landschildkröte mit gelb-schwarzem Panzer.
Bildrechte: imago images / Nature Picture Library

Zur Haltung geeignet

Es gibt 59 Arten von Landschildkröten. Zur Haltung geeignet und beliebt sind vor allem die Griechische und die Maurische Landschildkröte sowie die Breitrandschildkröte, die zu den europäischen Landschildkröten gehören, außerdem die tropischen Landschildkröten Panther- und Spaltenschildkröte. Gezüchtet und gehalten werden auch die Ägyptische Schildkröte und die Vierzehenschildkröte. Besonders die tropischen Arten verfügen über eine bemerkenswerte Panzermusterung und Farbvielfalt.

Überlegenswert vor der Haltung

Landschildkröten beanspruchen sehr viel Platz für sich und können ein stattliches Alter erreichen, manche über 100 Jahre. Ihre Größe reicht von wenigen Zentimetern bis zu über einem Meter. Oft wachsen die Tiere noch nach dem Erwerb und brauchen als erwachsene Schildkröte viel mehr an Platz. Auch wenn Landschildkröten kaum soziale Kontakte pflegen, sollten junge Tiere nicht allein leben, sondern gemeinsam mit Artgenossen. Sie zusammen mit anderen Haustieren zu halten, ist jedoch nicht ratsam. Die mit ihrer gemütlichen Art so genügsam wirkenden Tiere sind nicht einfach zu pflegen. Wenn sie nicht artgerecht gehalten werden, können sie schnell erkranken. Haltung und Bestandsveränderungen sind dem Veterinäramt zu melden.

Naturnahe Haltung

Für europäische Landschildkröten ist eine Freilandhaltung in einem Gehege, im Garten oder Gewächshaus optimal. Die Thüringer Schildkrötenzüchterin Kerstin Hammermüller aus Saalfeld verweist darauf, dass Landschildkröten nicht dauerhaft, sondern lediglich für Übergangsphasen in Terrarien gehalten werden sollten. Die wechselwarmen Tiere brauchen Sonnenlicht und Wärme. Im Terrarium müssen daher entsprechende Beleuchtungsmittel die UV-Strahlung der Sonne ersetzen und Wärmestrahler genutzt werden. Im Freigehege sollte den tagaktiven Landschildkröten ein abwechslungsreicher Lebensraum mit Pflanzen und Steinen, Höhlen und Hügeln zur Verfügung stehen, auf keinen Fall ebenerdig und auf alle Fälle ausbruchsicher. Tropische Landschildkröten werden dagegen überwiegend in großflächigen Terrarien gehalten. Denn für einen Aufenthalt im Freien sind Temperaturen und Luftfeuchtigkeit sogar im Sommer nicht ausreichend. 

Die richtige Ernährung

Landschildkröten sind Pflanzenfresser. Das Nahrungsangebot sollte vielfältig und reich an Vitaminen, Ballast- und Mineralstoffen sein. In ihrem natürlichen Umfeld machen Gräser und Kräuter den Hauptanteil aus, zum Beispiel Löwenzahn. Klee, Luzerne, Huflattich, Spitzwegerich und Brennnesseln. Gern gefressen werden auch frischer Salat und Heu, Blätter und Blüten von Blumen. Auf Fertigfutter, Gemüse und Obst aus dem Supermarkt sollte weitgehend verzichtet werden. Als Nahrungsergänzung brauchen die Tiere Kalzium, das in Form von zerkleinerten Eierschalen und Muscheln gegeben wird. Katzen- und Hundefutter sowie Milch und Milchprodukte sind schädlich. Wasser bekommen Landschildkröten täglich frisch sowohl zum Trinken als auch zum Baden.

Gesundheit und Fortpflanzung

Krankheiten sind meist ernährungsbedingt. Landschildkröten reagieren empfindlich auf unpassende Nahrung. Vitaminmangel und Giftstoffe können zu Leberproblemen, Gicht und Magersucht führen. Auch Erkältungen und  Parasiten treten auf. Bei zu eiweißhaltiger Nahrung oder Mineralmangel kann der Panzer wellig, porös oder brüchig werden.

Zur Eiablage graben die Weibchen Nisthöhlen, die sie danach sorgfältig verschließen und einebnen. Brutpflege wird nicht betrieben. Je nach den klimatischen Bedingungen und der Schildkrötenart vergehen bis zum Schlupf zwischen 60 und 200 Tagen. Jungschildkröten sind nach dem Schlüpfen bereits voll entwickelt und beginnen sofort mit einem selbständigen Leben.

Winterruhe bei Landschildkröten

Europäische Landschildkröten halten in der Regel Winterruhe. In der freien Natur graben sich die Tiere dafür gewöhnlich ein. Als Haustiere verbringen sie die Winterruhe am besten in einer Holzkiste oder Kunststoffbox, deren Boden mit feuchter Gartenerde, Moos und Laubblättern ausgepolstert ist und auf Schimmelbildung kontrolliert werden sollte. Der abgedeckte Behälter kommt in den Keller oder in einen Kühlschrank. Die ideale Schlaftemperatur liegt bei 4 - 8 Grad Celsius. Vor und nach der Winterstarre muss die Schildkröte zur Darmentleerung gebadet werden. Widerstandsfähige Arten können draußen überwintern und die Zeit für ihre Winterruhe selbst einleiten, müssen jedoch vor Frost und Tieren geschützt werden. Bei jungen Landschildkröten ist ein Überwintern in Innenräumen bei Zimmertemperatur möglich. Natürlich müssen sie dann gefüttert werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 18. Mai 2022 | 19:50 Uhr