Ratgeber Zur Haltung von Ratten

Ratten rufen bei vielen Menschen Ekelgefühle hervor und haben den Ruf von schmutzigen Krankheitsüberträgern. Doch die reinliche Farbratte mit ihren Knopfaugen ist zu einem beliebten Haustier geworden: ein niedliches und possierliches Tier mit einem freundlichen Wesen, intelligent, gesellig und relativ pflegeleicht.

Ratte
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Ratten sind sehr soziale Tiere

Die domestizierte Farbratte stammt von der wilden Wanderratte ab. Die dämmerungsaktiven Ratten können geradezu ideale Haustiere sein. Sie werden bei ausreichender Beschäftigung schnell zutraulich und handzahm. Allerdings eignen sich die Nager nicht als Kuscheltiere für Kinder. Ratten leben in Rudeln und sollten nie allein gehalten werden, sondern am besten in Gruppen von mindestens drei Tieren. Fachautorin und Webtexterin Alexis Gentzsch aus Dresden schreibt in ihren Tipps zur Rattenhaltung: „Sie leben in einer geschlossenen Gruppe, in der sich jedes Mitglied kennt und wo niemand so einfach ausgetauscht oder neu integriert werden kann. Das ist sehr wichtig für die kleinen Nager.“. Allerdings sollten nur kastrierte oder gleichgeschlechtliche Tiere zusammen gehalten werden, sonst bahnt sich durch rasante Vermehrung ein Rattenproblem an.

Behausung und Einrichtung

Wer sich für Ratten als Mitbewohner entscheidet, sollte einen gut eingerichteten Käfig bereithalten. Am besten sind große Käfige mit mehreren Ebenen mit Möglichkeiten zum Klettern, Verstecken, Spielen, Kuscheln und Schlafen. Das kann auch ein umgebauter Kleiderschrank sein, eine Voliere oder ein Gehege. Mindestmaß bei drei bis vier Ratten ist eine Grundfläche vom 100 x 50 cm und eine Höhe von 80 cm. Die optimale Raumtemperatur liegt bei 20 bis 22 Grad Celsius. Zugluft oder direkte Sonneneinstrahlung müssen vermieden werden. Zur Ausstattung gehören Äste, kleine Hängematten, Röhren, Höhlen, Häuschen, dazu Spielzeug, natürlich Näpfe für Frischfutter und für Trockenfutter, eine Nippeltränke oder ein Wassernapf. Als Einstreu eignen sich Heu und Stroh. Kleintierstreu sollte eher sparsam verwendet werden, denn gegen Staub sind die empfindlichen Atemwege der Nager allergisch. Als Rattentoiletten haben sich Plastikboxen mit Einstreu bewährt.

Auslauf unter Aufsicht

Für Ratten sind Zuwendung, Beschäftigung und Abwechslung wichtig. Beim Hochheben sollten die Tiere nicht am Schwanz oder im Nacken gegriffen, sondern mit der ganzen Hand umfasst werden. Streicheln lassen sie sich, doch Zwicken oder Beißen kann durchaus vorkommen. Ratten brauchen täglich mindestens 1 - 2 Stunden Auslauf. Dafür müssen die Räume rattensicher gemacht werden, also frei von Gefahrenquellen sein - wie brennende Kerzen, volle Aschenbecher, Steckdosen, Stromkabel, Herdplatten, giftige Pflanzen. Die neugierigen Nager knabbern auch an Möbeln und Zimmerpflanzen, Büchern und Zeitungen, Kleidung und Schuhen, Teppichen und Tapeten. Auslauf unter Aufsicht ist also angebracht. Stubenrein sind Ratten nur bedingt. Mit ihrem Urin verunreinigen sie mitunter den Boden. Außerhalb der Wohnung sollten die Tiere nur in dafür vorgesehenen Transportboxen transportiert werden, denn dabei stehen sie massiv unter Stress.

Nahrhaftes und Leckerli

Ratten sind Allesfresser, aber keine Müllschlucker. Ihr Magen kann sehr empfindlich auf falsches Futter reagieren. Spezielle Körnermischungen werden als Trockenfutter im Zoofachhandel angeboten. Außerdem benötigen Ratten täglich Frischfutter: Gemüse, Obst, Nüsse, Kräuter und Gräser. Kartoffeln und Erbsen müssen gekocht sein. Zwiebelgewächse, Kohl, Rettich, Bohnen, Rhabarber, Zitrusfrüchte und Steinobst sollten nicht an Ratten verfüttert werden. Richtige Leckerli sind dagegen Naturjoghurt, Magerquark, milder Käse, Babybrei, gekochte Nudeln und gekochter Reis (ohne Salz!). Gewürzte Nahrungsmittel sind tabu. Schokolade darf schon mal sein. Als Nagematerial eignen sich hervorragend Zweige von Obstbäumen. Trockenes Brot dagegen ist ungeeignet. Da Ratten zur Vorratshaltung neigen, muss die Unterkunft auf Futteransammlungen kontrolliert werden.

Lebenserwartung und andere Haustiere

Farbratten haben eine kurze Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren. Häufige gesundheitliche Probleme sind Atemwegserkrankungen oder Abszesse. Im Alter erkranken sie mitunter an Lungenkrankheiten oder Tumoren. Dann können die tierärztlichen Behandlungen die Anschaffungskosten für die Tiere weit übersteigen. Mit anderen Nagetieren und Haustieren kommen Ratten selten zurecht. Katzen und Hunde können den Nagern gefährlich werden, die Ratten selbst Fischen und Vögeln.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 29. September 2021 | 19:50 Uhr