Ratgeber Igel im Frühjahr

Im März/April erwachen die Igel aus ihrem Winterschlaf, mit den wärmeren Sonnenstrahlen, Tagestemperaturen über 15 Grad und frostfreien Nächten. Dann ist es an der Zeit, Igel, die in menschlicher Obhut überwintert haben, auszuwildern. Denn die stacheligen Gesellen sind Wildtiere und gehören zu den besonders geschützten Arten. Doch da draußen in der  Natur lauern auf Igel auch Gefahren.

Nach dem Winterschlaf

Igel verlieren über den Winter 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts. Und die Langschläfer haben großen Durst! Ein täglich frisch gefüllter Wassernapf an einer geschützten Stelle im Garten hilft den Tieren. Gertraude Göpner von der Igelberatung Hannover empfiehlt, auch eine Futterstelle einzurichten, zumindest für die ersten Wochen. Igel sind Insektenfresser und verspeisen am liebsten Käfer, Larven und Regenwürmer.

Als Futter geeignet: Katzennassfutter, versetzt mit Igeltrockenfutter, Haferflockenbrei, ungewürztes Rührei oder abgekochtes Geflügelfleisch. Milch und Milchprodukte vertragen Igel nicht, weil sie Laktose nicht verdauen können. Das Auswildern sollte in einer Gegend erfolgen, die den Igeln Nahrung und Versteckmöglichkeiten bietet, abseits von vielbefahrenen Straßen, rät Heidrun Frank vom schwäbischen Verein "Welt der Igel". Am besten in den Abendstunden, denn die Tiere sind nachtaktiv. In Igelstationen kommen die erwachten Winterschläfer erst einmal für gut zwei Wochen in ein Freigehege. 

Gefahren und Hilfe 

Lebensraum von Igeln ist nicht der Wald, sondern Feldflur und Gärten, mit Wiesen, Hecken, Gehölz und Sträuchern. Reisig-, Kompost- und Laubhaufen, Holzstapel. Hohlräume unter Baumwurzeln und Treppen bieten Unterschlupf und Nestplätze. Igelfreundliche Gärten sollten durchlässig sein, denn die Tiere durchstreifen auf Nahrungssuche große Gebiete ihres Reviers. Igel sind Einzelgänger, die ein angestammtes Areal bevorzugen und verteidigen. Natürliche Feinde hat der Igel kaum; ihn schützt sein Stachelkleid.

Vorsicht beim Einsatz von Rasenrobotern

Christine Primas von der Igelstation Güsten bei Bernburg betont, auf Insektizide und Schneckenkorn im Garten möglichst ganz zu verzichten. Beim Rasenmähen und Laubsaugen ist Vorsicht geboten. Vorsicht gilt auch beim Umsetzen von Kompost-, Laub- und Reisighaufen. Auch Schlagfallen und Vogelschutznetze sind eine Gefahr. Tödliche Fallen können Gartenteiche und Pools sein. Igel können zwar schwimmen, doch sie brauchen eine Möglichkeit, wieder herauszukrabbeln. Schon ein einfaches Brett kann dabei helfen. Baugruben, Kellerschächte und Treppen müssen abgesichert werden. Die meisten Igel fallen jedoch dem Straßenverkehr zum Opfer. Vor allem in der Dämmerung und nachts sollte in Siedlungsbereichen und an Gartenanlagen auf die Tiere geachtet und Rücksicht genommen werden.

Tipps für den Garten

Immer wieder werden Igel beim Rasenmähen oder bei der Gartenarbeit verletzt oder getötet. Besonders der unkontrollierte Einsatz von Rasenrobotern stellt eine Gefahr dar. Aber auch bei Rasentrimmern mit Fadenschneidern oder Messern ist Vorsicht geboten. Denn Igel fliehen nicht bei Gefahr, sondern rollen sich zusammen. Vor dem Mähen sollte man sich die Mühe machen, unter Büschen und Hecken nachzuschauen. Als Rasenroboter sind eher tiefliegende Modelle mit empfindlichen Sensoren zu empfehlen, die Hindernisse zuverlässig umfahren. Zum Schutz der nachtaktiven Tiere sollten die Mähzeiten auf den Tag beschränkt und nicht in die Dämmerung verlegt werden. Zu einem igelfreundlichen Garten gehören Laub- oder Komposthaufen als möglicher Unterschlupf sowie eine naturbelassene Gartenecke als Rückzugsort, damit die Stacheltiere nicht auf dem Rasen auf Futtersuche gehen brauchen.

Hilfsbedürftige Igel  

Die geschützten Wildtiere dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Birgit Hansen vom Verein Pro Igel verweist darauf, dass nur offensichtlich kranke, verletzte oder hilflose Igel von Menschen aufgenommen werden dürfen. Hilfebedürftig sind verwaiste Igelsäuglinge und unterernährte Tiere. Dazu zählen auch junge Igel im Spätherbst, die das nötige Winterschlafgewicht von 400 bis 500 Gramm nicht erreichen. In solchen Fällen ist Rat und Hilfe gefragt. Ansprechpartner sind Tierheime, Igelstationen, Tierärzte und Tierschutzvereine, vor allem der bundesweite Verein „Pro Igel“.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 29. April 2020 | 19:50 Uhr