Ratgeber Verletzter Vogel - Was tun

Schauen Sie nicht weg, wenn Sie einen hilfebedürftigen Vogel finden! Sie können bei verletzten Vögeln erste Hilfe leisten, einen Tierarzt, eine Wildvogelstation oder eine Tierschutzorganisation kontaktieren. Wenn der Vogel keine äußeren Verletzungen aufweist, sollten Sie erst eine Weile beobachten, ob er wirklich menschliche Hilfe braucht.

Ein Feuerwehrmann hält einen Raben in den Händen.
Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Nestlinge sind allein noch nicht lebensfähig

Bei einem noch nicht vollständig befiederten kleinen Vogel handelt es sich um einen Nestling, der vielleicht lediglich in das Nest seiner Eltern zurückgesetzt werden muss. Der Wildvogelhilfe Saalekreis e. V. gibt Tipps auf seiner Homepage: "Oft wird die Frage gestellt, ob man insbesondere junge Vogel anfassen darf. Ja! Vögel erkennen sich nicht am Geruch. Daher hat es auf den Vogel keinen Einfluss wie oft man ihn anfasst." Allerdings sollte man das Tier nicht häufiger als unbedingt nötig anfassen, sonst kann es einen Schock erleiden. Sollte sich kein Nest in der Nähe befinden oder keine Vogeleltern auftauchen, informieren Sie einen Tierarzt oder eine Tierschutzorganisation, damit diese sich um den Nestling kümmern, der alleine noch nicht lebensfähig ist.

Beim Fund einzelner Jungvögel

Jungvögel im Federkleid sind bereits flügge. Sie verlassen im Frühjahr das Nest, werden aber weiterhin von ihren Eltern gefüttert, in der ersten Zeit meist am Boden. In solch einem Fall sollten Sie feststellen, ob der Vogel am Fundort in Gefahr sein könnte, zum Beispiel durch Katzen oder Straßenverkehr. Dann setzen Sie ihn an einen geschützten Platz in der Nähe um und können ihn getrost sich selbst überlassen. Die Eltern warten meist, bis sich der Mensch entfernt hat, um sich dann dem Jungen zu widmen. Hier ist also Geduld gefragt. Wenn das Tier allerdings Verletzungen aufweist, ist schnelle Hilfe geboten. Durch den hohen Stoffwechsel und kaum vorhandene Blutreserven enden Verletzungen bei Vögeln schon nach kurzer Zeit tödlich. Bei blutenden Wunden muss das Tier erstversorgt und zum Tierarzt gebracht werden

Diagnose von Verletzungen

Die häufigsten Verletzungen kann selbst ein Laie identifizieren. Der verletzte Vogel wird dazu am besten in einen mit Handtuch oder Küchenpapier ausgepolsterten Karton gelegt und vorsichtig auf Knochenbrüche untersucht. Ein Schädel-Hirn-Trauma nach einer Kollision mit einer Glasscheibe übersteht der geflügelte Patient meist nach einer kurzen Ruhephase. Bisswunden schwächen Vögel neben der Blutung auch durch die Infektion mit fremden Speichel. Flügelverletzungen treten mitunter bei Kämpfen mit Rivalen auf. Krämpfe, Lähmung und Atemnot sind Anzeichen für Vergiftungen.

Die ersten Schritte einer Vogelrettung

Offene Wunden und Blutungen müssen sofort versorgt werden. Ein leicht aufgedrückter Wattepad kann die Blutung stillen. Die Wunden sollten mit einem feuchten Tuch abgetupft und dann mit einem Desinfektionsmittel behandelt werden. Der verletzte Vogel befindet sich meist im Schockzustand und muss sich nach der Notversorgung erst an einem warmen, ruhigen Ort stabilisieren, damit er den Transport zum Tierarzt übersteht. Beim Einfangen ist Vorsicht geboten, denn das verängstigte Tier kann panisch oder aggressiv reagieren, kratzen, hacken und wild mit den Flügeln um sich schlagen. Benutzen Sie möglichst Handschuhe sowie eine Jacke oder Decke. Sie sollten den Vogel in einen ausgepolsterten Karton mit Luftlöchern betten und beobachten.

Nach der Erstversorgung ist professionelle Hilfe nötig

Nachdem sich der Vogel etwas erholt hat, kann er im Karton zum Tierarzt oder zur Vogelstation gebracht werden, wo er professionelle Hilfe, eine sichere Diagnose und wirksame Therapie bekommt oder im schlimmsten Fall eingeschläfert werden muss. Die Wildvogelhilfe Saalekreis e.V. weist auf ihrer Homepage nachdrücklich auf Folgendes hin: "Die unsachgemäße Gabe von Wasser ist für einen Vogel in den meisten Fällen tödlich! Und egal, was dem Vogel zugestoßen ist, das Letzte, was er braucht, ist Wasser oder Futter!!! Bevor man Futter anbietet, muss klar sein, um welche Art es sich handelt und was er frisst."

Im Fall eines verletzt aufgefundenen Vogels können Sie sich auch bei Facebook in der Gruppe "Wildvogelhilfe-Notfälle" melden, wo Sie umgehend weitere Hilfe erhalten.

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Die Pflege von Wildtieren ist verboten. Es gibt aber Ausnahmen: Verletzte Tiere dürfen zur Kurzzeitpflege mit nach Hause, bis es ihnen besser geht. Ansonsten päppeln viele Ehrenamtler solche TIere auf.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 07.06.2021 11:50Uhr 08:22 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 06. Oktober 2021 | 19:50 Uhr