Ratgeber | 05.12.2018 Vogelhaltung in Großvolieren und mit Freiflug

In Deutschland werden derzeit 3,7 Millionen Sittiche, Kanarienvögel, Prachtfinken und Papageien als Heimtiere gehalten. In den letzten Jahren haben sich die Ansprüche an eine artgerechte Ziervogelhaltung grundlegend verändert. Kleine Käfige mit einem einsamen Vogel haben ausgedient. Gefragt sind großzügige Volieren, die ausreichend Platz bieten, auch zum Fliegen und Baden, vom Vogelpaar bis zum Schwarm.

Große Volieren und ganze Vogelzimmer

Voliere kommt vom französischen Wort „voler“, was „fliegen“ bedeutet. Genau das ist der Zweck einer Voliere: den Vögeln Platz zum Fliegen zu bieten. Vögel brauchen täglich mehrere Stunden Freiflug. Das trägt stark zu Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere bei. Für ihren Lebensraum gilt: Je größer, desto besser. Breit muss das Vogel-heim sein, kein hoher Wohnturm. Als Mindestmaße für Wellensittiche beispielsweise wird für ein Paar eine Volierengröße mit einer Grundfläche von 150 cm x 60 cm und einer Höhe von mindestens 100 cm empfohlen. Bei Zuchtambitionen muss auch ein abgetrennter Brutbereich berücksichtigt werden. Wenn die Möglichkeit besteht, kann man ein ganzes Vogelzimmer einrichten. Ideal ist eine Kombination von Innen- und Außenvoliere.

Bei Innenvolieren zu beachten

Neben der Mindestgröße muss bei einer Innenvoliere der richtige Standort beachtet werden. Das Vogelheim sollte an einem ruhigen Ort, mit mindestens einer Seite zur Wand stehen, geschützt vor Zugluft und Heizungsluft, hell, aber ohne direkte Sonnen-einstrahlung. Volierengitter müssen waagerecht verlaufen und die Gitterabstände dürfen nicht zu groß sein, damit sich die Tiere nicht dazwischen quetschen. Verzinkte Teile, Plastik und Spiegel gehören nicht in einen Vogelkäfig. Die Einrichtung sollte aus Naturhölzern und Edelstahl bestehen. Zur Innenausstattung gehören Einstreu und Vogelsand, Futter- und Badestelle, Sitzbrettchen und Klettermöglichkeiten. Bei Freiflug in der Wohnung müssen Gefahrenquellen im Haushalt ausgeschlossen werden, wie heiße Herdplatten, offene Fenster oder Gardinenkordeln. Auch Zimmerpflanzen sind möglicherweisen schädlich oder gefährlich. Fensterscheiben müssen abgeklebt oder erkennbar für die Vögel gestaltet werden. Gefäße und Möbel können auch eine Gefahr darstellen, andererseits bei Freiflug selbst beschädigt werden. Flackerndes Licht von Fernseher, Computer oder Neonröhren stören. Rauchen, Aromastoffe und Sprays sind wegen der empfindlichen Atemwege bei Vögeln tabu.

Bei Außenvolieren zu beachten

Wer einen Garten am Haus hat, sollte sich eine Außenvoliere zulegen. Wenn die Vogelart auch kühlere Temperaturen verträgt, ist ein Aufenthalt im Freien vorzuziehen. Voraussetzung aber ist ein geschlossener Schutzraum, der von den Vögeln jederzeit selbständig aufgesucht werden kann. Im Sommer bietet er Schutz vor Hitze, Wind und Nässe. Im Winter muss der Raum beheizbar und stets frostfrei sein. Die Außenanlage muss sowohl ausbruchsicher sein als auch vor Katzen und Wildtieren schützen. Eine Art Schleuse gehört auch zur Sicherheitsausstattung einer Großvoliere, mit zwei Türen, durch die der Halter die Voliere betreten und verlassen kann, ohne dass ein Vogel entweicht. Eine Außenhaltung kommt den Bedürfnissen der Vögel entgegen. Sie sind ausgeglichener und genießen die Gegebenheiten. Allerdings liegen die Kosten für Außenvolieren deutlich höher. Auch gesundheitliche Risiken durch Ansteckungsgefahr sind größer. Wesentlich höher ist auch der Reinigungsaufwand. Und auch der Vogellärm draußen ist nicht zu unterschätzen.

Grundvoraussetzungen für Vogelhaltung

Vögel sind gesellige Tiere. Sie sollten immer paarweise, in Gruppen oder im Schwarm gehalten werden. Kuscheltiere sind sie keine. Vogelhaltung ist ein zeitaufwändiges Hobby. Die Tiere brauchen täglich viel Aufmerksamkeit und mehrere Stunden Freiflug. Füttern, Wasserwechsel, Einstreu, Vogelsand, Reinigung und großer Frühjahrsputz müssen vom Halter eingeplant werden, dazu mögliche Tierarztkosten. Vögel wollen Abwechslung und Anregungen zum Spielen und Beschäftigen, wie Schaukeln oder Zweige zum Beknabbern. Abwechslung bietet auch Zusatzfutter wie Obst, Gemüse und Beeren. Mit „Intelligenzspielzeug“ können sich Vögel ihr Futter „erarbeiten“. Eine Vogelhaltung sollte mit den Nachbarn und dem Vermieter vorher abgeklärt werden. Für Anschaffung oder Bau von Volieren muss beim zuständigen Amt nachgefragt werden, ob und welche Auflagen und Genehmigungen erforderlich sind.

Mehr zum Thema im Internet:

Zooplus Vogelmagazin: https://www.zooplus.de/magazin/vogel

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 18:32 Uhr