Ratgeber Zum Umgang mit gehörlosen Hunden

Ein gehörloser Hund kann durchaus ein normales, glückliches Leben führen. Denn er unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Hunden: Er bellt, ist sich seiner Umgebung bewusst, interagiert mit Menschen und mit anderen Hunden. Taube Hunde passen sich an. Der Halter muss vor allem eine effektive Kommunikation mit alternativen Mitteln erlernen.

Hund Odin
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Ursachen für Taubheit beim Hund

Es gibt vielfältige Ursachen für Schwerhörigkeit und Taubheit bei Hunden. Gehörverlust kann durch Entzündungen, Infektionen und Verletzungen entstehen, durch Parasiten, Schmutz, Haare oder Wasser im Ohr. Ursächlich für Taubheit können Tumore, Gifte oder Medikamente sein. Mitunter erholt sich das Trommelfell nicht von einem Knalltrauma. Und wie beim Menschen tritt die klassische Altersschwerhörigkeit auf, die zur Taubheit führen kann. Gehörlosigkeit kann auch angeboren, genetisch bedingt und vererbt sein. Überwiegend weiße Rassen sind davon betroffen, so Dalmatiner, Dogo Argentino, Australian Shepherd, Bullterrier, English Setter und auch Boxer.

Erkennen und Behandeln von Taubheit

Hundehalter bemerken Taubheit mitunter nicht, insbesondere wenn diese allmählich auftritt. Auf hohe und sehr laute Geräusche reagiert das Tier auch noch bei teilweisem Hörverlust. Für Hörtests gibt es verschiedene Methoden, von Rascheln und Rufen bis zur Reaktion auf Türklingeln. Da das Ohr auch ein Gleichgewichtsorgan ist, können bei tauben Hunden auch motorische Störungen auftreten. Gewissheit schafft eine audiometrische Messung durch den Tierarzt, bei der die elektrische Aktivität an verschiedenen Bereichen des Ohres gemessen wird. Es gibt inzwischen sogar Hörgeräte für Hunde. Bei Hörverlust können entzündungshemmende Medikamente oder Antibiotika wirken. Auch regelmäßige Ohrenpflege hilft. Schwerhörigkeit kann verbessert werden; für Taubheit bei Hunden gibt es jedoch keine Heilung.

Problematik der Gehörlosigkeit  

Der Hundeexperte, Trainer und Sachbuchautor Martin Rütter schreibt:

Die größten Nachteile der Taubheit liegen beim Hund darin, dass die menschliche Welt sehr stark von akustischen Reizen geprägt ist und so für den Hund schnell Gefahren entstehen können, die er aber nicht hört. Auch die Rückrufbarkeit des Hundes oder Signale auf Distanz sind über Sprache nicht möglich. Daher sollte ein Weg gefunden werden, um dem Hund ein lebenslängliches Laufen an der Leine zu ersparen.

Obwohl ein tauber Hund den Hörverlust mit seinen anderen Sinnen weitgehend ausgleichen kann, macht ihn die Taubheit in manchen Situationen anfällig. Im Umgang mit Artgenossen liegt die Problematik darin, dass andere Hunde nicht wissen, dass es taube Hunde gibt. Daher kann es zu Missverständnissen in der Kommunikation und folglich zu Konflikten kommen.   

Die Aufmerksamkeit des Hundes trainieren

Grundlage einer erfolgreichen Kommunikation mit Menschen ist die Aufmerksamkeit. Im Training müssen gehörlose Hunde lernen, ihre Menschen häufig anzuschauen. Der Hundehalter muss alternative Mittel der Kommunikation einüben. Ein tauber Hund lässt sich durch Handzeichen trainieren und mit ihm kann durch Körpersprache kommuniziert werden. Der Halter wird feststellen, dass visuelle Zeichen effektiver sein können als verbale, zumal Hunde nicht in erster Linie verbal kommunizieren. Allerdings müssen die Sichtzeichen eindeutig sein und sich deutlich voneinander abgrenzen, damit der Hund sie sofort versteht und darauf reagieren kann. Dabei sollte man sich nicht auf die klassischen Handzeichen beschränken, sondern mit raumgreifenden Gesten und mit dem ganzen Körper kommunizieren.

Kommunikationshilfen für taube Hunde

Draußen gibt eine Schleppleine Sicherheit. Die lange Leine bietet dem Hund Freiräume, ohne die Kontrolle abzugeben. In Kombination mit der Schleppleine muss immer ein Geschirr verwendet werden; ein Halsband ist tabu. Erst wenn der Halter beim Spazierengehen genügend Aufmerksamkeit erhält und der Rückruf einwandfrei funktioniert, ist das Ableinen möglich. Für die Kommunikation auf Distanz ist ein Vibrationshalsband das geeignete Hilfsmittel. Über eine Fernbedienung gesteuert, bewirkt die leichte Vibration Aufmerksamkeit beim Hund, damit er Blickkontakt zu seinem Halter sucht. Die Vibration kann auch Rückruf bedeuten. Manche Halter verwenden auch Lichtsignale einer Taschenlampe oder Wortzeichen aus der menschlichen Gebärdensprache, um mit ihrem tauben Hund zu kommunizieren. Von Vorteil ist, dass die Konzentrationsfähigkeit bei gehörlosen Hunden deutlich ausgeprägter ist, da sie keine Geräusche ausblenden müssen. Für das Training ist kompetente Unterstützung durch eine Hundeschule, die Erfahrung mit gehörlosen Hunden hat, natürlich nützlich.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 10. November 2021 | 19:50 Uhr