Hühner als Therapietiere
Bildrechte: Elias Spalik

Ratgeber | 19.12.2018 Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen

Neben der bekannten internationalen Roten Liste gefährdeter Arten gibt es nationale und regionale sowie spezielle Rote Listen, die alle dem Verlust an Artenvielfalt entgegenwirken sollen. Dazu gehört in Deutschland die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in mehrjährigen Abständen veröffentlichte Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen, die jährlich von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen aktualisiert und ergänzt wird.

Hühner als Therapietiere
Bildrechte: Elias Spalik

Die Gefährdungskategorien

Aktuell sind in Deutschland 55 der 77 einheimischen Nutztierrassen bei den Großtieren Rind, Pferd, Esel, Schwein, Schaf und Ziege als gefährdet eingestuft. Dabei werden vier Gefährdungsstufen unterschieden: extrem gefährdet, stark gefährdet, gefährdet sowie Bestandsbeobachtung (Vorwarnstufe). Eine Rasse gilt als gefährdet, wenn der Bestand eine Mindestanzahl von Tieren unterschreitet. Diese Einstufung nehmen Fachleute unter Einbeziehung der Bestandsentwicklung und deren Prognose vor. Ergänzend werden Rote Listen alter einheimischer Geflügel- und Kaninchenrassen durch den Fachbeirat Tiergenetische Ressourcen erstellt. Die Ausweitung auf andere Nutztierrassen wie Hunde oder Bienen wird angestrebt.

Erfolge durch Fördermaßnahmen

Für gefährdete Rassen werden spezielle Zuchtprogramme zur genetischen Erhaltung entwickelt, Kryoreserven angelegt und ein Monitoring durchgeführt. Durch solche wirksamen Fördermaßnahmen haben sich in den letzten Jahren zum Beispiel die Bestände des Pinzgauer Rindes und des vor allem in Thüringen verbreiteten Merino-Langwollschafes stabilisiert

Vom Aussterben bedroht

Die aktuelle Rote Liste führt als extrem gefährdete Rassen unter anderen auf: Das Limpurger Rind, das Senner Pferd, das Deutsche Sattelschwein, das Schwarze Bergschaf, die Thüringer Wald Ziege, das Marderkaninchen, die Sachsenhühner, Rouenenten und Deutschen Legegänse. Vom Aussterben bedroht sind auch Altdeutsche Hühner und der Großspitz sowie Dunkle Bienen. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen benennt jährlich eine besonders gefährdete Nutztierrasse, um das Augenmerk der Öffentlichkeit darauf zu lenken. Für das Jahr 2018 war das das Altwürttembergische Pferd. Die gefährdete Nutztierrasse des Jahres 2019 ist das Wollschwein.

Das Arche-Projekt

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen hat 1995 das Arche-Projekt ins Leben gerufen. Ziel des Projektes ist es, dass landwirtschaftliche Betriebe aktive Erhaltungsarbeit für die Rassen auf der Roten Liste leisten. Die Archen, von denen es inzwischen weit über 100 in Deutschland gibt, bilden dafür einen konkreten Rahmen. In den Arche-Höfen liegen die Schwerpunkte auf der Nutzung der Tiere und ihrer nachhaltigen Zucht. Zu einem Arche-Dorf gehören mindestens vier tierhaltende Betriebe, die Rassenvielfalt demonstrieren. In einer Arche-Region sind die Betriebe in einer größeren Fläche angesiedelt, z.B. einem Biosphärenreservat. Ein Arche-Park betreibt vor allem Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit über die Vielfalt der Nutztierrassen für Besucher. Die Ernennung zum Arche-Betrieb ist eine Anerkennung der Zuchtarbeit mit gefährdeten Rassen. Dabei wird die Einhaltung der Kriterien in regelmäßigen Abständen kontrolliert.

Die aktuelle Rote Liste einheimischer Nutztierrassen kann eingesehen und heruntergeladen werden unter:

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2018, 18:00 Uhr