Ratgeber | 06.11.2019 Igel gefunden - was tun?

Igel sind Wildtiere und keine Haustiere. Sie gehören zu den besonders geschützten Arten. Es ist verboten, sie aus der Natur zu entnehmen. Es sei denn, es handelt sich um hilfebedürftige Tiere. Mitte November, wenn die Bodentemperatur dauerhaft gegen Null geht, beginnen die Stachelhäuter in der Regel ihren Winterschlaf. Was tun, wenn man danach noch draußen auf einen Igel stößt?

Erstversorgung von Fundigeln

Eigentlich sind Igel nachtaktiv. Wenn so ein Stacheltier im Spätherbst oder gar nach Wintereinbruch tagsüber unterwegs ist, so ist das ein Alarmzeichen. Denn das deutet auf ein krankes oder verletztes Tier hin oder auf ein Jungtier, das sich nicht genügend Winterspeck anfressen konnte. Der Fundigel muss untersucht werden. Bei äußeren Verletzungen muss er umgehend zu einem Tierarzt oder auf eine Igelstation gebracht werden. Kranke, abgemagerte oder unterkühlte Igel müssen eine Erstversorgung bekommen. Das betrifft vor allem Wärme, Wasser und Nahrung. Außerdem sollte das Tier auf äußere Parasiten untersucht werden, die mit einer Pinzette entfernt werden müssen. Krankheitsanzeichen sind zum Beispiel torkelnde Bewegungen, Liegen auf der Seite, Röcheln und Husten.

Anlaufpunkte bei Igelfunden

Solche hilfebedürftigen Igel darf man in menschliche Obhut nehmen, sie zuhause betreuen und versorgen, bis sie gesund und kräftig genug sind, um wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Das Wiederauswildern ist das Ziel jeder zeitweiligen Aufnahme der Tiere. Die Pflege von Igeln braucht Erfahrung und tägliche Zuwendung, bringt Mühen und Kosten mit sich. Als Anlaufpunkte gibt es dafür Igelstationen und Tierheime, Igelberatungsstellen und private Igelpflegestellen. Für manchen Tierfreund galten früher Einsammeln von Igeln im Herbst und eine Überwinterung im Haus als Überlebenshilfe, damit sie über die kalte Jahreszeit kommen. Solche gut gemeinten Aktionen haben sich jedoch als wenig hilfreich erwiesen und werden nicht mehr praktiziert.

Irrtümer in Bezug auf Igel

Igel suchen sich selbst ein Winterquartier und überwintern in der Natur auch ohne Überlebenshilfe. Angebote für Unterschlupfmöglichkeiten Im Garten werden jedoch gern angenommen. Auf keinen Fall darf man die Tiere im Winterschlaf stören. Gesunde Igel brauchen auch keine Zufütterung; das zögert den Winterschlaf hinaus. Igel sind Insektenfresser; sie vertragen keine pflanzliche Kost, auch kein Obst und Gemüse, kein Brot, Nudeln oder Reis. Bekömmlich sind für sie Katzenfutter mit Haferflocken sowie ungewürztes Rührei, angebratenes Rinderhackfleisch und gekochtes Geflügelfleisch. Zu Trinken bekommen sie ausschließlich Wasser, niemals Milch, denn die kann zu Magenverstimmungen und Durchfall führen. Igel sind Einzelgänger und sind im Winterquartier separat zu halten. Junge Igel allein in einem Nest dürfen nicht angefasst werden. Meist ist die Mutter nur unterwegs auf Futtersuche. Daher zumindest zwei Stunden abwarten, bevor man aufgefundene Jungigel zur Versorgung zu einer Igelstation oder zum Tierarzt bringt. Mitunter sind auch gesunde Igel noch im Spätherbst oder Winter unterwegs, um einen neuen Unterschlupf zu suchen, weil der alte zerstört wurde oder sie dort aufgestört worden sind.

Mehr Informationen finden Sie im Internet beim Verein "Pro Igel":

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 06. November 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2019, 18:45 Uhr