Fragen an Christian Schönwetter vom Deutschen Tierschutzbund e.V.

Christian Schönwetter, Jurist beim Deutschen Tierschutzbund e.V., hat für die "Tierisch tierisch"-Sendung zur Corona-Pandemie Fragen der Redaktion und unserer Zuschauer beantwortet.


Wie wertvoll ist gerade in dieser Zeit das Zusammenleben von Mensch & Haustier?

Christian Schönwetter: Das Zusammenleben mit einem Tier kann bei Einsamkeit und längerer Abschottung Menschen viel Kraft geben. Wir würden aber davon abraten, sich jetzt nur wegen der Corona-Krise schnell ein Haustier anzuschaffen. Es sollte auch vorher schon der Wunsch dagewesen sein, Haustiere zu halten.


Wo gibt es Rat & Hilfe, wenn ich und mein Haustier in Not sind? Gibt es ein bundesweites Beratungstelefon?

Ein solches bundesweites Beratungstelefon ist uns nicht bekannt. In medizinischen Notfällen sollten sich Tierhalter an die diensthabenden Tierärzte bzw. Tierkliniken wenden. Bei Problemen bei der Unterbringung des eigenen Tieres kann man den örtlichen Tierschutzverein um Rat fragen, falls es sonst keine Betreuungsmöglichkeiten im Familien- und Bekanntenkreis gibt.


Manche Menschen fürchten, dass von Haustieren eine Gefahr im Zusammenhang mit dem ConVid-19 Virus ausgehen könnte. Wie ist der aktuelle Stand der Wissenschaft? Sollte man die Hygiene im Umgang mit Tieren verschärfen? Können Hunde und Katzen an SARS-CoV-2 erkranken und/oder dieses übertragen?

Aktuell sind keine Fälle bekannt, in denen Hunde oder Katzen an SARS-CoV-2 erkrankt sind. Zudem geht die Wissenschaft bislang davon aus, dass Hunde und Katzen das Virus nicht auf Menschen übertragen können. Auch das dafür zuständige Friedrich-Löffler-Institut (FLI) empfiehlt derzeit keine strikte Trennung oder Quarantäne von Hunden und Katzen.

Unabhängig davon sollten alle Tierhalter*innen, wie alle anderen Menschen auch, natürlich die grundsätzlichen Hygieneregeln wie zum Beispiel gründliches Händewaschen beachten und einhalten. Darüber hinaus sind derzeit jedoch keinerlei Maßnahmen nötig.

Auch wenn aktuell vereinzelte Bilder von Tieren mit Atemmasken kursieren, sind sowohl diese als auch Desinfektionsmittel nicht nötig. Im Gegenteil: Sie stressen die Tiere enorm und können zudem ihre Haut und Schleimhäute schädigen.


Können Hund oder Katze bei mir bleiben, wenn ich unter Quarantäne stehe? Darf das Tier dann noch raus? Sollte man auch Freigänger-Katzen nicht mehr rauslassen?

Grundsätzlich gelten Quarantäneanordnungen nicht für Haustiere. Diese dürfen in jedem Fall weiter rausgelassen werden.

Wer aber selbst infiziert ist, sollte den engen Kontakt mit seinem Haustier sicherheitshalber vermeiden, sprich den Kontakt von Nase und Mund, enges Kuscheln sowie das Teilen von Essen. Zusätzlich ist es nach wie vor ratsam, sich nach jedem Kontakt mit dem eigenen Tier gründlich die Hände zu waschen. Einen Grund die Tiere nicht rauszulassen, gibt es aber nicht.

Christian Schönwetter, Jurist, Deutscher Tierschutzbund e.V.
Bildrechte: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Hundehalter, die unter Quarantäne stehen und selbst keinen Garten haben, in den die Tiere können, sollten gesunde Freund*innen, Familienmitglieder oder Bekannte kontaktieren, die nicht in Quarantäne sind und die das Gassigehen mit dem Hund übernehmen können. Dabei sollten die allgemeinen Hygieneregeln beachtet werden, um das Risiko einer möglichen Übertragung der Infektion zu vermeiden. So sollte man, wenn möglich, den direkten Kontakt mit der Person vermeiden, die das Tier abholt. Im Idealfall sollte diese die Wohnung nicht betreten, sondern den Hund im Eingangsbereich übernehmen. Gegebenenfalls ist es hierbei sinnvoll, dass die Person eine andere Leine und auch ein anderes Halsband mitbringt und verwendet.


Zuschauerin Gudrun Hellwig fragt:

„Liebes Team. Thema Corona. Was passiert, wenn es auch in Deutschland zu generellen Ausgangsperren kommt? Darf man mit dem Hund Gassi gehen? Darf man zum Pferd, um es zu versorgen und zu bewegen? In Bayern (Mitterteich) hieß es, dass man nur noch zum Arzt, Einkaufen oder zur Arbeit darf. Aber was ist mit den Tieren? Oder vergessen das die Behörden? VG Gudrun Hellwig“

Mittlerweile werden die Notverordnungen aneinander weitgehend angepasst. Es gilt keine absolute Ausgangssperre in Deutschland; es sollen aber überall unnötige Kontakte mit Menschen vermieden werden. Auch strengere Regeln - wie etwa die bayerische Ausgangsbeschränkung - gestatten aber „Handlungen zur Versorgung von Tieren“. Als Tierhalter darf man also noch mit dem Hund Gassigehen oder das eigene Pferd versorgen und bewegen (ggf. auch ausreiten). Man sollte dies aber nicht in Gesellschaft tun. Die Begleitung durch eine zusätzliche andere Person soll bundesweit erlaubt sein, in Bayern gilt dies nur noch für Familienangehörige.


Zuschauerin Mandy Enterlein fragt:

„Wir haben einen Garten in der Nähe, dürfen wir mit dem Hund dahin, wenn wir in Quarantäne müssen. Wir haben sonst niemanden, der unseren Schatz ausführen kann.“

Die Quarantäneregelungen müssten im Einzelfall mit der anordnenden Behörde geklärt werden. Grundsätzlich gilt, dass bei Quarantäne das eigene Grundstück nicht ohne Rücksprache und Zustimmung des Gesundheitsamtes verlassen werden darf. Wer seinen Hund ausführen muss, sollte diese Aufgabe daher an Bekannte übertragen. Die Helfer sollten dabei nicht die Wohnung betreten. Besteht diese Möglichkeit der Unterstützung von außen nicht, dürfen die Betroffenen mit dem Hund im Auto zu einem Ort fahren, an dem das Tier Freigang haben kann, wie z.B. zu einem eigenen Garten oder auch einem Wald zu Zeiten, an denen wenige Menschen unterwegs sind (z.B. früh morgens oder abends). Bei Begegnung mit anderen Personen muss ein Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten werden. Diese Maßnahmen außerhalb geschlossener Räume sind ausreichend, da das Virus durch Tröpfchen und nicht durch die Luft allein übertragen wird.


„Wenn ich unter Quarantäne stehe und einen Garten am Haus habe: Muss ich im Haus bleiben oder darf ich mit dem Hund in den Garten?“

Wenn man einen Garten hat, darf man den Hund auch in den Garten lassen. Eine angeordnete Quarantäne bedeutet: Die betroffene Person darf das Haus oder die Wohnung für den angegebenen Zeitraum nicht ohne Rücksprache und Zustimmung des Gesundheitsamtes verlassen. Garten, eigenes Grundstück oder Balkon dürfen weiterhin genutzt werden. Man darf also auch gemeinsam mit dem Hund in den Garten.

Ideal wäre es aber auch hier, wenn Bekannte zusätzlich mit dem Hund Gassi gehen, damit der Hund etwas mehr Auslauf bekommt, als dies im eigenen Garten vielleicht möglich ist.

Besteht diese Möglichkeit der Unterstützung von außen nicht, dürfen die Betroffenen mit dem Tier im Auto auch zu einem Ort fahren, an dem der Hund Freigang haben kann, wie in einem Schrebergarten oder auch einem Wald zu Zeiten, an denen wenige Menschen unterwegs sind (früh morgens oder abends). Bei Begegnung mit anderen Personen muss ein Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten werden. Diese Maßnahmen außerhalb geschlossener Räume sind ausreichend, da das Virus durch Tröpfchen und nicht durch die Luft allein übertragen wird.


Gibt es bei Ausgangssperren auch Einschränkungen für den Besuch beim Tierarzt oder bei der Öffnung von Tierarztpraxen? Mache ich mich strafbar, wenn ich bei Ausgangssperre zum nächsten Tierarzt 100 km weit fahren muss?

Ein Besuch beim Tierarzt fällt unter die notwendige Versorgung von Tieren. Das ist also weiterhin erlaubt. In der bayerischen Regelung ist sogar ausdrücklich „Inanspruchnahme veterinärmedizinischer Versorgungsleistungen“ als Ausnahme genannt. Man sollte aber darauf achten, sich im Wartezimmer nicht zu eng mit anderen Menschen zu drängeln, auch hier sollten 1,5 Meter Abstand gehalten werden.

Achtung: Aktuell sollte man die Tierarztpraxis/Tierklinik vorher telefonisch kontaktieren, da momentan häufig nur noch Notfälle angenommen werden und nicht dringende Untersuchungen/Impfungen auch verschoben werden können. Einige Praxen haben auch ihre Öffnungszeiten verkürzt oder arbeiten in Schichten streng nach Terminen, bei denen auch Hygieneregeln einzuhalten sind.


Zuschauerin Nette Quicker fragt:

„Wie verhält sich das mit den Listenhunden, die können, doch nicht so mit jedem Gassi gehen. Wie würde das geregelt, wenn da was passiert?“

Wenn man selbst unter Quarantäne steht, darf man nicht mehr mit den Hunden Gassi gehen. Daher sollte man jemanden finden, der mit den Hunden Gassi gehen kann und der dazu auch die Erlaubnis hat. Ist das nicht möglich, sollte bei der Stadt um eine Sondergenehmigung angefragt werden.


Darf ich bei dem aktuellen Kontaktverbot und ggf. einer Ausgangssperre noch Ausritte und Training mit dem Pferd machen? Wie verhält es sich mit der Versorgung von Großtieren (z.B. Ponys)? Die Tiere stehen 20 min entfernt.

Wenn die Anfahrt notwendig ist, um die Tiere zu versorgen, ist das weiterhin erlaubt. Auch hier sollte man sich mit anderen Personen am Stall absprechen und generell Abstand von 2 Metern zu anderen Personen halten.


Ich möchte Vorsorge tragen, falls ich ins Krankenhaus muss und will daher vorsorglich mein Tier in die Obhut des Tierheims geben. Doch das Tierheim weist mich ab. Warum?

Es besteht kein Grund, Tiere vorsorglich abzugeben. Für den Ernstfall sollte man sich dennoch Gedanken machen. Im Idealfall kümmern sich dann Freunde oder Bekannte um das Tier. Es muss einem bewusst sein, dass auch die Tierheime aktuell mit der Krise zu kämpfen haben. Nicht alle Tierheime sind optimal aufgestellt und gerade kleinere Einrichtungen haben Schwierigkeiten, die Tierversorgung mit gesunden Mitarbeitern und Ehrenamtlichen sicherzustellen. Da die Vermittlung von Tieren aktuell mehr oder weniger stagniert, sind viele Tierheime unter Umständen schon überbelegt. Tiere sollten daher nur im Notfall ins Tierheim gebracht werden und nicht vorsorglich.


Leider gibt es aktuelle Meldungen von Tierheimen, dass mehr Tiere abgegeben werden. Das mag einerseits damit zu tun haben, dass die Leute verunsichert sind. Zum anderen kann die Befürchtung eine Rolle spielen, dass sie sich durch die zunehmenden Beschränkungen im Alltag oder bei einer möglichen Erkrankung und Quarantäne nicht mehr ausreichend um ihre Tiere kümmern könnten.

Grundsätzlich sind die aktuellen Regelungen kein Grund dafür, ein Tier abzugeben. Auch die Tierheime wären aktuell überlastet, da diese selbst Schwierigkeiten haben, die Tierversorgung mit gesunden Mitarbeitern und Ehrenamtlichen sicherzustellen.


Welche Einschränkungen kann es für die Arbeit der Tierheime in nächster Zeit noch geben?

Die Tierheime versuchen derzeit natürlich, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Hauptaugenmerk wird sein, die Tiere, die schon im Tierheim sind, optimal weiter versorgen zu können. Viele Tierheime haben deshalb den Besucherverkehr erst einmal eingeschränkt, um die Tierpfleger*innen zu schützen und damit die Versorgung der Tiere nicht zu gefährden.

Problematisch würde es werden, wenn Mitarbeiter*innen aus Tierheimen erkranken oder in Quarantäne müssten. Weil derzeit deutlich weniger oder sogar keine Tiere vermittelt werden können, besteht zudem das Problem der Überfüllung – denn weiterhin werden Tiere aufgenommen und viele Tierheime stellen sich auch auf die Aufnahme von Tieren der Corona-Patienten ein. Auch finanziell wird die Corona-Krise zur Herausforderung, da die Tierheime schweren Herzen ihre Tierheimfeste, Tage der offenen Tür oder Osterbasare absagen mussten, die sonst eine wichtige Einnahmequelle für Spenden sind. Tierheime sind in dieser Zeit daher besonders auf Spenden tierlieber Menschen angewiesen.


Der Notfall ist eingetreten und ich muss ins Krankenhaus. Mein Haustier ist dann allein und keiner will mir helfen. Was nun?

Idealerweise stellt man sich die Frage, wer sich im Notfall kümmern kann, schon vor der Anschaffung eines Tieres. Denn der Fall, dass man ins Krankenhaus muss, kann auch unter normalen Umständen mal eintreten. Wir empfehlen, frühzeitig mit Bekannten, Nachbarn oder Familienmitgliedern Absprachen zu treffen. Derzeit bieten auch viele Menschen in den sozialen Medien oder in Aushängen Nachbarschaftshilfe an, auf die man zurückgreifen könnte. Wer niemanden hat und keine andere Option findet, sollte sich im Tierheim oder bei einer Tierpension erkundigen, ob Plätze frei sind. Sollte ein Notfall eintreten und sollte man noch nichts vereinbart haben, empfehlen wir, sich beim nächsten Tierschutzverein zu melden.


Muss man bei der Haltung von Reptilien und Amphibien jetzt besondere Umstände berücksichtigen?

Uns ist nicht bekannt, dass für diese Tiere jetzt etwas anderes gilt als für andere Tierarten. Anders als Hund oder Katze haben diese Tierarten ja zudem nicht einmal Kontakt nach außen. Ohnehin gelten bei diesen Tieren immer hohe Hygieneansprüche wegen der möglichen Salmonellengefahr (Händewaschen nach Füttern und Reinigungsaufgaben, Utensilien nicht in der Küche reinigen etc.) und die Tiere sollten wenn möglich nicht berührt werden.


Sind Konsequenzen für die Ernährung der Tiere angebracht, zum Beispiel kein Lebendfutter oder rohes Fleisch?

Bezüglich Corona gibt es hier jetzt keine neuen Konsequenzen. Rohfütterung ist aus hygienischer Sicht sowieso kritisch zu sehen, da eine Infektionsgefahr für Tier und Mensch besteht. Diese Ansicht ändert sich jetzt aber nicht wegen Corona. Die Fütterung lebender Tiere, etwa von Mäusen, ist aus Tierschutzsicht grundsätzlich abzulehnen, wenn sie nicht zwingend notwendig ist.

Beim Hund: Wenn der Hund nicht mehr so viel bewegt werden kann, sollte auf kalorienreiche Leckerlis verzichtet werden bzw. die Fütterung insgesamt angepasst werden, um Adipositas vorzubeugen.


Sollten zurzeit überhaupt noch Tiervermittlungen erfolgen?

Einerseits sind Krisenzeiten nicht unbedingt ideal, um sich ein Tier zu holen. Notfälle oder finanzielle Engpässe können auch da zu Schwierigkeiten führen, außerdem ist die Betreuung in der Eingewöhnungszeit vor Ort aktuell erschwert.

Andererseits sind Tiere wichtige Gefährten, gerade in Quarantänezeiten oder Phasen eingeschränkter Sozialkontakte. Daher kann auch eine Vermittlung unter gebotenen Vorsichtsmaßnahmen weiter erfolgen. Sinnvoll ist dies aber nur, wenn ein Tier ohnehin gewünscht war. Auch Tiervermittlungssendungen sind in dieser Zeit sinnvoll und notwendig.


Wie läuft die Vermittlung durch Tierheime in diesen Zeiten ab?

Unsere allgemeine Empfehlung an die Tierheime ist hier „Besucherverkehr nein – Terminvermittlungen ja“. Um die Vermittlungstätigkeit nicht ganz einstellen zu müssen, können an Interessenten Termine vergeben werden, die dann je nach Personalsituation geplant und durchgeführt werden. Um Besuche im Tierheim einzuschränken, wären z.B. auch Haus-zu-Haus-Vermittlungen nach einem vorausgegangenen Vermittlungsgespräch denkbar. Jedes Tierheim muss natürlich selbst sehen, ob sie ausreichend Kapazitäten zur Vermittlung haben.


„Kann ich, wenn ich mich für ein Tierheimtier über diese Sendung interessiere und telefonisch mich mit dem Tierheim vereinbart habe, dann mit dem Auto dahin fahren?“

Aktuell sind Kontakte eingeschränkt, die nicht dringend beruflich notwendig sind. Die Fahrten an sich sind als solches nicht beschränkt. Wir empfehlen bei allen Fahrten, die getätigt werden um ein Tier abzuholen, ein Schreiben (ausgedruckte E-Mail) des Tierheims dabei zu haben. In diesem Schreiben sollte deutlich werden, dass eine zügige Abholung bei der Adresse des Tierheims erforderlich ist, um die Versorgung des Tieres gewährleisten zu können. Dieses Schreiben kann man dann bei einer Kontrolle vorzeigen. Zwingend notwendig sind solche Papiere aktuell aber noch nicht.


Die Antworten geben den Stand vom 25.03.2020 wieder.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 25. März 2020 | 19:50 Uhr