Ratgeber Zur Vergesellschaftung von Hunden

In Deutschland geht der Trend bei vielen Hundehaltern zum Zweithund oder sogar zur Haltung von noch mehr Hunden. Auch Freunde, Nachbarn und Bekannte haben Hunde und besuchen sich gegenseitig.

Nun sind Hunde bekanntlich Rudeltiere. Dennoch kann nicht jeder Hund einfach mit einem anderen vergesellschaftet werden. Denn nicht immer passen die Vierbeiner harmonisch zueinander. Dann sind Probleme programmiert.

Auswahl eines Zweithundes 

Ursachen für Konflikte sind häufig Revierverteidigung, Eifersucht und Beuteverhalten, also der Kampf um Futter und Spielzeug. Bei der Auswahl eines Zweithundes sollte sich jeder Halter Gedanken über Alter, Geschlecht, Größe und Rasse in Bezug auf den Ersthund machen, rät der Tierpsychologe Martin Rütter aus Köln. Und sollte Abneigungen und Vorlieben seines Hundes gegenüber Artgenossen kennen und berücksichtigen. In der Regel ist es sinnvoll, wenn ein junger Hund zu einem zwei bis vier Jahre älteren kommt. Allerdings kann ein älterer Hund auch überfordert werden, wenn er auf einen quirligen Welpen trifft. Zwei Welpen können gut zusammen aufwachsen. Die Wahl der Rasse ist eher zweitrangig. Sicher passt ein Jagdhund kaum zu einem Hütehund. Doch wesentlicher ist der Charakter des Tieres. Ein temperamentvoller Hund verträgt sich weniger mit einem zurückhaltenden und bei zwei dominanten Hunden kommt es zu Machtkämpfen.

In kleinen Schritten vergesellschaften 

Ein Zweithund im Haus kann das Leben eines Vierbeiners stark bereichern. Dafür müssen die Tiere Gelegenheit bekommen, sich schrittweise kennenzulernen, empfiehlt Hundetrainerin Franziska Herre aus Erfurt. Die Hunde geben dabei das Tempo vor, denn jeder von ihnen lernt unterschiedlich schnell. Das erste zwanglose Treffen sollte auf neutralem Boden bei einem Schnüffelspaziergang stattfinden, ohne Spielzeug und Leckerli, zunächst angeleint, später dann beide Hunde ohne Leine. Bleibt die Atmosphäre auch bei weiteren Treffen entspannt, kann man den neuen Hund mit nach Hause nehmen Der Neuling sollte dort Gelegenheit bekommen, ohne den Ersthund alles zu erkunden und zu beschnuppern. Der Ersthund darf nach Aufnahme des Zweithundes auf keinen Fall vernachlässigt werden. Der ältere Hund sollte sogar noch mehr Aufmerksamkeit bekommen, meint Hundetrainerin Andrea Buisman aus Bonn, zuerst gefüttert und gestreichelt werden. Natürlich braucht jeder von Beiden seinen eigenen Ruheplatz, getrennte Futter- und Wassernäpfe, sein Spielzeug und seine Kuscheleinheiten. Keiner darf das Gefühl haben, zurückgesetzt zu werden. Im Falle eines Welpen kann während dessen Aufzucht bis zum Abgabetermin der Hund zuhause schon Schnupperproben bekommen, mitgebrachte Tücher oder Decken, um sich an den Geruch zu gewöhnen.

Wenn sich die Vergesellschaftung schwieriger gestaltet

Nun gilt es also, zwei oder mehr Hunde zu versorgen, beschäftigen, erziehen und trainieren. Ein wesentlich höherer Aufwand an Zeit und Kosten. Mehr Hunde brauchen auch mehr Platz und jeder seinen Rückzugsort. Hunde, die in einer Familie leben, müssen ihre Beziehung zueinander ausloten. Das Verhalten der Tiere untereinander sollte vom Halter genau beobachtet und notfalls eingegriffen werden, wenn es aggressiv oder gar verletzend ist. Der Tierpsychologe Martin Rütter weist darauf hin, dass ein erfahrener Hundetrainer bei Analyse und Training Hilfe geben kann. Oftmals reichen kleine Veränderungen im Umgang mit den Hunden aus, um eine aufgeladene Atmosphäre wieder zu entspannen. Konsequenz ist hier das Zauberwort. In der Regel verlaufen Vergesellschaftungen recht komplikationslos, zu 75 Prozent positiv. Es kann aber auch passieren, dass Hunde sich nicht verstehen, nicht miteinander auskommen. Manchmal treten diese Probleme auch erst nach einiger Zeit des Zusammenlebens auf. Dann sollte mit Rücksicht auf die Hunde einer von ihnen das Zuhause verlassen. Ob Einzelhaltung oder gemeinsam mit einem Artgenossen - artgerecht ist beides; beides kann Vorteile und Nachteile haben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Tierisch tierisch | 22. April 2020 | 19:50 Uhr