Zorn - Dreharbeiten Halle
Mišel Matičević in Halle: "Es groovt gerade irgendwie, hab ich das Gefühl!" Bildrechte: MDR/Luisa Wawrzinek

"Zorn - Tod und Regen" | Interview mit Mišel Matičević "Man soll's nicht übertreiben mit der Freundlichkeit"

Er berlinert, raucht, ist als Macho verschrien und doch weicher, als man denkt: Mišel Matičević. Er spielt in "Zorn - Tod und Regen" den grimmigen Ermittler Claudius Zorn, der eigentlich nur seine Ruhe haben will. Damit gibt er im Film das perfekte Gegenstück zu seinem akribischen Assistenten Schröder ab. Zwischen zwei Zigaretten hat Mišel Matičević mit uns über anstrengende Bett-Szenen gesprochen, von der Stimmung im Team erzählt - und sich mal richtig über Schauspiel-Kollegen Ranisch ausgelassen ...

Zorn - Dreharbeiten Halle
Mišel Matičević in Halle: "Es groovt gerade irgendwie, hab ich das Gefühl!" Bildrechte: MDR/Luisa Wawrzinek

Was denkt Claudius Zorn über seinen dicken Assistenten Schröder? 

Mišel Matičević: Puuuh… Tief im Herzen weiß er, dass Schröder ein guter Mensch,  ihm 'ne große Hilfe und oftmals intellektuell gesehen weit voraus ist. Das kann Zorn aber nicht immer zeigen, weil er nun mal der Chef ist. Denn den Bediensteten – oder nein, den Untergebenen, muss man auch mal bisschen unten halten. Man soll nicht übertreiben mit der Freundlichkeit.

Wie findest du selbst deine Rolle? 

Das ist 'ne super Rolle. Das Buch war gut und Zorn hat die Tendenz, sich selbst zu demontieren. Das find ich extrem spannend. Vordergründig schon so’n Mann, rough und cool – ist aber vollkommener Quatsch. Der ist manchmal so ein Weichei. 

Würdest du gerne mit Claudius Zorn mal ein Bier trinken gehen? 

...ja, wenn er die Klappe hält! Aber wahrscheinlich würde er eh die Klappe halten und ich würde reden. 

Wer ist trinkfester: Claudius Zorn oder du? 

Oh! Mmmh.. (überlegt) Ich glaube, ich kann mehr saufen als Zorn.

Eine Gemeinsamkeit habt ihr in jedem Fall: Ihr raucht beide. Was schätzt du, wie viele Zigaretten raucht Zorn denn ingesamt während der Dreharbeiten? 

Das wissen wir noch nicht … aber ad hoc würd ich schätzen zwischen 35-45 Schachteln. 

Welche Szenen spielst du lieber: Liegst du lieber mit 'ner Frau im Bett oder hast du lieber 'ne Knarre in der Hand? 

Also mit einer Frau im Bett liegen – mit anderen Worten "Sexszenen" – ist wahnsinnig anstrengend. Es hat selten was mit Sinnlichkeit oder Erotik zu tun, weil das harte Arbeit ist, Bettszenen zu drehen. Und ja … mit 'ner Knarre … das ist okay, macht Spaß. Ehrlich gesagt kann ich das so nicht beantworten, weil es unterschiedlichste Szenen gibt, die besonders Spaß machen. Möglicherweise weiß man auch erst danach, wo's besonders gegroovt hat.

Wärst du im echten Leben ein guter Ermittler? 

Keine Ahnung. Vielleicht kommt's auf das Dezernat an. Was die Straße angeht, sprich Straßenkriminalität, wäre ich möglicherweise ein guter Ermittler, weil ich auch mit der Straße großgeworden bin. Also nicht auf der Straße, das wäre zu viel gesagt, das hört sich nach Ghetto an. Aber ich kenne mich durchaus aus, was da so abgegangen ist. Also Ermittler: vielleicht.

Im deutschen Fernsehen werden ja viele Krimis gezeigt. Was macht es trotzdem noch spannend, in einem Krimi mitzuspielen? 

Naja, in meiner Definition ist das kein Krimi, sondern ein Thriller. Krimis sind nicht ganz so drastisch und hart wie Thriller. Und ich hoffe, wir sind gut genug und schaffen es, genau diese Komponente zu zeigen!

Weil der Film wirklich durchaus schräger werden könnte. Und alleine deswegen ist es spannend, weil es eher selten vorkommt, dass Thriller in Deutschland gedreht werden.

Ihr dreht gerade in Halle. Was machst du denn nach Drehschluss, geht ihr abends öfter mal zusammen ein Bier trinken? 

Wir bomben uns jede Nacht weg, machen fette Techno-Parties und kommen eigentlich komplett besoffen ans Set! Nein, ich weiß gar nicht, wie die anderen das machen, aber wenn ich drehe, ist das Ausnahmezustand, da kann ich keine Partys feiern. Da geh ich vom Set ins Hotel, und arbeite für den nächsten oder übernächsten Tag weiter: Nochmal nachdenken, über die Szene, über die Rolle. Dann lerne ich weiter Text, spinne rum, für mich, da bin ich relativ langweilig während der Drehzeit.

Wie ist die Stimmung im Team? 

Wir haben wirklich ein großartiges Team. Die arbeiten alle wie die Pferde, alle ackern hart. Ich glaube, die Energie zwischen uns Schauspielern ist wirklich gut … Es groovt, hab ich das Gefühl.

Besonders zwischen dir und Axel (Ranisch)? 

Nee, ich find den zum Kotzen, er geht mir so auf'n Sack, das ist eine ganz ganz unangenehme Person, das können sich auch alle merken, alle Kollegen und Regisseure! (lacht) Nein ernsthaft, Axel ist 'n Hammer. Was der spielt, ist  großartig, und auch als Mensch ist er fantastisch. Ich hab den vom ersten Moment an in mein Herz geschlossen, und das ist selten. Das tu ich echt nicht bei jedem.

Axel Ranisch (li.) und Mišel Matičević bei den Dreharbeiten zu "Zorn - Tod und Regen" in Halle.
Ein ungleiches Paar: Axel Ranisch (li.) und Mišel Matičević spielen die Hauptkommissare Schröder und Zorn. Bildrechte: MDR/ARD/Degeto/Edith Held

Mišel Matičević *1970 in Berlin

• Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolff in Babelsberg
• spielte unter anderem am Berliner Ensemble und am Deutschen Theater Berlin

Filme (Auswahl):
• Im Angesicht des Verbrechens (2010)
• Effi Briest (2009)
• Das Gelübde (2007)
• Die dunkle Seite (2007)
• Todesautomatik (2007)
• The Company (2007)
• Hotte im Paradies (2002)

Preise (Auswahl):
• Grimme-Preis für darstellerische Leistung in "Im Angesicht des Verbrechens" (2011)
• Deutscher Fernsehpreis in der Kategorie Besondere Leistung Fiktion für das Ensemble von "Im Angesicht des Verbrechens" (2010)
• Deutscher Fernsehpreis in der Kategorie Bester Schauspieler in "Das Gelübde", "Die dunkle Seite" und "Todesautomatik" (2008)

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2017, 14:08 Uhr