Sa 02.10. 2021 00:15Uhr (VPS 00:00) 109:46 min

Ursula

Fernsehfilm DDR/Schweiz 1978

Komplette Sendung

u.a. Jörg Reichlin (Hansli Gyr) 110 min
Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv
MDR FERNSEHEN Sa, 02.10.2021 00:15 02:05

DEFA 75
Umstrittener Skandalfilm: Zur Reformationszeit geraten das Bauernmädchen Ursula und der Soldat Hansli Gyr in einen Strudel aus religiösen Wirren und sexuellen Verirrungen.

Bildergalerie Ursula

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Brunnenszene
In den Wirren der Reformationszeit des frühen 16. Jahrhunderts im Züricher Oberland spielt die Liebesgeschichte zwischen dem Bauernmädchen Ursula und dem Soldaten Hansli Gyr. Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv
Brunnenszene
In den Wirren der Reformationszeit des frühen 16. Jahrhunderts im Züricher Oberland spielt die Liebesgeschichte zwischen dem Bauernmädchen Ursula und dem Soldaten Hansli Gyr. Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv
Ursula (Susanne Stoll)
Ursula, beeinflusst durch ihren Vater, den Sektenführer Schnurrenberger, hängt den Wiedertäufern an und will sich Hansli in freier Liebe schenken. Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv
Suzanne Stoll (Ursula Schnurrenberger) und Jörg Reichlin (Hansli Gyr).
Hansli, befangen im konservativen Denken und bewaffneter Verteidiger des katholischen Glaubens, stößt sie zurück. Unterdessen überziehen die Auseinandersetzungen das Land mit Mord, Raub und Vergewaltigung. Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv
Suzanne Stoll (Ursula Schnurrenberger)
Dem Wüten der verrohten Landsknechte halten die Wiedertäufer sexuelle Ausschweifungen und leidenschaftliche Predigten in kerzenscheinerhellten Spelunken entgegen. Religiöser Fanatismus allenthalben verkehrt die Verheißungen, ob vom irdischen Paradies oder dem göttlichen Jenseits, in die Hölle auf Erden ... Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv
Jörg Reichlin (Hansli Gyr) und Wolf Kaiser (Enoch Schnurrenberger)
Dem Film liegt die 1877 entstandene gleichnamige Novelle Gottfried Kellers zugrunde. Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv
u.a. Jörg Reichlin (Hansli Gyr)
Er entstand in einer Koproduktion zwischen dem Schweizerischen und dem DDR-Fernsehen. Gedreht wurde mit erstklassiger Besetzung aus beiden Ländern an Originalschauplätzen. Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv
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In den Wirren der Reformationszeit des frühen 16. Jahrhunderts im Züricher Oberland spielt die Liebesgeschichte zwischen dem Bauernmädchen Ursula und dem Soldaten Hansli Gyr. Der Riss, der die Gesellschaft in erbitterte Feinde spaltet und das Land in blutige Glaubenskriege stürzt, trennt auch die beiden Liebenden.

Ursula, beeinflusst durch ihren Vater, den Sektenführer Schnurrenberger, hängt den Wiedertäufern an und will sich Hansli in freier Liebe schenken. Hansli, befangen im konservativen Denken und bewaffneter Verteidiger des katholischen Glaubens, stößt sie zurück.

Unterdessen überziehen die Auseinandersetzungen das Land mit Mord, Raub und Vergewaltigung. Dem Wüten der verrohten Landsknechte halten die Wiedertäufer sexuelle Ausschweifungen und leidenschaftliche Predigten in kerzenscheinerhellten Spelunken entgegen. Religiöser Fanatismus allenthalben verkehrt die Verheißungen, ob vom irdischen Paradies oder dem göttlichen Jenseits, in die Hölle auf Erden...

Dem Film liegt die 1877 entstandene gleichnamige Novelle Gottfried Kellers zugrunde. Er enstand in einer Koproduktion zwischen dem Schweizerischen und dem DDR-Fernsehen. Gedreht wurde mit erstklassiger Besetzung aus beiden Ländern an Originalschauplätzen.

Beim Publikum beider Länder löste die Ausstrahlung heftige Kritik aus. Während Rezensenten ziemlich einhellig begeistert ein Meisterwerk feierten, erschien den DDR-Zensoren die Geschichte als Anklage gegen Ideologienwahn und Glaubenskrieg im Nachhinein suspekt genug, um jede weitere öffentlichen Diskussion rigoros zu unterbinden.

Dabei entzündete sich die Empörung des Publikums mehr an der Form, die in bis dato nicht dagewesener Freizügigkeit und Deftigkeit schwelgt, als am Inhalt mit seiner letztlich humanistischen Botschaft. In der Schweiz waren die Proteste nicht geringer. Die Kirchensynode warf dem Film bewusste Provokation und Bloßstellung der Religion vor, und der kirchliche Fernsehbeauftragte musste seinen Hut nehmen.

Regie führte Egon Günther. Geboren wurde Egon Günther am 30. März 1927 in Schneeberg/Erzgebirge. Er war vieles in seinem Leben: Schlosser, Lehrer, Lektor, Lyriker, Romancier, Autor, Regisseur und lehrte als Professor an den Filmhochschulen Berlin-Babelsberg und München.

Er hat ein bewegtes Leben hinter sich, mit Filmen, die etwas bewegt haben. In den 1960er- und 1970e- Jahren war er der Avantgardist der DEFA, inszenierte brisante und unkonventionelle Filme, die sich am internationalen Maßstab messen ließen. Die damals Verantwortlichen in Kunst und Politik sahen das anders. Nach seinen Spielfilmen "Der Dritte" und "Die Schlüssel" von 1972 und 1973 durfte er keine weiteren Gegenwartsfilme mehr drehen und wandte sich der Weltliteratur zu ("Lotte in Weimar",1975).

1978, im Jahr der Erstausstrahlung von "Ursula", siedelte Günther nach München über und konnte seine künstlerische Arbeit nahtlos fortsetzen ("Exil", 1981). Sein letzter Spielfilm "Die Braut" (1999) war sein Beitrag zum Goethe-Jahr. Für sein umfangreiches Oevre wurde er mehrfach ausgezeichnet, 1999 erhielt er den Deutschen Filmpreis in Gold für sein Gesamtwerk.
Mitwirkende
Musik: Karl-Ernst Sasse
Kamera: Peter Brand
Buch: Helga Schütz
Regie: Egon Günther
Darsteller
Ursula: Suzanne Stoll
Hansli Gyr: Jörg Reichlin
Zwingli: Matthias Habich
Schnurrenberger: Wolf Kaiser
Schnurrenbergerin: Jutta Hoffmann
Schneck von Agasul: Klaus Piontek
Soldat: Ulrich Anschütz
und andere

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