Sa 02.10. 2021 11:45Uhr 29:49 min

Mann zeigt Gemälde
Mann zeigt Gemälde Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Der Coup von Gotha

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Es ist die Sensation des Jahres: Die Bilder aus dem größten Kunstraub der DDR sind wieder aufgetaucht. Nach Monaten intensiver Geheimverhandlungen steht Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch vor fünf alten Gemälden und kann sein Glück kaum fassen: "Das hat ja niemand mehr erwartet, Generationen sind darüber gestorben, die das nicht mehr erleben konnten. Da werden einem die Knie weich, da flennst du eigentlich."

Der Coup von Gotha - wie konnte er gelingen? Wie ist es möglich, dass die fünf Alten Meister bald wieder auf Schloss Friedenstein in Gotha zu bestaunen sind? "Echt" schaut hinter die Kulissen des spektakulären Falls und rekonstruiert die Geheimverhandlungen.

Die Geschichte begann am 14. Dezember 1979. In der Nacht war alles perfekt für die Diebe. Sie kamen über das Abflussrohr und kletterten senkrecht nach oben. Offenbar wussten die Täter: Die Alarmanlage war nicht scharf gestellt. Sie entwendeten fünf Gemälde, die später auf 50 Millionen Mark taxiert wurden. Dem größten Kunstraub der DDR folgte eine beispiellose Ermittlung von Polizei und Stasi - Ein Trauma für die Thüringische Kleinstadt. Fast 1.000 Menschen wurden befragt. Sechs Jahre nach dem Kunstraub schlossen sich in Gotha auch die Stasi-Akten. Der Fall blieb unaufgeklärt.

Doch dann: im Juni 2018 klingelte im Rathaus von Gotha das Telefon. Ein Gespräch für den Oberbürgermeister. Ein dubioser Anwalt meldete sich. Seine Mandanten wären im Besitz der Bilder. Für 5,25 Millionen Euro könne sie die Stadt und die Stiftung Friedenstein zurückhaben. Knut Kreuch war sofort klar: "Wir haben dazu kein Geld. Deswegen habe ich gesagt, ich brauche die Ernst-von-Siemens Kunststiftung, - die hat uns schon oft geholfen." Und tatsächlich: Dr. Martin Hoernes, Generaldirektor der Stiftung stieg mit ein in die Geheimverhandlungen: "Es ging nicht nur um viel Geld, es ging auch darum, Diskretion zu halten, mit verschiedenen Partnern zu jonglieren."

Am 20. September 2019 kam es zur Übergabe der Bilder im ältesten Forschungslabor für Kunstgegenstände - dem Rathgen Labor in Berlin. "Echt" hat rekonstruiert, was dann geschehen ist. Mit am Tisch: Oberbürgermeister Knut Kreuch, Dr. Martin Hoernes sowie der Rechtsanwalt und Einlieferer der Erbengemeinschaft - außerdem: ein verdeckter Ermittler des Landeskriminalamtes. "Wir wussten nicht mit wem wir es zu tun haben, ob hier gewiefte Berufsverbrecher auf uns zukommen, Bandenkriminalität oder normale Leute", so Dr.Hoernes. Auch Knut Kreuch kann sich noch an jede Sekunde der Bildübergabe erinnern: "Kommen die bewaffnet dahin und ich werde dann als Geisel genommen? Mir war klar: Hier ist ein großes Ding am Laufen."

"Echt" zeigt, wie es dem Berliner Rathgen Labor in einem detektivischen Puzzle gelang, die Echtheit der fünf Gemälde von Gotha nachzuweisen. Noch sind viele Fragen offen: Wer steckt hinter dem Diebstahl von 1979? War es ein Auftragsdiebstahl aus dem Westen? Steckt etwa Alexander Schalck-Golodkowskis "KoKo" hinter dem Raub oder war die Stasi selbst in den Kunstdiebstahl verwickelt und die Ermittlungen nach dem Raubzug nur ein einziges Schauspiel? Ein Spiel im Spiel?

"Echt" hat die neusten Erkenntnisse zum Fall recherchiert. Eins steht fest: Der Coup von Gotha wurde nur möglich durch die Diplomatie und das Verhandlungsgeschick von Oberbürgermeister Knut Kreuch.

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