Di 14.09. 2021 21:00Uhr 44:30 min

Der Osten - Entdecke wo du lebst Mit Volldampf auf den "Berg der Deutschen" - Die Brockenbahn

Film von Anja Walczak und Sven Stephan

Komplette Sendung

Die Brockenbahn 45 min
Die Wachsenburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Di, 14.09.2021 21:00 21:45

Bilder zur Sendung

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Siegfried Schenkel an der Tür einer alten Lok
Siegfried Schenkel fuhr jahrzehntelang Dampfloks über die Gleise der Harzquerbahn. Er durfte am 15. September 1991 den Eröffnungszug auf den Brockengipfel fahren. Bildrechte: MDR/Anja Walczak
Siegfried Schenkel an der Tür einer alten Lok
Siegfried Schenkel fuhr jahrzehntelang Dampfloks über die Gleise der Harzquerbahn. Er durfte am 15. September 1991 den Eröffnungszug auf den Brockengipfel fahren. Bildrechte: MDR/Anja Walczak
Der Bahnhof Drei Annen Hohne. Ein Blumenkasten mit roten Blumen schmückt das Fenster des alten Bahnhofsgebäudes
Im Bahnhof Drei Annen Hohne beginnt die 19 Kilometer lange Brockenstrecke. Sie ist Teil des Netzes der Harzer Schmalspurbahnen. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
aEine alte Dampflok im Bahnhof von Schierke
Im Bahnhof von Schierke war für die Züge der Brockenbahn 30 Jahre lang Endstation. Im August 1961 sperrte die DDR den Brocken für die Öffentlichkeit. Erst am 15. September 1991 fuhr erstmals wieder offiziell ein Zug auf den Brockengipfel. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Eine alte Lok vor einer Berglandschaft
Die letzten Meter noch – dann hat die Brockenbahn ihr Ziel erreicht. Der Bahnhof "Brocken" zählt zu den höchstgelegenen in Deutschland. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Die Brockenbahn mit grünen Tannen im Hintergrund
Die Brockenbahn am Goetheweg. Etwas mehr als eine Dreiviertelstunde benötigt der schnellste Zug von Drei Annen Hohne für die 19 Kilometer bis auf den Brockengipfel. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Ein Bahnhofsgebäude in Wernigerode
Betrieben wird die Brockenbahn von den Harzer Schmalspurbahnen in Wernigerode. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Eine alte Dampflok in einem Bahnhof
Viele Touristen kommen wegen der historischen Dampflokomotiven zur Brockenbahn. Allesamt technische Denkmäler auf Rädern. In der Werkstatt in Wernigerode werden sie gehegt und gepflegt. Bildrechte: MDR/Sven Stephan
Ein Schwarz-Weiß Bild von einem Mann, der an einer alten Lok lehnt
Siegfried Schenkel als Lokführer im Jahr 1962. Er durfte hin und wieder noch Materialtransporte auf den streng abgeschirmten Brocken fahren. Bildrechte: MDR/Siegfried Schenkel
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Mindestens sechsmal am Tag schnauft sie derzeit auf den höchsten Berg Norddeutschlands: die Brockenbahn. Die mit historischen Dampfzügen betriebene Schmalspurstrecke ist eine der größten Touristen-Attraktionen des Harzes. Hunderttausende Menschen erreichen mit ihr jedes Jahr den Brockengipfel.

1899 eingeweiht überwindet die Strecke von Drei Annen Hohne bis hinauf auf den Gipfel fast 600 Höhenmeter. Ein technisches Meisterwerk, das zu seiner Entstehungszeit den Tourismus im Harz entscheidend voranbrachte.

Der Brockengipfel war von jeher ein Sehnsuchtsort. Schon Heinrich Heine nannte ihn den "deutschesten aller Berge". Der war nun auch mit einem modernen Massenverkehrsmittel erreichbar. Und das tat zuverlässig seinen Dienst, ungeachtet aller Wetterunbilden und auch ungeachtet aller Wendungen der Weltgeschichte, mehr als 60 Jahre lang.

Bis am 13. August 1961 das Aus kam. Denn der Brocken lag direkt an der Grenze zur Bundesrepublik. Und als Folge des Mauerbaus in Berlin sperrte die DDR auch das beliebte Touristenziel im Harz rigoros ab. Von einem Tag auf den anderen durfte die Brockenbahn nicht mehr fahren, erinnert sich Lokführer Siegfried Schenkel. Er war damals als Heizer im Einsatz. "Und dann kam der Fahrdienstleiter und sagte, ihr dürft nicht mehr weiterfahren. Ja, warum? Wegen Berlin. Das konnten wir einfach nicht begreifen."

Der Sehnsuchtsort Brocken war fortan Sperrgebiet; Armee und Geheimdienste errichteten Horchposten auf dem Gipfel. Die Brockenbahn lag – bis auf wenige Materialtransporte fürs Militär – still und begann zu verfallen. 28 Jahre lang war der Gipfel für alle „Unbefugten“ tabu. Nur aus der Ferne konnte man ihn bestaunen – aus Ost wie West.

"Es war immer mein Traum, mal dort oben zu stehen", sagt der Fotograf Hansjörg Hörseljau aus Niedersachsen. In seiner Jugend schon hatte er vom Westen aus den Brocken fotografiert und war dabei, als sich die Menschen aus der Region im Dezember 1989 wieder Zugang zum Brockengipfel erkämpften.

Fortan wird der Gipfel zu einem Symbol der Freiheit und der Einheit Deutschlands. Und rasch mehren sich die Stimmen für eine Wiedereröffnung der marode gewordenen Brockenbahn. Was für die einen auf der Hand liegt, stellen andere in Frage: Naturschützer machen mobil gegen einen Wiederaufbau; sie fürchten einen ungebremsten Massentourismus.

Am Ende kommt die Brockenbahn zurück. Seit nunmehr 30 Jahren befördert sie wieder Besucher auf den Gipfel. Sie kommen, um die Fernsicht zu genießen oder die historische Technik zu bestaunen. Attraktiv ist das für Harz-Besucher jeden Alters – etwa den 22-jährigen Max Meinel aus Neubrandenburg. "Ich hoffe, dass ich schöne Bilder und Videos machen kan"“.

Die Brockenbahn ist ein beeindruckendes technisches Denkmal. Und sie ist längst zum Aushängeschild geworden, von dem eine ganze Region profitiert. "Die Bahn ist gar nicht wegzudenken von uns", sagt Christiane Hopstock, Bürgermeisterin von Schierke am Fuße des Brockens. "Sie gehört dazu. Wie das Brandenburger Tor nach Berlin gehört oder das Schloss zu Wernigerode, gehört die Bahn natürlich auch zu Schierke."

Die Reportage "Mit Volldampf auf den ‚Berg der Deutschen'" blickt auf die jüngere Geschichte der Brockenbahn. Ehemalige und aktive Eisenbahner kommen ebenso zu Wort wie Menschen, die damals einem Wiederaufbau skeptisch gegenüberstanden. Viele Aufnahmen der historischen Dampfzüge und seltenes Archivmaterial lassen ein Stück deutsch-deutscher Geschichte erlebbar werden.

Mitteldeutschland entdecken

Peter und Paul und das Waidhaus. Diese Aufnahme wurde von der Altstadtbrücke gemacht, die sich als 80-Meter-Bogenbrücke über die Neiße spannt.
Peter und Paul und das Waidhaus. Diese Aufnahme wurde von der Altstadtbrücke gemacht, die sich als 80-Meter-Bogenbrücke über die Neiße spannt. Bildrechte: MDR/René Römer
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Beate Werner auf der Burg Tharandt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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