So 17.10. 2021 22:50Uhr 45:00 min

Abdul Kerim Simsek (2.v.l.) und Adile Simsek (2. v.r.), Sohn und Witwe vom NSU Opfer Enver Simsek und ihre Anwältin Seda Basay-Yildiz (Mitte) warten im Landgericht in Muenchen auf den Beginn des 402. Verhandlungstages im NSU-Prozess.
Abdul Kerim Simsek (2.v.l.) und Adile Simsek (2. v.r.), Sohn und Witwe vom NSU Opfer Enver Simsek und ihre Anwältin Seda Basay-Yildiz (Mitte) warten im Landgericht in Muenchen auf den Beginn des 402. Verhandlungstages im NSU-Prozess. Bildrechte: imago/Sebastian Widmann
MDR FERNSEHEN So, 17.10.2021 22:50 23:35

MDR DOK Der NSU-Prozess und die Opfer

Der NSU-Prozess und die Opfer

Das lange Leiden der Angehörigen

Film von Eva Frisch, Eckhart Querner und Alf Meier

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Jahrelang haben Gamze Kubaşık und Abdulkerim Şimşek den NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht mit gemischten Gefühlen verfolgt. Sie sind die Tochter und der Sohn zweier Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Auf das Konto der rechtsextremistischen, rassistischen Terrorzelle gehen insgesamt zehn kaltblütig begangene Morde, neun an türkisch- und griechischstämmigen Männern und einer an einer deutschen Polizistin, außerdem 15 brutale Raubüberfälle und mindestens zwei Sprengstoffanschläge.

Enver Simsek war Blumenhändler in Nürnberg, er war das erste Mordopfer des NSU und wurde im Jahr 2000 erschossen. Mehmet Kubasik hatte einen kleinen Kiosk in der Dortmunder Nordstadt, er starb 2006 durch die Kugeln der NSU-Terroristen. Für Gamze Kubasik und Enver Simsek ist das zähe Gerichtsverfahren ein Martyrium. An 437 Verhandlungstagen erleben sie das unerträgliche Schweigen der Angeklagten, das schamlose Feixen rechtsextremer Zeugen und das peinliche Versagen von Ermittlern und Geheimdiensten. Ständig werden Kubasik und Simsek an die traumatische Zeit nach den Morden erinnert, als die Opferfamilien selbst in den Fokus polizeilicher Ermittlungen rückten.

Die Filmautoren Eva Frisch, Eckhart Querner und Alf Meier haben den gesamten Prozess verfolgt – vom ersten Verhandlungstag im Mai 2013 bis zum Urteil mehr als fünf Jahre später. Sie erlebten, dass sich das Interesse der Öffentlichkeit fast ausschließlich auf die meist schweigende Hauptangeklagte Beate Zschäpe und ihre mitangeklagten Unterstützer richtet, auf ihre Motive, ihre Gesinnung, ihr Verhalten vor Gericht. Deshalb war es dem Autorenteam besonders wichtig, die Opferfamilien in den Mittelpunkt ihrer Dokumentation zu stellen. Allerdings waren die meisten der Angehörigen nicht in der Lage, sich vor der Kamera zu äußern. Zu groß ist immer noch ihr Schmerz. Nur Gamze Kubasik und Abdulkerim Simsek waren bereit, für diesen Film ihre Geschichte zu erzählen.

Am Ende des Mammutprozesses hofften sie auf ein gerechtes Urteil und vor allem auf Antworten auf ihre wichtigsten Fragen: Warum wurden gerade ihre Väter als Mordopfer ausgewählt, und welche Helfershelfer hatte der NSU vor Ort – Unterstützer, die möglicherweise noch heute unbehelligt in der Nachbarschaft der Opferfamilien wohnen. Doch die Enttäuschung ist groß, denn bei der Urteilsverkündung erwähnt das Gericht das Leid der Opfer mit keinem Wort. Zudem fällt aus Sicht Kubasiks und Simseks das Strafmaß für zwei Angeklagte, die bekennende Nationalsozialisten sind, viel zu niedrig aus. Und dann kommt es noch zu einem traumatischen Zwischenfall auf der Zuhörertribüne.

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