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So, 28.08. 22:20 Uhr 44:15 min

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Osteuropa nach dem Holocaust - Vom Verschwinden der Schtetl

Film von Susanne Brahms und Rainer Krause

Komplette Sendung

Osteuropa nach dem Holocaust - Vom Verschwinden der Schtetl

2021 reiste das Filmteam nach Osteuropa, um nach den letzten noch existierenden Schauplätzen einer ehemals reichen jüdischen Kultur zu suchen. Die Reise führte u.a. ins ukrainische Tscherniwzi, das ehemalige Czernowitz. Hier wurde 1866 ein jüdischer Friedhof angelegt, dessen Grabsteine nun deutsche, hebräische, jiddische, rumänische, russische und ukrainische Inschriften tragen. Bildrechte: MDR/Radio Bremen/Christian Herrmann
Der jüdische Friedhof von Czernowitz gilt als eine der größten erhalten gebliebenen jüdischen Friedhofsanlagen in Mittel- und Osteuropa. Sogar die ehemalige Leichenhalle steht noch auf dem 14,2 Hektar großen Gelände. Bildrechte: MDR/Radio Bremen/Christian Herrmann
Doch in manchen Regionen wurden ehemalige religiöse Gebäude zweckentfremdet: Die Synagoge von Sbarasch (Ukraine) beherbergt heute eine Wodka-Destille. Bildrechte: MDR/Radio Bremen/Christian Herrmann
Und in dieser ehemaligen Synagoge in Slonim (Belarus) befindet sich ein Möbelgeschäft. Bildrechte: MDR/Radio Bremen/Christian Herrmann
Der jüdische Friedhof von Chișinău (Republik Moldau) wurde bereits im 17. Jahrhundert angelegt. Etwa 20.000 Grabsteine blieben hier erhalten. Die ehmalige Leichenhalle hat die Zeit allerdings nicht gut überstanden. Bildrechte: MDR/Radio Bremen/Christian Herrmann
Der jüdische Friedhof in Karczew (Polen) wurde von deutschen Besatzern im Zweiten Weltkrieg verwüstet. Etwa 200 Grabsteine sind erhalten geblieben. Bildrechte: MDR/Radio Bremen/Christian Herrmann

Ein Kriegsziel der Nazis waren die reichen Kornkammern der Ukraine. Ausgerechnet dort stießen die Nazis auf Millionen osteuropäische Juden, die in kleinen Städtchen, den Schtetln, oft ein sehr traditionelles, religiöses Leben führten. Noch bevor das systematische Morden in den großen Vernichtungslagern wie Auschwitz begann, ermordeten Sonderkommandos der Nazis in diesem "Holocaust durch Kugeln" rund zwei Millionen Menschen, schätzt man heute. Die Radio-Bremen-Dokumentation "Osteuropa nach dem Holocaust – vom Verschwinden der Schtetl" reist zu den letzten noch existierenden Schauplätzen einer ehemals reichen jüdischen Kultur, aber auch eines monströsen Verbrechens.

Rivka Yoselevska gehört zu denen, die erschossen wurden, aber sie konnte sich aus der Grube befreien und als eine der wenigen Überlebenden vom Massenmord berichten, der vieltausendfach in Osteuropa stattgefunden hat. "Dann wurde ich erschossen", erzählt sie in einem Interview von 1981. "Ich fiel in die Grube, immer mehr Körper fielen auf mich. Ich hatte das Gefühl, ich ertrinke. Ertrinke im Blut der eigenen Leute." 95 % der Juden Galiziens, heute gelegen in Südpolen und der Westukraine, wurden so in Gruben "geschossen". Zurück blieben blutdurchtränkte Erde, tausende Massengräber und verwaiste Schtetl. Hunderte Synagogen und Friedhöfe fielen der Vernichtungswut der Deutschen zum Opfer, doch vieles blieb auch einfach stehen.

"Die Menschen (…) leben buchstäblich auf diesem Blut, das dort vergossen ist und leben auch oft mit dem Wissen, dass ihre Eltern oder Großeltern da mitgemacht haben. Dass sie womöglich in einem jüdischen Haus wohnen, dass sie womöglich jüdische Möbel haben, einen jüdischen Tisch oder eine jüdische Decke", sagt Magdalena Waligórska, Expertin für osteuropäische Geschichte.

Christian Herrmann, Autor aus Köln, bereist schon seit Jahren die jüdischen Schtetl in Osteuropa und fotografiert, was von ihnen übrigblieb. In den Synagogen befinden sich heute Turnhallen, Kinos oder eine Schnapsfabrik. Fanden die Häuser keine Nachnutzung, fielen sie in sich zusammen und wurden oft abgerissen. Heute ist vom ehemals blühenden jüdischen Leben in Osteuropa fast nichts mehr übrig. Gibt es noch Rabbiner, kommen sie oft aus Israel oder den USA, sie haben Mühe, mehr als die zehn Männer, die dafür nötig sind, zu einem Gottesdienst zusammen zu bekommen.

Dennoch gibt es viele Menschen in Osteuropa, die sich um den Erhalt des jüdischen Erbes bemühen. So versucht zum Beispiel Sasha Nazar, die Jakob Glanzer Schul zu retten, eine der letzten Synagogen im ehemaligen Lemberg, heute dem ukrainischen Lwiw.

Viele Massengräber sind bis heute unbekannt und das Erbe der Schtetl ist massiv bedroht. In ein paar Jahren werden weitere Synagogen und historische Häuser der jüdischen Bevölkerung verschwunden sein.

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