Fr 12.01. 2018 03:15Uhr 29:30 min

Eine Frau schreibt an einer Tafel
Eine Frau schreibt an einer Tafel Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Fr, 12.01.2018 03:15 03:45

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* Rückblick auf die Wendezeit - Wie sieht man die Treuhand heute?
Sie gilt als "Bad-Bank" der deutschen Erinnerungskultur, als Synonym für die "Vereinigungskrise" - die Treuhand. Gegründet noch von der letzten DDR-Regierung existierte sie vom 1. März 1990 bis Dezember 1994. Die Bilanz dieser vier Jahre: Von 4,1 Millionen Arbeitsplätzen blieben 1,5 Millionen übrig und mehr als 200 Milliarden DM Schulden. Welche Spuren hat die Treuhand bis heute hinterlassen - im öffentlichen Bewusstsein? Bochumer Wissenschaftler untersuchten jetzt erstmalig in einer Studie, wie man die Treuhandarbeit im Rückblick, nach fast 25 Jahren, wahrnimmt. Wie sehen west- und ostdeutsche Treuhandmanager, Gewerkschafter, Betriebsräte die Treuhandanstalt heute? Ist die Treuhand ein Erfolgsmodell, eine Skandalgeschichte oder eine "Enteignungsgeschichte"? Es kommt darauf an, wer diese Geschichte erzählt …

Wir sprechen mit Iris Gleicke, Ost-Beauftragte der Bundesregierung, die die Studie in Auftrag gegeben hat, mit Dr. Marcus Böick von der Ruhr-Universität Bochum, Leiter der Studie. Außerdem sind wir mit Wolf Schöde, ehemals Direktor Kommunikation/Medien der Treuhand und mit Bernd Gehrke, einem Aktivisten der ostdeutschen Betriebsräte im Gespräch.

* Winston Churchill im Jahr 1940
Ein britischer Spielfilm beleuchtet jetzt einen der wichtigsten Momente der jüngeren Geschichte des Empires: Mai 1940, das anfängliche Kriegsglück der Nazis stürzt die britische Regierung in eine existenzielle Krise, Premierminister Chamberlain tritt zurück. Nur dem reichlich unpopulären Winston Churchill traut man zu, die scheinbar ausweglose Lage in den Griff zu bekommen. Er übernimmt das Amt, sieht sich aber bald von Öffentlichkeit und Regierungsmitgliedern bedrängt, mit den unaufhaltsam vorrückenden Nazis über einen Friedensvertrag zu verhandeln. Doch durch seine außerordentliche Weitsicht und Integrität gelingt es Churchill, an seiner Überzeugung festzuhalten und Nazideutschland die Stirn zu bieten.

Als die Luftschlacht um England entbrennt und die deutsche Invasion droht, wenden sich das britische Volk, der skeptische König und sogar seine eigene Partei von Churchill ab. Wie soll es ihm in dieser prekären Situation seiner Karriere gelingen, das Land zu einen und den Lauf der Weltgeschichte zu ändern? Der britische Regisseur Joe Wright hat diesen historischen Moment in einem Spielfilm mit dem Titel "Darkest Hour" - "Die dunkelste Stunde" festgehalten. Die Hauptrolle spielt Gary Oldman, der dafür gerade einen Golden Globe erhielt. "artour" berichtet über dieses Kinoereignis, das am 18. Januar in die Kinos kommt.

* Brauchen wir die Schreibschrift noch?
Sollen Grundschüler heute noch eine verbundene Schreibschrift lernen oder reicht es, wenn die 6-10jährigen die Druckbuchstaben schreiben können? Über diese Frage gibt es seit Jahren einen erbitterten Streit zwischen Lehrern, Bildungspolitikern, Wissenschaftlern - und nicht zuletzt Eltern. In den Bildungsstandards für die Grundschule, die deutschlandweit gelten, ist nur festgelegt, dass jedes Kind am Ende der vierten Klasse eine individuelle und gut lesbare Handschrift gefunden haben muss. Wie die Schüler dazu kommen, kann jedes Bundesland selbst festlegen.

Schon in Mitteldeutschlands Grundschulen gibt es unterschiedliche Regelungen. Während in Sachsen und Sachsen-Anhalt das Erlernen einer verbundenen Schreibschrift im Lehrplan festgeschrieben ist, können in Thüringen die Schulen selbst entscheiden. Doch was ist nun das Beste für die Grundschüler selbst? Wir gehen dem kontroversen Thema abermals nach und sprechen mit Marco Tullner, dem Bildungsminister von Sachsen-Anhalt und mit Helmut Holter, dem Minister für Bildung, Jugend und Sport in Thüringen über die Gründe für die unterschiedlichen Lehrplanfestlegungen in den beiden mitteldeutschen Ländern und mit dem Psychiater und Gehirnforscher Manfred Spitzer, der schon seit Jahren vor "digitaler Demenz" warnt. Außerdem kommt Agnes Heinz zu Wort, Grundschullehrerin in Sachsen. Sie berichtet über ihre Erfahrungen mit dem Erlernen der gebundenen Schreibschrift.

* Nachruf auf Aharon Appelfeld
Der jüdische Schriftsteller Aharon Appelfeld wurde 1932 in der Bukowina geboren. Sein Leben war so abenteuerlich und zerrissen wie das vieler anderer Überlebender des Holocaust. Die Verfolgung durch die Deutschen überstand er, erst im Ghetto, dann im Lager, zuletzt als Küchenjunge der Roten Armee. Von dieser Erfahrung ist Appelfelds Leben geprägt. Nach dem Krieg machte er als Intellektueller Karriere in Israel.

Der ehemalige Literaturprofessor veröffentlichte Erinnerungen und Romane, die in zwanzig Ländern erschienen. Er war ein in der Welt hochgeschätzter Autor, nur in Deutschland blieb er weitgehend unbekannt. Dabei führen seine Geschichten auf einfache Weise zielsicher ins gequälte Herz der durch die Deutschen entwurzelten Menschen. Alle seine Romane beschreiben den Verlust und die Suche nach der alten Heimat, einer Welt, die auf grausame Weise untergegangen ist und die es so nicht mehr geben wird. Vor einigen Jahren haben wir Appelfeld porträtiert. Wir haben ihn als freundlich, lächelnd und altersweise erlebt, als einen glücklichen und zufriedenen Mann, dem man seine leidvolle Geschichte nicht ansah. Am 4. Januar ist er 85jährig in Jerusalem gestorben.

Kulturkalender
* "Marine Sonderlinge" - Ausstellung im Museum für Naturkunde Magdeburg, die rund 50 großformatige Unterwasserfotografien des renommierten UW-Fotografen Werner Fiedler zeigt, noch bis 28. Januar
* "Keine Gefahr" - aktuelles Album der Liedermacherin Dota, Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2017. Ein Dota-Konzert ist einer der Hauptacts auf dem 18. Erfurter Liedermacherfestival, das vom 12.-14. Februar in der Landeshauptstadt stattfindet.

Video in der Mediathek

Thomas Bille
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 11.01.2018 22:05 22:35

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